Medien-Offensive Das Theater des Krieges

Die Bühne des Medien-Krieges ist eine Lagerhalle mit der Ästhetik der frühen James-Bond-Filme: drohend hereinragende Streben, schräg hängende Bildschirme, die Karte des künftigen Welt-Herrschers. Hier werden die Toten geehrt, hier werden die Siege verkündet und hier wird sich entscheiden, ob US-Präsident Bush den Krieg auch zu Hause gewinnen kann.

Von , Camp As-Sayliyah, Katar


Medienbühne in der Wüste: Hier werden die Toten erzählt
AP

Medienbühne in der Wüste: Hier werden die Toten erzählt

Eine sandfarbene Lagerhalle unter fahlblauem Himmel, ringsum Staub, Schutzzäune und das ewige Brummen der Generatoren: Das ist der entscheidende Ort des Krieges. Denn hier, im "Coalition Media Center", fünfzehn Kilometer entfernt von Katars träger Hauptstadt Doha, wird sich die Zukunft von US-Präsident George W. Bush entscheiden. Denn gelingt es ihm, seinen Krieg vor den Kameras glaubhaft zu präsentieren, gelingt es ihm, das Schmutzige und Ungerechte jeder Schlachterei als technische Operation auf die Bühne zu bringen, dann ist die Wiederwahl im nächsten Jahr gesichert.

Im "Media Center" wird der Oberkommandierende General Tommy Franks auftreten. Hier werden die Toten erzählt, die Gefallenen geehrt werden, hier werden die Vorstöße und Siege verkündet und die Rückschläge kaschiert. Hier werden Bilder in allen gängigen Video-Formaten gezeigt, Aufmarschpläne und taktische Zeichnungen. Hier wird der Krieg erklärt. Jeden Tag.

Es ist nicht bekannt, wessen Idee es war. Doch sie macht Sinn. Zumindest zur Prime-time muss Krieg gut aussehen. Das Pentagon rekrutierte den Filmdesigner George Allison, um für 200 000 Dollar die Bühne für Tommy Franks Pressebriefings zu gestalten. In Hollywood hat der 43-Jährige für Disney und MGM gearbeitet. Unter anderem arbeitete er am nächsten Michael-Douglas-Film "It runs the Family" mit.

Keine Flip-Charts mehr, wie zu Zeiten von General Norman Schwartzkopf, keine einsam flackernden Videobildschirme. George Allison hat ein Bühnenbild in die Halle gestellt, das die Macht, die Rationalität des Krieges und die Überlegenheit der Koalition darstellen soll. Vor zwei in die Breite gezogenen, leicht unscharfen Weltkarten stehen die beiden Pulte. Sie sehen aus wie Hartschalenkoffer, die vom Flughafenzoll zur besseren Untersuchung auf ein Podest gestellt worden sind.

Das Gestänge ringsum ist so massiv, als sollte es ein Bauwerk tragen und nicht vier Plasma-Bildschirme. Die Bühne ist mit stahlblauem Teppich ausgelegt, die Gerüste sind aus grauem Waffenstahl. Angezeigt werden die ZULU-Zentralzeit des US-Militärs und die Ortszeit in Katar. Die einzige Farbe kommt von dem Logo des "United States Central Command". Der Weißkopfadler breitet seine Schwingen über die Golf-Region aus. Wobei die Schnabelspitze genau über Basra liegt, dem ersten Ziel der "Operation Iraqui Freedom". Es ist die Ästhetik der frühen James Bond-Filme: drohend hereinragende Streben, schräg hängende Bildschirme, die Karte des künftigen Beherrschers der Welt. Saddam Hussein hat heute Morgen vor den Falten eines Zweidollar-Vorhangs geredet. Das Design des "Central Command" in Katar bringt die Botschaft von Amerikas technischer Überlegenheit, seiner Stärke und Macht. Die 50-Zoll-Schirme als Fenster in eine bessere, klinische Welt. Die überflüssig massiven Stahlmasten als Beweis möglicher Stärke und Macht. Und die doppelte Weltkarte als Ersatz für die Zustimmung der Staatengemeinschaft.

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