"Mister Euro" Merkel will Juncker auf EU-Spitzenposten verhindern

Gegenwind für "Mister Euro": Nach SPIEGEL-Informationen will Angela Merkel offenbar verhindern, dass Jean-Claude Juncker auf die große europäische Bühne zurückkehrt. Die Kanzlerin soll zwei andere Politiker als Spitzenkandidaten der Konservativen bei der Europawahl bevorzugen.
Jean-Claude Juncker, Angela Merkel (Archiv): Spannung vor der Europawahl

Jean-Claude Juncker, Angela Merkel (Archiv): Spannung vor der Europawahl

Foto: Olivier Hoslet/ picture alliance / dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel will offenbar verhindern, dass der Luxemburger Jean-Claude Juncker einen der demnächst frei werdenden EU-Spitzenposten bekommt. Juncker hatte vor Weihnachten erklärt, dass er bereit sei, als Spitzenkandidat der Europäischen Volkspartei in die Europawahl 2014 zu ziehen. Bei einem Wahlsieg des konservativ-liberalen Lagers könnte Juncker Anspruch auf das Amt des EU-Kommissionspräsidenten erheben, dessen Ernennung nach dem Lissabon-Vertrag erstmals maßgeblich von den neuen Mehrheiten im Europaparlament abhängt.

Doch Merkel versucht angeblich, eine Spitzenkandidatur Junckers zu hintertreiben. Sie fürchtet, dass sich der Luxemburger mit seiner unverblümten Kritik an Freund und Feind viele EU-Staats- und Regierungschefs zu Gegnern gemacht hat. Auch das Verhältnis zwischen Juncker und Merkel selbst gilt als belastet. Der Spitzenkandidat der europäischen Christdemokraten soll bei einem Kongress im März in Dublin gekürt werden. Merkel bemüht sich, den irischen Ministerpräsidenten Enda Kenny oder den polnischen Premier Donald Tusk zu einer Kandidatur zu überreden. Beide zeigten sich interessiert.

Juncker war Präsident der Euro-Gruppe, seit das Amt im Jahr 2005 geschaffen wurde. Mit Beginn des Jahres 2013 trat "Mister Euro" ab, der Niederländer Jeroen Dijsselbloem wurde sein Nachfolger.

Im November wurde Juncker nach fast 19 Jahren auch als Premierminister Luxemburgs abgelöst - allerdings unfreiwillig. Zwar hatte seine Christlich-Soziale Volkspartei bei der Parlamentswahl trotz Verlusten wieder die meisten Stimmen bekommen. Allerdings gelang Liberalen, Sozialdemokraten und Grünen die Bildung einer mehrheitsfähigen Koalition. Die Neuwahlen waren notwendig geworden, weil Junckers Regierungskoalition an einer Geheimdienstaffäre zerbrochen war.