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14. Mai 2019, 16:34 Uhr

Konflikt um Irans Nuklearprogramm

US-Regierung spielt Verlegung von 120.000 Soldaten durch

Im Konflikt mit Iran könnte die US-Regierung im Fall einer Eskalation eine große Zahl Soldaten mobilisieren. Der "New York Times" zufolge hat das US-Militär entsprechende Pläne ausgearbeitet.

Zu den Überlegungen der US-Regierung für weitere Schritte im Iran-Konflikt gehört einem Zeitungsbericht zufolge auch die Entsendung amerikanischer Streitkräfte.

Eine der möglichen militärischen Optionen sehe vor, 120.000 Soldaten in den Nahen Osten zu schicken, berichtete die "New York Times" unter Berufung auf Regierungsvertreter. Das gelte für den Fall, dass Iran bereits am Persischen Golf stationierte US-Truppen angreife oder seine Arbeit an Atomwaffen vorantreibe. Eine Invasion des Irans sehe der Plan nicht vor; dafür wären erheblich mehr Truppen nötig, hieß es. Unklar sei zudem, ob Trump der Entsendung einer solch großen Anzahl Soldaten in die Region zustimmen würde.

"New York Times": Plan wurde Trump bereits vorgelegt

Die Spannungen zwischen den USA und Iran nahmen zuletzt zu. Die USA haben einen Flugzeugträger in die Region entsandt. Der kommissarische US-Verteidigungsminister Patrick Shanahan habe den Plan zur Verlegung von 120.000 Militärs bei einem Treffen mit Spitzenberatern von Präsident Donald Trump vorgestellt, berichtete die "NYT". Das Präsidialamt und das Verteidigungsministerium äußerten sich zunächst nicht zu der Meldung.

Die Überarbeitung der Militärpläne soll laut "New York Times" von Trumps Sicherheitsberater John Bolton angeordnet worden sein. Der Plan spiegele den Einfluss Boltons wider, der schon unter Präsident George W. Bush auf eine Konfrontation mit Iran gedrängt habe.

Der US-Präsident hat vor einem Jahr einseitig den internationalen Atomvertrag mit Iran aufgekündigt, an dem die EU weiter festhält. Trump will zudem alle Länder dazu bringen, den Import iranischen Öls einzustellen. Iran hatte der EU jüngst eine Fortsetzung des Ölhandels zur Bedingung gemacht, damit die Islamische Republik nicht selbst aus dem Atomvertrag aussteigt.

Iran verlangt offenbar, mindestens 1,5 Millionen Barrel Öl pro Tag exportieren zu können. Diese Zahl kursiere bei Gesprächen zwischen Vertretern Irans und der EU, sagten mit den Unterredungen vertraute Personen. Das wäre eine Verdreifachung der Menge, bei der die Ausfuhren unter geltenden US-Sanktionen monatlich liegen dürften.

cht/Reuters/dpa

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