Menschenrechte Sarkozy rückt von Merkel ab

Streitfall Menschenrechte: Frankreichs Präsident Sarkozy hat sich überraschend deutlich vom klaren Stil Angela Merkels in dieser Frage abgesetzt. Sie hatte auf dem Afrika-Gipfel die Zustände in Simbabwe gerügt.


Paris - Nicolas Sarkozy ging nach SPIEGEL-Informationen auf dem EU-Afrika-Gipfel in Lissabon auf Distanz zur deutschen Bundeskanzlerin. Zu Angela Merkels offener Kritik an der Menschenrechtspraxis afrikanischer Staaten wie Simbabwe sagte er am Rande des Treffens: "Ich kritisiere nicht die anderen, insbesondere keine Freunde. Frau Merkel macht die Außenpolitik, die sie richtig findet, und so hat sie ja auch ihre Rede gehalten."

Die Kanzlerin hatte in ihrer Gipfelrede vergangenes Wochenende in Lissabon gesagt: "Der jetzige Zustand von Simbabwe schadet dem Bild des neuen Afrikas." Damit beschwor sie die Kritik mehrerer afrikanischer Staatschefs sowie des simbabwischen Präsidenten Robert Mugabe herauf.

Sarkozy distanzierte sich nicht von den inhaltlichen Feststellungen der Deutschen; "im wesentlichen" sei er damit einverstanden: "Aber es steht den Afrikanern zu – und nicht uns – zu entscheiden, wer sie vertritt." Sarkozys Umgang mit Afrikas Despoten ist selbst in der eigenen Regierung umstritten: Vorige Woche war er von seiner Menschenrechtsbeauftragten Rama Yade kritisiert worden, weil er den libyschen Diktator Muammar al-Gaddafi im Elysée-Palast empfing.



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