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11. April 2014, 16:07 Uhr

Athen-Besuch

Merkel verlangt von Griechen mehr Reformen

Angela Merkel wirbt bei ihrem Griechenland-Besuch für den Reformkurs des Landes. Potential sieht sie in Tourismus und Landwirtschaft. Die Opposition spricht von einem "Showbesuch im Troika-Protektorat".

Athen - Bundeskanzlerin Angela Merkel hat ihren Besuch in Athen für einen Appell an die Griechen genutzt. Die CDU-Chefin ermunterte Griechenland zur Fortsetzung seines schmerzhaften Reformkurses.

"Ich glaube ganz fest, dass nach einer sehr, sehr schwierigen Phase, die in Griechenland natürlich auch noch durchaus anhält, für viele Menschen in diesem Land unglaublich vieles an Möglichkeiten steckt, was noch gar nicht voll erfasst ist", sagte Merkel bei einem Kurzbesuch in der griechischen Hauptstadt. Gerade in den für Griechenland klassischen Wirtschaftsbereichen Tourismus und Landwirtschaft stecke viel Potential.

Merkel informierte sich zu Beginn ihrer Visite gemeinsam mit ihrem Amtskollegen Antonis Samaras bei einem Treffen mit jungen Unternehmern über die Bemühungen der griechischen Wirtschaft, in der Schuldenkrise wieder Tritt zu fassen.

Wagenknecht kritisiert Merkel-Reise nach Athen

Zum Auftakt des Gesprächs machte sie den jungen Firmengründern Mut: Auch nach der deutschen Wiedervereinigung habe es Schwierigkeiten für viele Menschen gegeben. Sie sei aber sicher: "Die Chancen und die Möglichkeiten überwiegen. Und ich bin ganz sicher, das wird auch in Griechenland so sein, trotz der schweren Wegstrecke."

Die Kanzlerin ist insgesamt nur sechseinhalb Stunden in Athen. Die Sicherheitsvorkehrungen sind gewaltig. 7000 Beamte haben das Regierungsviertel fast vollständig abgeriegelt. Bei ihrem Athen-Besuch mitten in der Schuldenkrise im Oktober 2012 war Merkel wegen ihres harten Sparkurses von vielen Griechen persönlich für die schlechteren Lebensbedingungen verantwortlich gemacht worden.

Linken-Fraktionsvize Sahra Wagenknecht kritisierte die Reise als "Showbesuch im Troika-Protektorat". "Bundeskanzlerin Angela Merkel benutzt das kaputtgekürzte Griechenland als Kulisse für ihren Europawahlkampf", sagte Wagenknecht.

Und wie ist die Stimmung in der griechischen Bevölkerung? Unsere Reporter David Böcking und Giorgos Christides haben bei Betroffenen nachgefragt: Was würden Sie Angela Merkel sagen, wenn Sie die Gelegenheit hätten, mit ihr zu sprechen?

Um die Umfrage zu lesen, klicken Sie auf die Bilder:

syd/dpa

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