Mazedonien Rebellen lehnen Ultimatum ab

Das Ringen um den Frieden in Mazedonien geht weiter. Die albanischen Rebellen wiesen ein von der Regierung gestelltes Ultimatum zurück. Wenn die Regierung nicht verhandele, würden die Kämpfe nach Tetovo hineingetragen werden, drohte ein Kommandant.


Mazedonien: Regierung forderte die Rebellen zum Abzug auf
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Mazedonien: Regierung forderte die Rebellen zum Abzug auf

New York/Washington/Skopje - Die mazedonische Regierung hatte den Freischärlern bis Mitternacht am Mittwoch Zeit gegeben, sich zu ergeben oder aus Tetovo abzuziehen. Andernfalls werde die Armee mit aller Macht gegen die in den Bergen vor der Stadt verschanzten Rebellen vorgehen.

Der Kommandant der Rebellen mit dem Codenamen Skopje forderte die Regierung zu Verhandlungen über die Gleichberechtigung der albanischen Minderheit in Mazedonien auf. Er zeigte sich zugleich kampfbereit. "Die Moral ist gut, wir haben genug Munition und kaum Verluste", sagte er telefonisch aus seiner Stellung in den Bergen vor Tetovo.

Das mazedonische Militär hatte am Dienstag die Stellungen der Rebellen zunächst mit Panzern beschossen. Bis zum Ablauf des Ultimatums würden die Sicherheitskräfte nur zur Selbstverteidigung schießen, teilten die mazedonischen Ministerien für Inneres und für Verteidigung mit. Danach würden die Sicherheitskräfte mit allen Mitteln "gegen Stellungen der Terroristen" vorgehen, "bis diese völlig zerstört sind".

Schröder fordert Ende der Gewalt

Bundeskanzler Gerhard Schröder und der französische Präsident Jacques Chirac forderten ein Ende der Gewalt in Mazedonien. Schröder sagte nach einem Treffen mit Chirac am Dienstagabend im pfälzischen Herxheim-Hayna: "Wir sind miteinander der Auffassung, dass die territoriale Integrität Mazedoniens von niemandem, auch nicht von albanischen Terrorgruppen, in Frage gestellt werden darf. Wir unterstützen die mazedonische Regierungen bei ihren Bemühungen, eine politische Lösung des Konflikts zu erreichen und dass sie eine aufgeschlossene Haltung gegenüber der albanischen Minderheit einnimmt", sagte Schröder.

Solana-Besuch

Der außenpolitische Koordinator der EU, Javier Solana, hatte am Dienstag bei einem Besuch in Skopje die Rebellen zu einem Ende der Gewalt aufgefordert und jeglichen Verhandlungen mit ihnen eine Absage erteilt. Durch Gewalt werde nichts erreicht, sagte Solana. "Es ist ein Fehler, mit den Terroristen zu verhandeln, und wir empfehlen dies auch nicht."

Am Mittwoch wird der russische Außenminister Igor Iwanow zu Gesprächen in Mazedonien erwartet. Russland hat vor einer Eskalation des Konflikts gewarnt und sich dafür ausgesprochen, notfalls Mazedonien militärisch zur Hilfe zu kommen.

Die Nato und die EU hatten Mazedonien am Montag ihre Unterstützung zugesichert. Die Allianz kündigte an, ihre im Kosovo stationierten Friedenstruppen zu verstärken und zusätzliche Soldaten zur Sicherung der Grenze zu Mazedonien zu entsenden. Nach Angaben der mazedonischen Regierung werden die albanischen Rebellen aus dem Kosovo mit Nachschub versorgt.

Unter Beschuss: Mazedoniens zweitgrößte Stadt
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Unter Beschuss: Mazedoniens zweitgrößte Stadt

Die Rebellen kämpfen nach eigener Darstellung für mehr Rechte der albanischen Minderheit in Mazedonien. Die Regierung wirft ihnen hingegen vor, das Land destabilisieren zu wollen. Etwa ein Drittel der Bewohner Mazedoniens sind albanischer Abstammung, im Nordwesten des Landes bilden sie in vielen Orten, wie etwa in Tetovo, die Mehrheit.

Angriffe der mazedonischen Armee

Am Dienstag hatte die mazedonische Armee die Rebellenstellungen mit schwerer Artillerie beschossen. Kurz nach Beginn der Angriffe hatten die Streitkräfte den Freischärlern ein Ultimatum gestellt und sie aufgefordert, bis Mitternacht die Kampfhandlungen einzustellen und aufzugeben oder Mazedonien zu verlassen.

Im Gegenzug sagte die Regierung zu, ihre Angriffe bis Mitternacht einzustellen und sich 24 Stunden lang aller "offensiven" Aktionen zu enthalten. Die Erklärung wurde im Fernsehen verbreitet. Die Streitkräfte behielten sich aber das Recht vor, aus Selbstverteidigung zu schießen.

Flucht vor neuen Kämpfen

Mehrere tausend Menschen sind aus Angst vor einer Ausweitung der Kämpfe auf der Flucht
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Mehrere tausend Menschen sind aus Angst vor einer Ausweitung der Kämpfe auf der Flucht

Wie das Uno-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) am Dienstag mitteilte, befinden sich derzeit tausende Menschen auf der Flucht. In den vergangenen sechs Tagen seien 2300 albanischstämmige Mazedonier über die Grenze nach Albanien geflohen, um den Zusammenstößen zwischen albanischen Rebellen und mazedonischen Sicherheitskräften zu entgehen. 1400 Albaner und Mazedonier seien auf den Weg nach Südserbien. Sie wollen nach eigenen Angaben nach Kroatien und Bosnien weiterreisen.

Nach Angaben des UNHCR hat das Rote Kreuz bislang 3700 im Land Vertriebene registriert, die meisten davon in der Hauptstadt Skopje. Momentan seien die Menschen noch nicht auf Hilfe angewiesen, sie verließen sich weitgehend auf Freunde und Verwandte, sagte UNHCR-Sprecher Kris Janowski. Das Hilfswerk sei wegen der Lage in Mazedonien aber äußerst besorgt.



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