Medien im Irak Bush lässt Berichte über gefällige Artikel prüfen

Das Pentagon bezahlt nach Informationen der "Los Angeles Times" irakische Zeitungsverlage für den Abdruck Amerika-freundlicher Artikel. Das US-Präsidialamt will die Vorwürfe nun prüfen.


Washington - "Wir sind wegen der Berichte sehr besorgt. Wir wollen mehr Informationen vom Verteidigungsministerium", sagte Präsidialamtssprecher Scott McClellan. Vertreter des Ministeriums, die anonym bleiben wollten, hatten zuvor solche Vorgänge bestätigt.

Der Chef des für die Streitkräfte zuständigen Ausschusses des US-Senats, der Republikaner John Warner, forderte Vertreter des Ministeriums auf, den Ausschuss darüber heute zu informieren. Er wisse nicht, ob dies wirklich geschehe. Er ergänzte: "Ich bin über alle Handlungen besorgt, die die Glaubwürdigkeit der Vereinigten Staaten untergraben, während wir dem irakischen Volk beim Aufbau einer Demokratie helfen." Eine freie und unabhängige Presse sei wesentlich für das Funktionieren einer Demokratie.

Rick Lynch, Sprecher der US-Truppen im Irak, sagte bei einem Pressegespräch, die Anführer der Extremistenorganisation al-Qaida glaubten, die halbe Schlacht werde auf dem Schlachtfeld der Medien geschlagen. Und deren Anführer im Irak, Abu Musab al-Sarkawi, belüge das irakische Volk fortwährend. Er belüge auch die internationale Gemeinschaft, indem er den Medien mit Entführungen, Enthauptungen und Explosionen vormache, über größere Kapazitäten zu verfügen, als er wirklich habe. "Wir lügen nicht. Wir haben es nicht nötig zu lügen", sagte Lynch. Die irakische Öffentlichkeit werde von Vertretern der US-Armee informiert. Aber die Informationen basierten auf Tatsachen. Eine ausdrückliche Bestätigung der Berichte über die gezielte Bezahlung irakischer Zeitungen lieferte Lynch nicht.

Wie die "Los Angeles Times" am Mittwoch berichtet hatte, soll die Information Operations Task Force der US-Armee zudem eine irakische Zeitung gekauft und die Leitung eines Hörfunksenders übernommen haben. Die Artikel würden auf Englisch verfasst, mit Hilfe einer PR-Firma ins Arabische übersetzt und dann gegen Geld von irakischen Zeitungen abgedruckt. Der Zeitung zufolge begann das Programm in diesem Jahr. Die Artikel stellten zwar grundsätzlich die Fakten korrekt dar, ließen jedoch Informationen aus, die die USA oder die irakische Regierung schlecht aussehen lassen könnten.

Am Dienstag hatte US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld noch die "freien Medien" im Irak gelobt und sie als Sicherheitsventil bezeichnet.

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