SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

28. Oktober 2014, 07:26 Uhr

Treffen mit Uno

Nordkorea macht auf Menschenrechtler

Öffnet Nordkorea seine Grenzen für Uno-Beobachter? Erlaubt gar einen Blick in seine Gefängnisse? Pjöngjang deutet einen solchen Schritt an, ein Treffen gab es bereits - doch dahinter dürfte kühle Taktik stecken.

New York - Der Vorgang wäre beispiellos: Nordkorea hat angedeutet, in naher Zukunft möglicherweise einen Uno-Beobachter für Menschenrechte einreisen zu lassen. Es habe zu diesem Zweck bereits ein Vorbereitungstreffen gegeben.

Auch die Vereinten Nationen bestätigten ein rund einstündiges Gespräch mit Vertretern des international isolierten Landes. Dabei kamen der Uno-Botschafter Nordkoreas und der amtierende Sonderbeobachter für Menschenrechte in Nordkorea, der Indonesier Marzuki Darusman, zusammen.

In der nordkoreanischen Mitteilung, aus der die Nachrichtenagentur AP zitiert, heißt es gewohnt blumig, der Uno-Gesandte sei "glücklich gewesen, von unserer Seite zu hören" und "sehr optimistisch" mit Blick auf einen Besuch. So weit wollte die Uno selbst nicht gehen, von dort gibt es außer der Bestätigung des Treffens keine Angaben zum Inhalt.

Allzu optimistisch dürften die westlichen Beobachter ohnehin nicht sein. Der Vorstoß aus Pjöngjang ist nur der jüngste in einer Serie von Versuchen, noch härtere Sanktionen der internationalen Gemeinschaft abzuwenden. Zuletzt hatte Nordkorea unter anderem einen eigenen Bericht über die Lage der Menschenrechte in seinen Grenzen vorgelegt - und sich darin kräftig selbst gelobt.

Internationale Beobachter gehen dagegen davon aus, dass in dem Land mehr als 120.000 Menschen in Straflagern inhaftiert sein könnten. Dazu kommt es immer wieder zu Massenhinrichtungen, willkürlichen Verhaftungen und anderen Verstößen gegen die Menschenrechte. Das geht aus dem letzten Bericht einer Uno-Kommission unter der Leitung von Darusman hervor. Die Gruppe hatte unter anderem eine große Zahl an Flüchtlingen aus Nordkorea zur Lage im Land befragt.

In dieser Woche wird die Kommission ihr aktuellstes Papier vorlegen - der Zeitpunkt für die Geste aus Nordkorea dürfte also nicht zufällig gewählt sein.

Kritik des Westens - Beschwichtigung aus Peking

Denn was bisher aus dem Bericht durchgesickert ist, wird das Regime erwartungsgemäß noch weiter unter Druck setzen. Schon der letzte Bericht, der teils grausamste Details aus dem Gefängnissystem Nordkoreas schilderte, hatte die Rufe nach einem Einschreiten des Internationalen Strafgerichtshofs verstärkt. Nun empfiehlt die Kommission "dringend einen solchen Schritt".

Es wäre das bisher stärkste Signal des Westens gegen Pjöngjang, auch wenn mit dem Widerstand Chinas gerechnet werden muss. Peking steht der Führung unter Diktator Kim Jong Un nahe. Zuletzt betonte das chinesische Außenministerium, dass "eine Einmischung des Strafgerichtshofs wenig zur Verbesserung der Menschenrechte beitragen würde".

jok/AP

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung