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Fotostrecke: Melania Trump - eine Frau will nach oben

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TV-Interview Was sagen Sie, Frau Trump?

Überraschender Schritt in die Öffentlichkeit: In TV-Interviews verteidigt Melania Trump ihren Mann Donald gegen Vorwürfe sexueller Belästigung. Was kann sie im Wahlkampf bewirken?

Melania Trump spricht.

Donald Trumps Ehefrau, von der man in diesem höchst unerfreulichen Präsidentschaftswahlkampf nur sehr selten hört, hat dem Sender CNN ein Interview gegeben. Es wurde am Montagabend zur besten Sendezeit ausgestrahlt, am Dienstagmorgen folgt ein Gespräch mit Fox News. Mit größerer medialer Wucht hätte sich die 46-Jährige kaum zu Wort melden können.

30 Minuten lang stand sie am Montag zunächst CNN-Moderator Anderson Cooper Rede und Antwort. Was sagt Melania Trump dazu, dass ihr Mann 2005 mit sexuellen Übergriffen prahlte? Was sagt sie zu den Vorwürfen mehrerer Frauen, die sich seitdem zu Wort gemeldet haben und behaupten, Donald Trump habe sie sexuell belästigt?

"Ich war überrascht", antwortet Melania Trump in ihrem markanten, kehligen Englisch auf die Frage nach dem Video. "Ich war überrascht, denn der Mann, der da spricht, ist nicht der, den ich kenne." Trump prahlte damals, dass er Frauen ohne deren Einwilligung küssen, an die Genitalien fassen könne und keine Folgen befürchten müsse. Da er berühmt sei, könne er sich das erlauben.

"Das gehört sich nicht", sagt Melania Trump nun. Sie spricht im Interview oft so vorsichtig, als müsse sie sich an die Worte herantasten.

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Gleichzeitig verharmlost sie das im Video Gesagte als "boys talk", Angeberei unter Jungs. "Jungs sind so", sagt Melania Trump, "wenn Jungs heranwachsen, dann reden sie so über Mädchen." Den Hinweis, dass "der Junge" Trump zum fraglichen Zeitpunkt 59 Jahre alt war, tut sie ab.

Der Kontrast dieser Worte zu einer gefeierten Rede Michelle Obamas, die erst vor vier Tagen die Verharmlosung sexueller Belästigung als Symptom einer schwachen und letztlich undemokratischen Gesellschaft gegeißelt hatte, könnte größer nicht sein.

Video von Michelle Obamas Rede gegen Trump: "Es reicht!"

SPIEGEL ONLINE

Melania Trump gibt zudem Trumps damaligem Gesprächspartner Billy Bush mindestens eine Mitschuld, der habe ihren Mann angestachelt. Und sie sagt: "Ich bin mir nicht sicher, ob sie überhaupt wussten, dass da ein Mikrofon eingeschaltet war" - damit versucht sie, das Gesagte in den Bereich des heimlich Erlauschten zu rücken und es als Waffe gegen Trump zu diskreditieren.

"Sie wollen meinem Mann schaden"

Melania Trump, im ärmellosen, beigefarbenen Wollkleid, empfing das CNN-Team im New Yorker Trump Tower, der Wahlkampfzentrale und dem privaten Wohnquartier der Trumps.

"I'm doing great", es gehe ihr wunderbar, antwortet sie auf die Frage Coopers, wie sie die Wahlschlammschlacht überstehe.

Wie ihr Mann sieht auch Melania Trump im Wahlkampf eine große Verschwörung am Werk. "Sie verbreiten Lügen, sie wollen meinem Mann schaden." Wer "sie" sind, erläutert sie nicht näher, "die Opposition", konkreter wird es nicht. Auch die Anschuldigungen der neun Frauen gegen Trump: Lügen.

Sie preist ihren Mann mit einem Stakkato guter Eigenschaften an, die er angeblich besitzt, vieles davon klingt wie auswendig gelernt ("Er inspiriert jeden, das Beste zu geben"), manches unfreiwillig komisch ("Bei meinem Mann sind viele, viele Frauen angestellt").

Ob sie ein Anliegen habe, dem sie sich als First Lady besonders widmen würde, fragt der CNN-Reporter. Sie wolle sich für Kinder einsetzen, antwortet Melania Trump, und diese vor den negativen Auswirkungen sozialer Medien schützen, "Cybermobbing ist sehr gefährlich für Kinder". Das sagt ausgerechnet die Frau des für seine Twitter-Tiraden bekannten Donald Trump. Darauf angesprochen, antwortet sie nur: Ihr Mann sei erwachsen, und dann, in falschem Englisch, "er hört nicht auf meine Räte".

Seit ihrer peinlichen Rede auf dem Republikaner-Parteitag in Cleveland im Juli dieses Jahres, die in Teilen - ausgerechnet - das Plagiat einer Michelle-Obama-Rede war, hatte man kaum direkte Wortäußerungen von Melania Trump gehört.

Melania Trump mit Anderson Cooper

Melania Trump mit Anderson Cooper

Foto: HANDOUT/ REUTERS

Warum tritt Melania Trump also jetzt vor die Kamera?

Donald Trump liegt in den Umfragen zurück, die wochenlange Debatte über seine Frauenfeindlichkeit hat ihm geschadet. Zuletzt brach Trump sogar mit Anführern seiner eigenen Partei, er wütet bei Wahlkampfauftritten gegen die "Lügenpresse", warnt vor "manipulierten Wahlen" und prangert die US-Demokratie als korrumpiert an. Diese Tiraden dürften Wechselwähler verunsichern. Doch genau die braucht Trump.

Melania Trumps TV-Auftritt könnte ein Versuch des Wahlkampfteams sein, der Debatte wieder eine sachlichere Richtung zu geben. Die wichtigste Frau in Donald Trumps Umfeld hat sich zum Thema Frauenfeindlichkeit geäußert, die Vorwürfe Michelle Obamas sind nicht mehr das letzte Wort in dieser Diskussion - jetzt kann, so die Hoffnung im Trump-Team, wieder etwas Normalität einkehren.

Hat Melania Trump überzeugt?

Melania Trump soll ihren Mann wieder nahbar und menschlich erscheinen lassen, sie soll Wählern signalisieren: Trump ist nicht nur der einsame Wüterich aus der Wahlkampfarena. Er ist Ehemann, Vater, auch daheim bei uns, den Trumps, wird kritisch über seine Äußerungen gesprochen - und sie werden ihm verziehen. Botschaft: War nicht schön, aber letztlich ist das alles nicht so schlimm. Viele Wähler werden diesen Auftritt wie gewünscht quittieren: mit Erleichterung.

Andere werden Melania Trump zu Recht vorhalten, dass sie die Sexismus-Vorwürfe nicht entkräftet hat - sie hat sie verharmlost. Und also genau das getan, wovor unter anderem First Lady Michelle Obama so eindringlich warnt.

Zusammengefasst: Melania Trump versucht mittels TV-Interviews, das Image ihres Mannes zu verbessern. Vom CNN-Reporter auf die Prahlereien Donald Trumps mit sexuellen Übergriffen angesprochen, tut sie die Äußerungen als "Gespräche unter Jungs" ab. Sie macht also genau das, was Michelle Obama in einer gefeierten Rede vor vier Tagen angeprangert hatte: Sie verharmlost sexuelle Belästigung. Die Anhänger ihres Mannes werden allerdings honorieren, dass Melania Trump sich der Debatte persönlich gestellt hat.