Medien Schon acht Journalisten starben im Irak-Krieg

Sie berichteten über das Leben und Sterben im Krieg. Jetzt wurden sie selbst Opfer. Der spanische und deutsche Reporter, die am Montag Opfer eines irakischen Raketenangriffs wurden, sind die Journalisten Nummer sieben und acht, die im Irak-Feldzug ihr Leben verloren.


Lebensgefährlicher Job: Kriegsreporter am Golf (im Bild NBC-Reporter Don Tongue, der sich während eines Gas-Alarms auf Kuweit mit seiner Maske schützte)
DDP

Lebensgefährlicher Job: Kriegsreporter am Golf (im Bild NBC-Reporter Don Tongue, der sich während eines Gas-Alarms auf Kuweit mit seiner Maske schützte)

Bagdad/Berlin - Die zwei Journalisten wurden am Montag bei einem irakischen Raketenangriff getötet, wie das Pentagon mitteilte.

Nach einer Zählung der Presserechtsorganisation Reporter ohne Grenzen kamen zuvor bereits sechs Journalisten im Irak-Krieg ums Leben.

Am vergangenen Freitag starb der Korrespondent der "Washington Post", Michael Kelly, im Irak. Der 46-jährige war mit der 3. Infanterie-Division der US-Armee unterwegs, als sein Fahrzeug unter irakischen Beschuss kam. Dabei verlor der Fahrer die Kontrolle über das Fahrzeug, das in einen Kanal südlich Bagdads stürzte. Beide Insassen konnten etwa 25 Minuten später nur noch tot geborgen werden.

Am gestrigen Sonntag war im Nordirak ein Konvoi amerikanischer und kurdischer Soldaten versehentlich von einem US-Kampfjet bombardiert worden. Dabei kam Kamaran Abdurazak Muhamed, ein 25-jähriger Übersetzer des mitreisenden BBC-Teams, zu Tode. Der BBC-Reporter John Simpson und sein Kameramann wurden leicht verletzt.

Zu Beginn des Krieges waren bereits zwei britische und ein australischer Reporter ums Leben gekommen. Der Brite Terry llloyd verlor sein Leben am 22. März bei Basra, als er ebenfalls unter "friendly fire" der Alliierten kam. Der 51-jährige war mit drei weiteren Reportern für den britischen Nachrichtensender ITN unterwegs. Ihr Fahrzeug, das mit TV gekennzeichnet war, geriet bei Iman Anas unter Beschuss durch britische Einheiten. Sein Kameramann Fred Nerac und sein Begleiter, Hussein Othmann, werden vermisst. Der belgische Journalist Daniel Demoustier wurde bei der Beschießung verletzt.

Am selben Tag wurde der 39-jährige australische Journalist Paul Moran durch eine Autobombe im Nordirak getötet. Der ABC-Korrespondent, Eric Campbell, erlitt schwere Verletzungen. Die Bombe explodierte an einem Kontrollpunkt außerhalb von Khormal, einem Dorf in der Nähe der iranischen Grenze. Die Gegend gilt als Basis für die islamistisch-kurdische Gruppe Ansar e-Islam. Laut Recherchen von Reporter ohne Grenzen bombardierten die US-amerikanischen Streitkräfte vom 21. auf den 22. März die Region. Viele Journalisten hielten sich vor Ort auf. Ein Augenzeuge berichtete, dass sich der Anschlag gezielt gegen Journalisten gerichtet haben könnte.

Ein weiteres Kriegsopfer wurde am 2. April ein iranischer Kameramann, Kaveh Golestan. Der 52-jährige wurde durch eine Mine bei Kifri im Nordirak getötet, er arbeitete seit September 2000 für die BBC. Stuart Hughes, der Producer, der ihn begleitete, wurde verletzt.

Zwei weitere Todesfälle von Reportern werden nicht in unmittelbaren Zusammenhang mit den Kämpfen gebracht. Am 6. April starb ein 39-jähriger NBC-Journalist, der eine amerikanische Einheit begleitete, an den Folgen einer Embolie. Und am 30. März stürzte ein Channel 4-Mitarbeiter vom Dach eines Hotels in der kurdischen Stadt Suleimania.

Hoher Blutzoll der Medien

Damit sind in diesem Golfkrieg bereits doppelt so viele Journalisten durch das Kriegsgeschehen ums Leben gekommen wie im ersten Golfkrieg 1991. Damals wurden laut Reporter ohne Grenzen vier Journalisten getötet, darunter der deutsche Fotograf Gad Gross durch irakische Truppen im Nordirak. Drei britische "Freelancer", die für die BBC aus dem Kriegsgebiet berichteten, wurden aller Wahrscheinlichkeit nach von ihrem türkischen Führer ermordet.

Die jüngsten Ereignisse im Irak reihen sich ein in eine lange Liste von Journalisten, die in Ausübung ihres Berufes ums Leben kamen. Zwischen 1992 und 2002 wurden weit über 500 Journalisten getötet, fast die Hälfte davon in Kriegs- und Krisenregionen, listet Reporter ohne Grenzen auf.

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