Merkel bei Bush Hand in Hand zu den Krisenherden

Saddam-Hinrichtung, Irak-Krise, Nahostkonflikt: Im Weißen Haus traf Angela Merkel auf einen gestressten US-Präsidenten. Dennoch blieb George W. Bush beim Blitzbesuch seiner Freundin aus Germany Zeit für eine paar Komplimente.

Von Georg Mascolo, Washington


Washington - Besonders liebe Gäste, so ist es Tradition im Weißen Haus, werden gleich auf der gegenüberliegenden Straßenseite untergebracht. Wer im Blair-Haus unterkommt, der offiziellen Herberge für die Besucher des Präsidenten, gilt etwas in Washington.

Merkel bei Bush: Komplimente für die Kanzlerin
REUTERS

Merkel bei Bush: Komplimente für die Kanzlerin

Merkel kann bekanntlich gut mit Bush. So gut, dass sie immer im Blair-Haus übernachtet. Gestern kam sie direkt vom Flughafen, nur auf einen Sprung, um sich frisch zu machen vor dem Besuch im Oval Office. Ein Tageszimmer für die Kanzlerin, vor der Tür wehte die deutsche Fahne. Kürzer als der gestrige Gipfel lässt sich diplomatisches Protokoll nicht mehr arrangieren. Merkel kam am späten Nachmittag, Gespräch mit Bush, kurze Pressekonferenz, Abendessen mit George und First Lady Laura und gleich wieder zurück nach Berlin.

Gast wie Gastgeber haben selbst für diese kurze Begegnung lange nach einem Termin suchen müssen. Merkel ist seit Anfang des Jahres mit EU und G-8-Präsidentschaft schwer eingedeckt. Und Bush hat in diesen Tagen nun wahrlich ganz andere Sorgen.

Die Stunden vor der Ankunft der Kanzlerin hatte er in einer Videokonferenz mit dem irakischen Premierminister Nuri al-Maliki verbracht, sie dauerte 105 statt der geplanten 60 Minuten. Und mit Merkel im Weißen Haus war auch der Plan erledigt, den amerikanischen Medien in diesen Tagen aus dem Weg zu gehen: Weder seine neue Irak-Strategie (die in der nächsten Woche verkündet wird) noch das Debakel um die Hinrichtung von Saddam Hussein wollte Bush eigentlich kommentieren müssen.

Aber Merkel war das Symbol des Besuches wichtig - Abstimmung, Schulterschluss mit Amerika, sollte signalisiert werden. Und Bush, dem so viele Freunde nicht geblieben sind, weiß das zu schätzen. Große Ergebnisse, hatte das Kanzleramt schon vor der Abreise abgewiegelt, dürfe man dieses Mal nicht erwarten. Sondern eher ein Abschreiten der globalen Krisenherde, von Afghanistan über Iran, Israel-Palästina und die festgefahrenen Doha-Verhandlungen. Bush hatte Vize Dick Cheney, Außenministerin Condoleezza Rice und die Ressortchefs für Handel und Finanzen, Susan Schwab und Hank Paulson dazu gebeten.

Der Präsident versprach Unterstützung für Merkels Plan, das Nahost-Quartett zur Lösung des Palästina-Konflikts wiederzubeleben. Und beide waren sich einig, dass das internationale Tribunal alsbald mit dem Verfahren wegen der Ermordung des libanesischen Politikers Rafik al-Hariri beginnen muss. Eine Arbeitsgruppe soll prüfen, wie die von Merkel gewünschte engere europäisch-amerikanische ökonomische Zusammenarbeit aussehen könnte.

Überraschungen? Eine zumindest, Bush zeigte auffälliges Interesse am Klimawandel und dem Einsatz neuer Technologien zur Verminderung des CO2- Ausstoßes. Auch hier soll eine Arbeitsgruppe mögliche Kooperationsfelder zwischen Europa und den USA sondieren.

Bush will mehr Unabhängigkeit von den Petrokraten, zudem wird auch in den USA die Angst vor einer Klimakatastrophe größer. Und aus dem US-Außenministerium kommt schon seit Monaten der Rat, sich grüner und umweltfreundlicher zu präsentieren, um das desolate Image in Europa zu verbessern.

22 Minuten dauerte die Pressekonferenz im Foyer des Weißen Hauses, und wie befürchtet wollten die amerikanischen Journalisten nur über Irak und Saddam reden. Der Präsident vertröstete auf die nächste Woche und räumte ein, auch er hätte sich eine etwas würdevollere Exekution gewünscht. "Aber immerhin, er hat einen fairen Prozess erhalten, etwas was er Tausenden Irakern vorenthalten hat", sagte Bush.

Wirklich gelöst schien er nur gegen Ende, da lobte er die Kanzlerin, wie gern er ihr zuhört und wie sehr er ihren Rat schätzt. Um dann freimütig hinzuzufügen: "Ich weiß nicht, ob ihr das hilft oder schadet."



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