Menschenrechte Guantanamo-Gefangene sollen in Russland gefoltert worden sein

Ehemalige Guantanamo-Häftlinge seien nach ihrer Entlassung in Russland gefoltert worden, berichtet die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. Moskau habe sich nicht an das Versprechen an die US-Regierung gehalten, sie menschlich zu behandeln.


New York - Sieben russische Terrorverdächtige sind laut einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch nach ihrer Rückkehr aus dem US-Gefangenenlager in Guantanamo auf Kuba in ihrer Heimat gefoltert worden. Die sieben Männer, die in Afghanistan im Winter 2001/2002 kurz nach dem Sturz der radikalislamischen Taliban von US-Streitkräften festgenommen worden, wurden 2004 aus Guantanamo entlassen und der russischen Regierung überstellt - mit der Zusage zurückgeschickt, dass ihnen dort, in der Heimat, nichts passiere.

Nach Ansicht der Menschenrechtsorganisation verletzen die USA internationales Recht, in dem sie die sieben ehemaligen Häftlinge nach Russland zurückschickten. Die USA sind Vertragsstaat der UN-Konvention gegen Folter, nach der niemand in ein Land geschickt werden darf, in dem ihm oder ihr Folter droht. Die US-Regierung soll hingegen der Menschenrechtsorganisation erklärt haben, "dass sie sich keiner Gefahr von Folter in Russland bewusst sei", wie es in einer Mitteilung der Menschenrechtsschützer heißt.

"Die Erlebnisse der russischen Gefangenen zeigen, warum die Vereinigten Staaten sich nicht auf diplomatische Versicherungen einer gerechten Behandlung verlassen sollten, um zu rechtfertigen, warum sie Gefangene von Guantanamo in Staaten zurückschicken, in denen die Gefahr von Folter droht", heißt es in dem heute veröffentlichten Bericht. "Regierungen, die Folter anwenden, ändern nicht plötzlich ihre Verhaltensmuster, nur weil die US-Regierung behauptet, irgendeine Zusicherung von ihnen erhalten zu haben", erklärte die stellvertretende Direktorin von Human Rights Watch, Carroll Bogert.

Die sieben Inhaftierten hatten dem Bericht zufolge in Guantanamo mehrmals gebeten, sie nicht nach Russland zurückzuschicken, weil sie dort um ihre Sicherheit fürchteten. Nach ihrer Rückkehr seien die Männer in russischer Haft geschlagen, in enge Käfige gesperrt und mit Schlafentzug gequält worden, erklärte Human Rights Watch am Mittwochabend (Ortszeit) in New York. Zwei der Männer seien nach einem "unfairen Prozess" zu Gefängnisstrafen verurteilt worden, ein Mann sei noch ohne Prozess in Haft, zwei seien aus Russland geflüchtet und zwei seien untergetaucht, hieß es.

Der 43-seitige Bericht trägt den Titel "The 'Stamp' of Guantanamo: The Story of Seven Men betrayed by Diplomatic Assurances to the United Nations". Das Dokument basiert auf Interviews mit drei der sieben Russen, deren Familienmitgliedern, Rechtsanwälten und anderen Beteiligten.

fba/AFP/dpa



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