Mazedonien Trotz Waffenruhe wird geschossen

Seit Mitternacht gilt in Mazedonien eine Waffenruhe. Darauf verständigten sich die Regierung und die albanischen Rebellen unter Vermittlung westlicher Diplomaten. Ungeachtet der Vereinbarung dauern die Kämpfe im Norden des Landes weiter an.


Unter Beschuss: Das Dorf Aracinovo am 24. Juni 2001
AP

Unter Beschuss: Das Dorf Aracinovo am 24. Juni 2001

Skopje/Berlin - Aus der Stadt Tetovo wurden mehrere Schusswechsel gemeldet. Die Kämpfe seien im Vergleich zum Vorabend jedoch deutlich abgeflaut, sagte ein Armeesprecher. Auch in der Region um den rund 40 Kilometer nordwestlich von Skopje gelegenen Ort Radusa gingen die Kämpfe weiter. Nach Angaben der Armee griffen Rebellen dort einen Polizeiposten an. Der Angriff habe am späten Abend begonnen und dauerte bis nach Mitternacht noch an, sagte der Sprecher.

Wenige Stunden vor Inkrafttreten der Waffenruhe war es auch in Tetovo zu den schwersten Kämpfen seit Tagen gekommen. Wie das mazedonische Fernsehen berichtete, beschossen die albanischen Rebellen die Stadt mit Granaten. Sieben Zivilisten seien verletzt worden. Die Nachrichtenagentur MIA meldete, drei Kampfhubschrauber der Armee hätten Rebellenstellungen in den umliegenden Dörfern Germo, Gajre und Sipkovica angegriffen. Regierung und Rebellen machten sich gegenseitig für die Eskalation der Gewalt verantwortlich.

Die albanische "Nationalen Befreiungsarmee" (UCK) und die mazedonische Führung hatten sich in der Nacht zum Donnerstag unter Vermittlung des Nato-Sondergesandten Peter Feith auf eine unbefristete Waffenruhe geeinigt. Beide Seiten äußerten anschließend die Hoffnung, dass die Feuerpause die Tür zu einer politischen Einigung und zu einem Ende der seit fünf Monaten andauernden Kämpfe öffnen könne.

Uneins über Nato-Einsatz

Ohne greifbares Ergebnis ging unterdessen am Donnerstagabend das Gespräch der Bundesregierung mit den Fraktionschefs des Bundestages über eine Beteiligung der Bundeswehr an einem Nato-Einsatz in Mazedonien zu Ende. In der Debatte über einen deutschen Beitrag bleibt die Finanzierung ein Hauptstreitpunkt.

Außenminister Joschka Fischer (Grüne) sagte in Berlin, Bedingung für einen deutschen Beitrag bleibe ein dauerhafter Waffenstillstand und eine von den Konfliktparteien vereinbarte politische Lösung. Am heutigen Freitag gibt Fischer im Bundestag eine Regierungserklärung zu dem möglichen Bundeswehreinsatz ab.

Wie das mazedonische Verteidigungsministerium mitteilte, haben Nato-Experten und mazedonische Sicherheitskräfte bereits mit der Planung für die Entwaffnung der Rebellen begonnen. Die Nato wolle landesweit in 15 Zentren die Waffen einsammeln, hieß es.



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