Griechenland Mehr als 1300 Flüchtlinge landen in der Ägäis an

Die Lage ist dramatisch: Die Flüchtlingsunterkünfte auf den griechischen Inseln Kos, Samos oder Lesbos sind völlig überfüllt, die Behörden sind überfordert - und immer noch kommen Tausende Migranten an.
Flüchtlinge kommen auf der Insel Kos an Land: Sie wurden in einem kleinen Boot vor der Küste gefunden

Flüchtlinge kommen auf der Insel Kos an Land: Sie wurden in einem kleinen Boot vor der Küste gefunden

Foto: Dan Kitwood/ Getty Images

Die griechische Küstenwache hat in der Ägäis mehr als 1300 Flüchtlinge innerhalb der vergangenen zwei Tage aufgegriffen. Allein auf der Insel Lesbos kamen nach offiziellen Angaben mehr als 700 Menschen an. Die Lage sei Berichten der örtlichen Medien zufolge dramatisch - die Flüchtlinge können längst nicht mehr untergebracht werden.

Hunderte Migranten erreichten auch die Inseln Samos, Kos, Inousses und Chios, teilte die Küstenwache mit. Migrantenfamilien benutzten sogar Mülltonnen mit Rädern, um ihre Kinder von der Küste zu den nächsten Aufnahmestellen zu bringen, berichteten Medien der Insel Lesbos.

Behörden und humanitäre Organisationen seien mit der Lage inzwischen restlos überfordert, berichtete das Staatsfernsehen. Hunderte Menschen verbringen die Nacht auf den Inseln im Freien, weil alle Aufnahmelager restlos überfüllt seien.

Durch die Ägäis sowie durch das Mittelmeer führen Flüchtlingsrouten, über die Schleuserbanden Migranten nach Europa bringen. Beim EU-Flüchtlingsgipfel beschlossen die Mitgliedstaaten einen Rettungsplan.

Auch die Bundesregierung beteiligt sich an der Seenotrettung: Die Fregatte "Hessen" und das Versorgungsschiff "Berlin" sind bereits seit einem Monat im Mittelmeer im Einsatz. Nun soll ein weiteres Schiff der Bundesmarine die Flüchtlinge retten. Der Tender "Werra" lief am heutigen Mittwoch aus und soll in knapp zwei Wochen das Einsatzgebiet südlich von Italien erreichen.

An Bord der "Werra" sind neben 66 Soldaten der Stammbesatzung Ärzte, Sanitäter und ein Pfarrer. Zur Erstversorgung der Geretteten führt das Schiff zum Beispiel Sanitäts- und Hygienematerial, Planen, Windeln und Babynahrung mit. "Mein Auftrag ist es, Menschenleben zu retten", sagte Korvettenkapitän Stefan Klatt, der das Schiff kommandiert. Die rund hundert Meter lange "Werra" kann im Normalfall etwa hundert bis 150 Menschen zusätzlich aufnehmen, im Ernstfall möglicherweise auch mehr.

Foto: SPIEGEL ONLINE

Bei ihrem Einsatz im Mittelmeer hatte die Bundeswehr in den zurückliegenden Wochen in sechs Einsätzen mehr als 2000 Flüchtlinge aus Seenot gerettet. Erst am Dienstag nahm die "Berlin" gut 90 Kilometer nordöstlich der libyschen Hauptstadt Tripolis 249 Menschen aus zwei Schlauchbooten an Bord. Am Freitag hatten die deutsche Fregatte "Hessen" sowie Einsatzkräfte aus Italien und anderen Ländern mehr als 4200 Flüchtlinge aus Seenot gerettet.

Seit dem Jahresbeginn erreichten etwa 40.000 Flüchtlinge aus Nordafrika über das Mittelmeer die Europäische Union, die meisten von ihnen strandeten in Italien oder Griechenland. Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration kamen bis Mitte Mai fast 1800 Menschen auf der gefährlichen Überfahrt ums Leben.

kah/kry/dpa/AFP
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