Putsch in Kairo So jubelt der Tahrir-Platz

Kairo jubelt - als hätte Ägyptens Nationalmannschaft die Fußball-WM gewonnen. Millionen Menschen feiern ausgelassen den Sturz von Präsident Mursi. Die Freude auf dem Tahrir-Platz ist noch größer als nach dem Ende der Mubarak-Diktatur.

REUTERS

Kairo/Hamburg - Um kurz nach 21 Uhr explodiert der Tahrir-Platz. Millionen Menschen haben seit Stunden ausgeharrt, die lange erwartete Erklärung der Militärführung hatte sich immer weiter verzögert. Nun endlich hören sie die erlösenden Worte: Armeechef Abdel Fattah al-Sisi verkündet die Absetzung von Präsident Mohammed Mursi.

Die Menge bricht in ohrenbetäubenden Jubel aus. Die Worte, die der Imam der Azhar-Moschee, der koptische Papst und der Friedensnobelpreisträger Mohamed ElBaradei anschließend über das Fernsehen an die Ägypter richten, gehen im Tumult unter.

Die Menschen schwenken Hunderttausende rot-weiß-schwarze Landesflaggen, unzählige Feuerwerkskörper steigen in die Luft. Die grünen Laserpointer, die seit Tagen auf den Demonstrationen in Kairo allgegenwärtig sind, erleuchten den Nachthimmel. Aus Lautsprechern ertönt immer wieder der Ruf: "Heb deinen Kopf, du bist Ägypter!" Ein Slogan, der auf Ägyptens ehemaligen Präsidenten und Volkstribun Gamal Abdel Nasser zurückgeht und nun wiederbelebt wird.

Die Demonstranten hatten seit dem Wochenende auf dem Tahrir-Platz protestiert. Den Kundgebungen hatten sich mehr Menschen angeschlossen, als den Protesten gegen den damaligen Diktator Husni Mubarak im Jahr 2011. Heute wie damals rufen die Menschen in Kairo: "Das Volk und die Armee gehen Hand in Hand." Die Oppositionellen sind der Armee für ihre Intervention dankbar, die jahrelangen Verfehlungen des Militärs scheinen vergeben und vergessen. Die Ägypter hoffen auf einen Neuanfang am Nil, den zweiten innerhalb von nur zweieinhalb Jahren.

Schon damals hatte das Militär Staatschef Mubarak abgesetzt - war dann aber selbst länger an der Macht geblieben als versprochen. Doch einen Unterschied zwischen den Demonstrationen gegen Mursi und gegen Mubarak gibt es: 2011 mussten die Ägypter 18 Tage gegen den Präsidenten auf die Straße gehen. 2013 hat es weniger als eine Woche gedauert.

syd



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micha.w 04.07.2013
1. Ich drücke die Daumen,
nur hat ja auch das letzte mal der Bürger gewählt. Wollen wir aber mal hoffen das diese Menschen lernfähig sind und nicht wieder in einem Jahr neu kämpfen müssen. Finanziell dürfte das Land sowieso schon ruiniert sein, da wird es schwer die nötigen Fortschritte zu erreichen und das ist alles was diese Menschen interessiert, zu Recht.
daisky 04.07.2013
2.
so biginnt die neue "Demokratie" Das Militär setzt den gewählten Präsidenten ab. Seine Unterstützer werden auf allen öffentlichen Plätzen umzingelt und verhaftet. Mehrere Sender werden gestürmt und abgeschaltet, darunter auch Aljazeera. Mehrere Mitglieder der Muslim-Brüder und deren Chef werden verhaftet. Mehrere Mitglieder und der Chef der Partei Freiheit und Gerechtigkeit werden Verhaftet. Detr Ministerpräsident Hischam Kandil wird Verurteilt!!!! innerhalb von Minuten. Im Fernsehen sind nur die Jubelbilder zu sehen. Schöne neue "Demokratie"
wolfgangwe 04.07.2013
3. so so, millionen?
Wieviel millionen waren's denn die da gejubelt haben? Nicht zu vergessen all die feinen Aegypter die (per Amnesty International) 100 Frauen sexuell belaestigt, vergewaltigt haben wahrend der letzten Tage. Wo sind die anderen millionen die Mursi per demokratischer Wahl zum Praesidenten gewaehlt haben? Ich habe den Eindruck dass hier nach dem gleichen Prinzip vorgegangen wurde wie schon anderswo: dem Westen hat der Wahlausgang nicht gefallen, hat dann so lange mit seiner "freien Presse" rumgestaenkert bis die "demokratischen Kraefte" in der Bevoelkerung auf die Strasse gehen und Randale machen. Viel Glueck mit denen an der Macht!
w.schuler 04.07.2013
4. optional
Interessant zu sehen, wie hübsch und adrett die Soldaten angezogen sind. US Typ Helme usw. Eine Armee die das Land sich nie aus eigener Kraft leisten könnte. Bleibt die Frage in wessen Auftrag diese Armee tätig ist. Sie rufen natürlich, dass Sie für Ägypten alles geben, auch ihr Leben. Aber wenn es an Sterben geht, sind in diesem Fall andere dran. Für den Fall, dass. Wer zieht letztlich an der Strippe? Der neue Teddy Roosevelt im weißen Haus?
Kokeldil 04.07.2013
5.
:)
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