McCain-Triumph in South Carolina Vom Außenseiter zum Liebling der Republikaner

South Carolina gilt als Gradmesser für jeden Kandidaten der Republikanischen Partei. Hier gewann John McCain deutlich vor dem evangelikalen Mike Huckabee - und schnitt selbst unter den religiösen Rechten gut ab. Die Chancen des Senators aus Arizona sind besser denn je.

Aus Charleston, South Carolina, berichtet


Charleston - Grün ist die Farbe von John McCain an diesem Abend. Sein Jackett ist grün, das Pult vor ihm, die Stellwand direkt hinter ihm. Grün ist die Farbe der Hoffnung, und der 71 Jahre alte McCain strahlt wie ein junger Hoffnungsträger.

Es ist kurz nach halb zehn Uhr, gerade haben ihn die TV-Sender zum Sieger der Vorwahlen in South Carolina gekürt, er ist nun der unbestrittene Favorit im Rennen der Republikaner um die Präsidentschaftskandidatur. "Ein bisschen hat es gedauert", lacht McCain glücklich in der traditionsreichen "Citadel"-Militärakademie in Charleston. "Aber was sind acht Jahre schon unter Freunden?" Dann sagt er, er wolle vor allem stolz auf Amerika sein können. Seine Anhänger unterbrechen ihn mit "USA, USA"-Rufen, fast eine Minute lang.

John McCain in South Carolina: Vor acht Jahren scheiterte er hier, jetzt liegt er vorn
AFP

John McCain in South Carolina: Vor acht Jahren scheiterte er hier, jetzt liegt er vorn

Die Sätze fassen das Phänomen McCain zusammen. Der Kriegsheld, der fünf Jahre Einzelhaft in Vietnam erduldete, gilt als aufrichtiger Patriot. Und doch hat er acht Jahre gebraucht, um vom Außenseiter zum Liebling der Republikanischen Partei aufzusteigen. 2000 musste er seine Hoffnungen genau hier in South Carolina in einer bitteren Schlacht gegen George W. Bush begraben. Damals demütigte ihn das konservative Establishment der Republikaner. Nun könnte sich nach seinem triumphalen Sieg eben das um ihn scharen. Kaum hat McCain das letzte Wort gesprochen, analysiert der einflussreiche TV-Kommentator Chris Matthews schon: "Das ist seine Nacht. Er könnte der neue Reagan sein. Er kann die Partei zusammenbringen."

Tatsächlich ist South Carolina der beste Gradmesser dafür. Seit 1980 hat jeder spätere Präsidentschaftskandidat der Republikaner in dem Küstenstaat gewonnen. Es ist eine Hochburg der religiösen Rechten, die für die Partei vor allem im Süden des Landes so wichtig geworden ist. Bis zu 60 Prozent der republikanischen Vorwähler bezeichnen sich als evangelikale Christen. Unter denen hat zwar Ex-Prediger Mike Huckabee am besten abgeschnitten - der insgesamt mit 30 Prozent der Stimmen auf dem zweiten Platz landete. Doch McCain gewann die Unterstützung von fast jedem vierten streng religiösen Wähler.

Es war ein langer Weg für ihn. Die "Citadel", in der seine Wahlparty stattfindet, wirkt mit ihren trutzigen Mauern wie ein Symbol für die massiven Hürden. Bei ihrer Gründung 1842 sollte die Kaderschmiede vor allem Rekruten drillen, um mögliche Sklavenaufstände niederzuschlagen. Zäh wehrten sich die Schuloberen und die Auszubildenden gegen die Zulassung von Schwarzen und Frauen - erst 1999 schaffte eine weibliche Absolventin den Abschluss. Es ist eine erzkonservative Hochburg, wie weite Teile South Carolinas.

Vor acht Jahren reiste McCain hier als strahlender Sieger der Vorwahl in New Hampshire an - doch die religiöse Rechte lancierte mit heftiger Unterstützung des Bush-Teams eine Schmierkampagne gegen den moderaten Senator. Sie unterstellten ihm Depressionen, streuten Gerüchte, er habe ein uneheliches schwarzes Kind gezeugt (das in Wahrheit ein Adoptivkind ist). Frustriert nannte McCain sie "Botschafter der Intoleranz" - und schien vor einem halben Jahr erneut an ihnen zu scheitern. Da konnte sein Team kaum noch Spenden sammeln, weil konservative Geldgeber entsetzt waren über McCains Vorschlag, illegalen Einwanderern die Chance auf Einbürgerung zu erhalten.

Aber McCain begann zäh und pragmatisch, seine rechten Gegner zumindest zum Nachdenken zu bringen. In der "Citadel" in Charleston erklärte er vor einigen Monaten seine bedingungslose Unterstützung für ein Ausharren im Irak - und erhielt stehende Ovationen. Er konzentrierte sich in seinen Wahlkampfreden auf die Bedrohung durch den radikalen Islam, er betonte Themen wie den Klimaschutz. Beides kam gut an beim religiösen Flügel der Republikaner, der sich um Umweltthemen und den Kampf der Kulturen sorgt. Auch in der Wirtschaftspolitik, seit Wochen laut Umfragen das wichtigste Wahlkampfthema, näherte sich McCain vorsichtig dem Erbe von Reagan und Bush an - und lobte Steuersenkungen, die er früher noch kritisiert hatte.

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