Menschenrechtsbericht Burma zwingt Häftlinge zum Dienst an der Front

Human Rights Watch prangert eine jahrzehntelange Praxis in Burma an: Die Armee missbrauche Häftlinge im Kampf gegen Rebellen als Packesel und menschliche Schutzschilde. Hunderte Männer sollen aktuell im Zwangseinsatz an der Front sein.


Bangkok - Das Militär in Burma zwingt Häftlinge zu Trägerdiensten in der Armee - auch an der Front im Kampf gegen Rebellenarmeen. Das berichteten zwei Menschenrechtsorganisationen am Mittwoch in Bangkok. Die Praxis sei weit verbreitet, sagte David Mathieson von Human Rights Watch. Er rief die internationale Gemeinschaft auf, eine Uno-Untersuchungskommission einzuberufen, um die Menschenrechtsverletzungen zu untersuchen. "Dies sind schwere Kriegsverbrechen", sagte Mathieson.

Zusammen mit der Karen-Menschenrechtsorganisation hatten Mitarbeiter von Human Rights Watch in diesem und im vergangenen Jahr mit 58 Männern zwischen 20 und 57 Jahren gesprochen, die zu Trägerdiensten gezwungen worden waren, aber fliehen konnten. Nach ihren Angaben sind mindestens 700 Männer im Einsatz, vor allem an der Front im Osten, wo die Armee gegen aufständische Mitglieder der Karen-Minderheit kämpft. Es handele sich nicht um Einzelfälle. "Das passiert seit 20 Jahren in Burma", sagte Poa Shan, Direktor der Karen-Menschenrechtsorganisation.

Der 70-seitige Bericht ist im Internet abrufbar. Darin prangern die Organisationen die Situation detailliert an. Unter anderem sollen die Häftlinge gefoltert und an der Front als "menschliche Schutzschilde" missbraucht werden. Außerdem würden sie quasi als "entbehrliche, menschliche Packesel" angesehen, sagte Elaine Pearson, die Asienverantwortliche von Human Rights Watch.

Burma stand jahrzehntelang unter der Knute des Militärs. Im vergangenen November ließ die Junta erstmals seit 20 Jahren wählen. Allerdings gründete sie zuvor ihre eigene Partei, die bei dem umstrittenen Wahlgang haushoch gewann. In der neuen Regierung sitzen viele alte Militärs, die lediglich die Uniform abgelegt haben.

can/dpa

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insgesamt 2 Beiträge
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amgitsnops 13.07.2011
1. Kriegsverbrechen
Zitat von sysopHuman Rights Watch prangert eine jahrzehntelange Praxis in Burma an: Die Armee missbrauche Häftlinge im Kampf gegen Rebellen als Packesel und menschliche Schutzschilde. Hunderte Männer sollen aktuell im Zwangseinsatz an der Front sein. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,774302,00.html
Das wäre ein schweres Kriegsverbrechen. Internationale Haftbefehle raus, sämtliche geschäftliche Verbindungen und Konten sperren und die Verantwortlichen bei erster Gelegenheit verhaften und nach Den Haag. Das ist nach allen Konventionen verboten, und zwar alternativlos.
fxe1200 13.07.2011
2. Absolute Sauerei was in Burma passiert!
Zitat von amgitsnopsDas wäre ein schweres Kriegsverbrechen. Internationale Haftbefehle raus, sämtliche geschäftliche Verbindungen und Konten sperren und die Verantwortlichen bei erster Gelegenheit verhaften und nach Den Haag. Das ist nach allen Konventionen verboten, und zwar alternativlos.
...die Konten, der Begüterten und der Junta liegen in Singapur. Ob Deutschland Handel mit Burma betreibt? Ich weiß es nicht, aber Blutrubine aus Burma sollte es hier nicht geben.
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