Menschenrechtsbilanz 2014 Fast tausend Bürgerrechtler in China festgenommen

In China wurden 2014 laut einer neuen Studie fast tausend Bürgerrechtsaktivisten festgenommen. Die Autoren werfen Präsident Xi einen "unerbittlichen Angriff auf grundlegende Freiheiten" vor.

Präsident Xi (Archiv): "Unerbittlicher Angriff auf die Freiheit"
REUTERS

Präsident Xi (Archiv): "Unerbittlicher Angriff auf die Freiheit"


Peking/Washington - In China wächst der Druck auf die Zivilgesellschaft: Im vergangenen Jahr sind nach Angaben von Aktivisten fast tausend Bürgerrechtler festgenommen worden. Die Menschenrechtsgruppe Chinese Human Rights Defenders (CHRD) schreibt in ihrem am Montag veröffentlichten Jahresbericht, dies sei fast so viel wie in den beiden Vorjahren zusammen. Die Gruppe warf Präsident Xi Jinping vor, seit seinem Amtsantritt vor zwei Jahren einen "unerbittlichen und schonungslosen Angriff auf die grundlegenden Freiheiten" unternommen zu haben.

"In größerer Zahl als jemals seit dem Tiananmen-Massaker werden Aktivisten, Anwälte, Journalisten und liberale Intellektuelle eingesperrt, unter Hausarrest gestellt, daran gehindert, ihre Meinung zu sagen, oder ins Exil im Ausland gezwungen", erklärte CHRD. Insgesamt zählte die Gruppe 2014 die Fälle von 955 Bürgerrechtlern und anderen Aktivisten, die ihrer Freiheit beraubt wurden. Für die beiden vorherigen Jahre zusammen lag diese Zahl bei 1160.

Erst am 8. März waren in Peking fünf Aktivistinnen bei einer Protestaktion gegen sexuelle Belästigung anlässlich des Internationalen Frauentags festgenommen worden. Menschenrechtsaktivisten beklagen seit Längerem, dass Präsident Xi seit seinem Amtsantritt verschärft gegen Dissidenten, Bürgerrechtsaktivisten und Kritiker vorgeht.

mka/AFP



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fraumarek 16.03.2015
1. Ist halt ein Unterdrücker Regime
China ist heute schlimmer dran was die persönlichen Freiheiten angeht als noch vor 20 Jahren. Gringste Kritik an der obersten Führung wird mit Polizeiknüppeln, Verhaftunge, Folter und Straflage ohne Prozess verfolgt. Andersdenkende werden mit Gewalt zum Schweigen gebreacht. China nähert sich immer mehr an Verhältnisse wie Nordkorea an. Den Bürgern wird die Luft zum Atmen genommen (nicht nur wegen der Luftverschmutzung).
stefanbodensee 16.03.2015
2. und so wird es bleiben ...
...denn solange der Rest der 'zivilisierten' Welt weiterhin in diesem großen Maß von Chinas Wirtschaft abhängig ist - so lange wird sich China von aussen keinerlei Druck beugen. Schlimm genug, daß eine Regierung ihr eigenes Volk unterjochen muss - um an der Macht bleiben zu können. Erinnert mich an 'selige' Sowjetzeiten, wo zwar alles irgendwie Arbeiter- und Bauernstaat war - aber tatsächlich die Partei selbst das sagen hatte - und das Volk kuschen musste. Oder man wanderte in den Gulag ....
syssojew 16.03.2015
3. iPhone
...ich laß mir doch nicht mein iPhone vermiesen. Ganz egal wie viele Chinesen daran zu Grunde gehen. Die "Welt-Wirtschaft" hat schon längst das Sagen. Politik wird gegen das Volk gemacht.
Wolffpack 16.03.2015
4.
Zitat von stefanbodensee...denn solange der Rest der 'zivilisierten' Welt weiterhin in diesem großen Maß von Chinas Wirtschaft abhängig ist - so lange wird sich China von aussen keinerlei Druck beugen. Schlimm genug, daß eine Regierung ihr eigenes Volk unterjochen muss - um an der Macht bleiben zu können. Erinnert mich an 'selige' Sowjetzeiten, wo zwar alles irgendwie Arbeiter- und Bauernstaat war - aber tatsächlich die Partei selbst das sagen hatte - und das Volk kuschen musste. Oder man wanderte in den Gulag ....
Die wirtschaftliche Abhängigkeit geht in beide Richtungen (ich wage sogar zu behaupten das sie von Seiten Chinas stärker ist), von daher ist das kein schlagendes Argument.
Trondesson 16.03.2015
5.
Zitat von stefanbodensee...denn solange der Rest der 'zivilisierten' Welt weiterhin in diesem großen Maß von Chinas Wirtschaft abhängig ist - so lange wird sich China von aussen keinerlei Druck beugen. Schlimm genug, daß eine Regierung ihr eigenes Volk unterjochen muss - um an der Macht bleiben zu können. Erinnert mich an 'selige' Sowjetzeiten, wo zwar alles irgendwie Arbeiter- und Bauernstaat war - aber tatsächlich die Partei selbst das sagen hatte - und das Volk kuschen musste. Oder man wanderte in den Gulag ....
Umgekehrt wird ein Schuh draus - solange man hier noch Profit wittert und die wirtschaftliche Kooperation reibugslos abläuft, wird auch kein Druck auf die chinesische Regierung ausgeübt. Aber warum auch? In Kiew wurde ja extra im Hinblick auf zukünftige wirtschaftliche "Zusammenarbeit" (und um Russland vor den Karren zu pissen) ein faschistisches Regime eingesetzt und unterstützt; wenn jetzt ein Aufschrei gegen China kommt, würde das doch so dermaßen scheinheilig klingen, daß sogar die eher einseitig Informierten bei uns etwas merken sollten. Oder?
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