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11. April 2014, 20:40 Uhr

Athen-Besuch der Kanzlerin

Merkels Streicheleinheiten

Aus Athen berichten , und

Es geht aufwärts in Griechenland: Dieses Bild wollte Premier Samaras der Kanzlerin bei ihrer Kurzvisite in Athen vermitteln. Seit ihrem letzten Besuch 2012 hat sich einiges verbessert. Doch Merkel sagt selbst: "Der Weg ist noch weit."

Die Einlasskontrollen an der Residenz des griechischen Premierministers sind nicht leicht zu durchschauen. Durchaus akribisch überprüft das Sicherheitspersonal dort den Begleittross von Angela Merkel. Anschließend aber müssen alle wieder vor die Tür, bis sie nach langem Warten endgültig eintreten dürfen - diesmal ganz ohne Kontrolle. Die berüchtigte griechische Bürokratie zeigt sich quicklebendig.

Nicht alles hat sich in Griechenland geändert, auch wenn die erste Anleihenauktion seit vier Jahren am Donnerstag einen Erfolg markierte. Den erkennt am Freitag auch Merkel bei ihrem ersten Athen-Besuch seit anderthalb Jahren an. Als die deutsche Kanzlerin im Oktober 2012 kam, lag die Marktverzinsung einer griechischen Zehnjahres-Anleihe bei knapp 20 Prozent, heute sind es rund sechs Prozent. Damals hätte kein privater Investor auf dem Globus eine neu ausgegebene griechische Anleihe gekauft. Jetzt konnte sich Griechenland vor Kaufwilligen kaum retten.

"Griechenland ist wieder da"

Die Auktion wirkt wie der ökonomische Ritterschlag der Märkte; unmittelbar gefolgt vom Besuch der Kanzlerin, dem passenden politischen Symbol. "In den vergangenen anderthalb Jahren hat sich sehr, sehr viel getan", lobt Merkel,

Griechenland habe nun "mehr Chancen als Probleme". Sein Land habe es geschafft, echot Antonis Samaras. "Griechenland ist wieder da."

Als substantiellste Vereinbarung präsentieren Merkel und Samaras eine griechische Förderbank nach Vorbild der deutschen KfW. Bei dem von Deutschland mitfinanzierten Projekt seien "erste Schritte" gemacht, sagen beide Regierungschefs. Dabei kündigte die griechische Regierung die Bank schon vor zweieinhalb Jahren an. Auch die deutsche Beteiligung mit einem Darlehen über 100 Millionen Euro hatte Finanzminister Wolfgang Schäuble bereits im Sommer 2013 als Gastgeschenk mitgebracht.

Es gibt auch Fortschritte: Der Tourismus hatte 2013 ein sehr gutes Jahr, auch weil die "Präsenz der Deutschen" hoch war, wie es Merkel sagt. Die Landwirtschaft verkauft deutlich mehr Produkte ins Ausland, im verarbeitenden Gewerbe sind die Lohnstückkosten unter das deutsche Niveau gerutscht. Das deutet an: Griechenland kann mit den wenigen exportfähigen Waren international angreifen.

Deutlich geringer waren seit Merkels letztem Besuch die Fortschritte in Verwaltung und Staat. Die Zersplitterung der Kompetenzen, die Bürokratie, die Eitelkeit der hohen Beamten - daran hat sich offenkundig noch nicht sehr viel geändert. Es steigt die Zahl der Unternehmensgründungen, aber es mangelt an echten Innovationen. Die Zahl der in Griechenland jährlich angemeldeten europäischen Patente stagniert seit Jahren bei rund 140. In Belgien, das eine ähnlich große Einwohnerzahl hat, sind es mehr als 2200.

Da wirkt es doch verwegen, wenn Premier Samaras bereits von einem anderen Wirtschaftsmodell spricht. "Dieses neue Griechenland ist eine Realität", sagt er bei einem gemeinsamen Treffen mit Start-up-Gründern.

Einer dieser Jungunternehmer ist Georgios Gatos, Mitgründer des Bootscharter-Portals "Incrediblue". Er zeigt sich beeindruckt vom Treffen mit Merkel. Die Kanzlerin sei interessiert und einfühlsam gewesen - was nicht dem Bild entspricht, das viele Griechen von ihr haben.

Ihr Popularitätsproblem spricht Merkel in Athen selbst an. Sie sei nicht sicher, ob die Unternehmer nach ihrem Treffen mit der Kanzlerin "heute noch nach Hause kommen dürfen", scherzt sie. Und sie wisse, dass der von Griechenland vermeldete Primärüberschuss dem Normalbürger noch nicht weiterhelfe. "Das bedeutet für jemanden, der arbeitslos ist, gar nichts."

In der Euro-Krise geht es auch um Symbolik

Auch sonst zeigt sich die Kanzlerin mit Blick auf die Erfolgsmeldungen zu den griechischen Staatsfinanzen zurückhaltend. "Der Weg ist noch weit", sagt sie, aber die Diskussion über das weitere Vorgehen werde künftig eben in einem "sehr viel optimistischeren Klima geführt".

Premier Samaras muss sich nach der Anleihen-Auktion die Frage gefallen lassen, warum sich Griechenland nun wieder zu höheren Zinsen Geld leiht, als es sie vom Euro-Rettungsschirm gibt. Er kontert mit den Zinsen für kurzlaufende Anleihen und Unternehmen, die nach der Auktion ebenfalls gesunken seien. Doch entscheidend dürfte etwas anderes sein. Die Kritiker ignorierten die "politische Realität eines Landes, das sich endlich befreien konnte".

Es ging in der Euro-Krise immer auch um Symbolik. Und wichtige Symbole waren sowohl die Auktion als auch der Merkel-Besuch zweifellos. Das scheinen auch die Griechen zu ahnen. Laut einer aktuellen Umfrage für die Zeitung "To Pontiki" hat zwar nur ein Viertel der Griechen eine positive Meinung von der Bundeskanzlerin. Knapp die Hälfte glaubt aber, dass der Besuch der Deutschen ihrer Regierung helfen wird.

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