Meldungen aus Seoul Nordkorea provoziert mit weiterem Raketentest

Pjöngjang hat erneut Raketen zu Testzwecken abgefeuert - von einer Halbinsel im Osten des isolierten Landes. Es ist der zweite Vorfall dieser Art binnen weniger Tage.

Nordkoreanischer Raketentest (in der vergangenen Woche): Erneuter Start gemeldet
KCNA VIA KNS / KCNA VIA KNS/AFP

Nordkoreanischer Raketentest (in der vergangenen Woche): Erneuter Start gemeldet


Erst war nur von "Flugobjekten" die Rede. Inzwischen gilt jedoch als sicher, dass Nordkorea einen weiteren Raketentest durchgeführt - und damit die Nachbarländer erneut brüskiert hat.

Die beiden Objekte seien von der Halbinsel Hodo an Nordkoreas Ostküste aufgestiegen, erklärte der südkoreanische Generalstab am Dienstag nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Yonhap. Der Generalstab beobachte die Lage. Demnach flogen die Projektile rund 250 Kilometer weit und erreichten eine Höhe von 30 Kilometern. Japans Verteidigungsminister Takeshi Iwaya nannte den Vorfall "sehr bedauerlich", eine Stellungnahme der US-Regierung war zunächst nicht zu erhalten.

Nordkorea hatte bereits in der vergangenen Woche Kurzstreckenraketen getestet. Dies hatte Zweifel ausgelöst, ob die geplanten Gespräche zwischen Nordkorea und den USA über eine Entnuklearisierung der koreanischen Halbinsel stattfinden werden. Das Regime in Pjöngjang bezeichnete den Test am vergangenen Donnerstag, bei dem zwei Raketen abgefeuert wurden, als "Warnung an Südkorea".

US-Präsident Donald Trump erklärte, der Raketentest sei keine Warnung an die USA gewesen, sondern Teil des Konflikts zwischen Nordkorea und Südkorea.

Trump versuchte, den letzten Test zu relativieren

Laut Agenturmeldungen soll Diktator Kim Jong Un die Tests der Waffensysteme in der vergangenen Woche persönlich "organisiert und angeleitet" haben. Kim sagte demnach, die Raketen könnten in niedriger Höhe fliegen und seien damit nur schwer abzufangen. Südkorea dürfe diese Warnung nicht ignorieren.

Uno-Resolutionen verbieten Nordkorea - das mehrfach Atombomben getestet hat - die Starts von ballistischen Raketen. Solche Raketen sind in der Regel Boden-Boden-Raketen, die einen konventionellen, chemischen, biologischen oder atomaren Sprengkopf befördern können.

Die neuen Tests hatten in vielen Ländern, auch in Deutschland, scharfe Kritik ausgelöst. So forderte das Auswärtige Amt Nordkorea auf, "jede Provokation" zu unterlassen. Ähnlich äußerten sich die USA - betonten aber zugleich, sie wollten an den diplomatischen Bemühungen für eine Beilegung des Atomkonflikts festhalten. US-Präsident Trump versuchte, den Vorfall kleinzureden. "Sie haben nicht wirklich anderes als kleine Raketen getestet ... etwas, das viele testen", sagte Trump dem Nachrichtensender Fox in der vergangenen Woche.

Nächstes Manöver sorgt für Missstimmung in Pjöngjang

Er und Kim hatten Ende Juni bei einem kurzen Treffen im Grenzort Panmunjom auf der koreanischen Halbinsel Arbeitsgespräche zur atomaren Abrüstung in der Region vereinbart. Nach ihrem gescheiterten Gipfeltreffen im Februar in Vietnam weckte das Treffen neue Hoffnung auf Fortschritte in den festgefahrenen Verhandlungen.

Kim hatte Südkorea zuletzt vorgeworfen, sich unaufrichtig zu verhalten. Das Land rede über Frieden, doch "hinter den Kulissen beschafft es ultramoderne offensive Waffen und hält gemeinsame Militärübungen ab", wurde Kim von den Staatsmedien zitiert.

Die Streitkräfte Südkoreas und der Vereinigten Staaten wollen im August gemeinsame Übungen abhalten. Regelmäßig sorgen die jährlichen Militärmanöver der beiden Verbündeten für wütende Reaktionen aus Nordkorea. Die USA haben in Südkorea rund 30.000 Soldaten stationiert.

jok/Reuters/AFP



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