Menschenrechte in China Polizei verprügelt blinden Dissidenten

Er dokumentierte seine ständige Überwachung mit einem Video und musste dafür büßen: Der chinesische Dissident Chen Guangcheng wurde von der Polizei verprügelt. Doch ein Arztbesuch wurde ihm nach Angaben von Menschenrechtlern verboten.
Dissident Chen: Rund um die Uhr bewacht

Dissident Chen: Rund um die Uhr bewacht

Foto: AFP/ China Aid Association

Peking - Chen Guangcheng wird rund um die Uhr von der chinesischen Polizei bewacht. "Ich habe ein enges Gefängis verlassen und bin nun in einem großen", sagte der bekannte chinesische Dissident in einem Video. Er steht in seinem Haus in der Provinz Shandong im Osten des Landes unter Hausarrest, seit er im September nach mehr als vier Jahren aus der Haft entlassen worden war.

In einem einstündigen Video dokumentierte Chen seine ständige Überwachung - und wurde dafür von der Polizei bitter bestraft. Der Aktivist sei am Dienstag oder Mittwoch wegen der Anfertigung des Videos krankenhausreif geschlagen worden, teilte die in Hongkong ansässige Organisation Chinese Human Rights Defenders am Freitag unter Berufung auf eine mit Chens Situation vertraute Quelle mit. Die Polizei habe ihm anschließend aber eine ärztliche Behandlung verwehrt. Auch Chens Frau, die mit ihm unter Hausarrest steht, wurde den Angaben zufolge geschlagen. Andere Menschenrechtsaktivisten und Anwälte sagten der Nachrichtenagentur AFP, sie seien ebenfalls darüber informiert worden, dass Chen verprügelt worden sei. Die Informationen seien glaubwürdig.

Chen ist einer von zahlreichen autodidaktischen "Rechtsanwälten", die sich in China in Menschenrechtsfragen engagieren und Betroffene beraten. Er hatte vor allem mit Kritik an der rigiden Ein-Kind-Politik den Zorn Pekings auf sich gezogen. Der Dissident war offiziell wegen Beschädigung von Staatsbesitz und Beeinträchtigung des Straßenverkehrs durch Massenveranstaltungen verurteilt worden.

Die in den USA ansässige Organisation China Aid hatte das Video am Mittwoch im Internet veröffentlicht. Es zeigt, wie Chens Haus rund um die Uhr von chinesischen Polizisten bewacht wird. Demnach überwachen auf Anweisung der kommunistischen Führung drei Teams von jeweils 22 Beamten rund um die Uhr jeden seiner Schritte.

Chen beklagte sich außerdem darüber, dass seine Bewacher provozierten, "Rowdy-Methoden" anwendeten und ihm Gewalt angedroht hätten.

Die örtliche Polizei war trotz mehrmaliger Versuche zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

als/AFP