Mali Frankreichs Verbündete sollen Gegner hingerichtet haben

Die Europäische Union und Menschenrechtler erheben schwere Vorwürfe gegen die mit Frankreich verbündeten Regierungstruppen in Mali. Sie sollen aus Rache Menschen willkürlich getötet haben. Human Rights Watch fordert Uno-Beobachter.
Soldaten der malischen Armee: Schwere Vorwürfe gegen die Regierungstruppen

Soldaten der malischen Armee: Schwere Vorwürfe gegen die Regierungstruppen

Foto: ERIC FEFERBERG/ AFP

Segou - Die regierungstreuen Truppen in Mali sollen massiv gegen Menschenrechte verstoßen haben. Der Europäischen Union zufolge gibt es Berichte über "ethnische Kämpfe" und "aus Rache verübte Übergriffe". Die für humanitäre Hilfe zuständige EU-Kommissarin Kristalina Georgiewa zeigte sich "sehr besorgt". Dies ist bemerkenswert, da die malische Armee von Frankreich unterstützt wird.

Menschenrechtler beschuldigten die malischen Streitkräfte, Einheimische hingerichtet zu haben. Ihre Opfer hätten sie bezichtigt, mit islamistischen Kämpfern zusammenzuarbeiten. Besonders FIDH, eine in Paris ansässige Vereinigung von Menschenrechtsgruppen, erhebt schwere Vorwürfe :

  • Sie habe Hinweise, dass die malische Armee seit dem 10. Januar in der Stadt Sevare mindestens elf Menschen in einem Lager des malischen Militärs exekutiert habe.
  • Unter Berufung auf Beobachter vor Ort hieß es weiter, in Zentralmali seien etwa 20 Menschen exekutiert und in Brunnen geworfen oder verscharrt worden.
  • In Nioro sollen malische Soldaten zwei Tuareg hingerichtet haben.

Die FIDH forderte eine unabhängige Untersuchung. Human Rights Watch sprach sich dafür aus, Uno-Beobachter zu entsenden.

Ein Reporter der Agentur Reuters berichtete zudem, er habe mindestens sechs Tote in der Stadt Sevare gesehen - drei lagen in der Nähe einer Bushaltestelle, drei weitere waren in einen Brunnen geworfen worden.

Die malischen Streitkräfte wiesen die Vorwürfe zurück. Die Berichte von der Front konnten zunächst nicht bestätigt werden, da die Armee die Stadt Sevare am Mittwoch sehr plötzlich für Journalisten absperrte und vor allem westliche Reporter aus dem Stützpunkt der französischen Soldaten vertrieb. Ein Sprecher der Armee in Bamako, rund 700 Kilometer von Sevare entfernt, konnte für die Maßnahme keine Gründe angeben.

Schon bei der Planung der Ausbildungsmission der EU in Mali sorgten sich die Strategen in Europa über mögliche Racheakte der malischen Armee gegen Kämpfer der Islamisten. Deswegen will man in die Ausbildung auch eine Art Grundkurs in Sachen Menschenrechte aufnehmen.

Islamisten herrschen im Norden

Nach einem Militärputsch im März vergangenen Jahres hatten islamistische Gruppen und die von Tuareg dominierte Befreiungsbewegung MNLA den Norden Malis erobert. Wenige Monate später unterlagen die Tuareg-Kämpfer einer Koalition islamistischer Gruppen. Die Islamisten kontrollieren seither den Norden und verüben grausame Gewalttaten an der Zivilbevölkerung. Das Uno-Flüchtlingshilfswerk berichtete, dass Zeugen willkürliche Hinrichtungen der Islamisten schilderten. Außerdem hätten die selbsternannten Gotteskrieger zur Bestrafung Gliedmaßen von Flüchtlingen abgetrennt. Hunderttausende Menschen sind seit Monaten auf der Flucht.

Die französische Armee geht seit 10. Januar gemeinsam mit den Soldaten der malischen Militärregierung gegen die Rebellen vor. Dass nun auch der regulären malischen Armee - also Frankreichs Verbündetem - Menschenrechtsverstöße vorgeworfen werden, wirft kein gutes Licht auf die Militäroperation.

Malischen und französischen Truppen ist es mit Unterstützung der französischen Luftwaffe gelungen, mehrere Städte im Zentrum zurückzuerobern. Verschiedene Quellen berichten zudem über einen Rückzug der Islamisten unter anderem aus der Stadt Gao in die Wüstenregion im äußersten Norden.

Nun werden sie von weiteren Verbündeten aus Afrika unterstützt: Die ersten Einheiten der internationalen Unterstützungsmission Afisma (African-led International Support Mission in Mali) rückten von der malischen Hauptstadt Bamako aus ins Zentrum des Landes vor, sagte Frankreichs Außenminister Laurent Fabius am Mittwoch. Die Stationierung der Afisma-Truppen komme schneller voran als gedacht. Es seien bereits mehr als tausend afrikanische Soldaten in Mali angekommen.

Die Truppe der afrikanisch geführten internationalen Unterstützungsmission in Mali, Afisma, wird gestellt von Nigeria, Niger, Burkina Faso, Togo, Senegal und der Elfenbeinküste. Sie soll bis zu 3500 Mann stark werden.

kgp/mgb/dpa/Reuters
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