Medienkritik Berlusconi sucht Sündenböcke

Silvio Berlusconi ist sauer. Der italienische Ministerpräsident ärgert sich über das negative Medienecho, das ihn im Ausland zu Beginn seiner sechsmonatigen EU-Ratspräsidentschaft entgegenhallt. Heimische Oppositionelle und Richter sind für ihn nun wieder einmal die Schuldigen.


Verärgert über Medienkritik: Staatschef Silvio Berlusconi
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Verärgert über Medienkritik: Staatschef Silvio Berlusconi



Rom - Den Schlagzeilen im Ausland folgte der Rundumschlag in der Heimat: Berlusconi beschuldigte die Opposition, sie beeinflusse die Berichterstattung über ihn im Ausland. Auch die Richter, die bis vor kurzem wegen Korruptionsverdachts gegen ihn ermittelten, mussten drastische Vorwürfe einstecken. Der Staatschef bezeichnete sie zum wiederholten Mal als "Krebsgeschwür". Das Ermittlungsverfahren war gestern ausgesetzt worden - aufgrund eines neuen Immunitätsgesetzes, das Spitzenpolitiker vor Strafverfolgung schützt.

Der 66-Jährige wies außerdem den Vorwurf zurück, er habe das Gesetz aus Eigennutz erlassen. Nicht er sondern Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi habe für den neuen Immunitätsparagraphen plädiert, behauptete Berlusconi zunächst, ließ diese Aussage aber wenig später von einem Sprecher zurücknehmen.

Kontrollfunktion der Medien ausgehebelt

Negative Berichte in führenden Medien sind für Staatschef Berlusconi weniger alltäglich als für die meisten seinen europäischen Kollegen. Der Milliardär, der fast den gesamten italienischen Fernsehmarkt und einen großen Teil des Zeitungsmarkts beherrscht, ist es nicht gewohnt, von Journalisten kritisiert zu werden - schließlich ist er für die meisten der italienischen Berichterstatter nicht nur Ministerpräsident, sondern auch Arbeitgeber.

Dass die Mediendemokratie sich außerhalb Italiens schwerer aushebeln lässt, hatte der Staatschef, dem Korruption und Verbindungen zur Mafia nachgesagt werden, deutlich zu spüren bekommen. Offen war in vielen Berichten die Befürchtung geäußert worden, dass seine EU-Ratspräsidentschaft dem Ansehen Europas in der Welt schaden könne.



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