Merkels Chinatour Besuch der Pflaumenblüte

Pralles Programm beim Antrittsbesuch: Wirtschaftsthemen und Menschenrechtsfragen will Bundeskanzlerin Merkel während ihres China-Aufenthalts ansprechen. Auch die Chinesen warten gespannt auf das erste offizielle Treffen mit Deutschlands Regierungschefin mit dem verheißungsvollen Namen.


Berlin - In China bereitet man sich intensiv auf den Besuch der Kanzlerin vor: Bereits interpretiert wurde die Aussprache ihres Nachnamens. Auf chinesisch wird Merkel aus den drei Zeichen "mo ke er" gebildet. Ausgesprochen wird er, als rolle man eine heiße Kartoffel im Mund: Moker. Die Silbe "mo" hat dabei eine richtige Bedeutung und leitet sich von dem Wort "chenmo" ab, was als "schweigsam", "verschlossen", "zurückhaltend" oder sogar "unkommunikativ" übersetzt wird.

Kanzlerin Merkel bei der Ankunft: Blumen für "meihua"
DDP

Kanzlerin Merkel bei der Ankunft: Blumen für "meihua"

Diese Attribute seien durchaus passend, finden viele Chinesen: Dass Merkel im Vorfeld ihres Besuches chinesischen Medien kein Interview gegeben hat, wurde unter Journalisten als zumindest unüblich aufgefasst. Schließlich wollten sie Deutschlands Regierungschefin ihrem Volk vorstellen.

Merkel gab sich allerdings auch deutschen Korrespondenten in Peking gegenüber verschlossen. Ein Hintergrundgespräch über ihre Eindrücke von der kommunistischen Führung wurde aus Zeitgründen gestrichen. Die Botschaft müht sich jetzt, die Kanzlerin noch umzustimmen, um nicht unkommunikativ zu wirken.

Schlaue Chinesen wussten schon Abhilfe: Moker solle sich besser Meiker nennen. Das wäre phonetisch allemal näher an ihrem Namen und wird mit dem Zeichen von "meihua" für "Pflaumenblüte" gebildet. Das klinge freundlicher und weiblicher.

Wichtigstes Wirtschaftthema: Produktpiraterie

Begleitet wird Merkel auf ihrer Reise nach China von einer 40-köpfigen Wirtschaftsdelegation, die vom zuständigen Minister Michael Glos (CSU) angeführt wird. Mit dabei sind auch Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD), sowie Repräsentanten aller im Bundestag vertretenen Parteien.

Aus Regierungskreisen hieß es vor der Abreise, Deutschland werde künftig eine offensivere Gangart in der China-Politik einschlagen. Merkel werde bei ihren Gesprächen sowohl die Übernahme von mehr globaler Verantwortung anmahnen, als auch Menschenrechtsfragen ansprechen. Während ihres zweitägigen Besuchs will die Kanzlerin auch mit Vertretern der Zivilgesellschaft und einem katholischen Bischof, der viele Jahre in Haft verbracht hat, zusammentreffen.

Merkel wird mit dem Chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao und Chinas Präsident Hu Jintao zusammentreffen. Am Dienstag fliegt sie nach Shanghai weiter: Dort wird die Bundeskanzlerin eine Rede vor der deutschen Handelskammer halten und die Schaltzentrale des Transrapids besichtigen. Zudem werden eine Reihe von Wirtschaftsabkommen unterzeichnet. Die Thema Patentklau und Produktpiraterie stehen bei den wirtschaftlichen Gesprächen ganz oben auf der Tagesordnung. Außenpolitisch wird die Politik gegenüber Iran im Zentrum der Gespräche stehen. 

Am Ende ihres zweitätigen Besuches will Merkel am Dienstagabend mit der Magnetbahn von der Schanghaier Innenstadt zum Flughafen fahren.

"Umweltzerstörung schlimmer als in Bitterfeld"

Grünen-Chef Reinhard Bütikofer forderte Merkel auf, sich in China auch für einen nachhaltigen Umweltschutz einzusetzen. "Die Umweltzerstörung in China ist schlimmer als Ende der 80er Jahre in Bitterfeld in der DDR", sagte Bütikofer gestern der Nachrichtenagentur AFP.

Deutschland könne mit seinen Umweltstandards und ökologischen Dienstleistungen wie Energie- und Wassertechnik den Chinesen sein Wissen anbieten. China habe ein großes Interesse am Umweltschutz, so Bütikofer weiter. Merkel müsse auf ihrer Chinareise eine "Balance zwischen Kooperationsmöglichkeit und Bereitschaft zu ehrlicher Kritik" finden, mahnte er. Neben dem Umweltschutz sollte der Rechtsstaatsdialog das wichtigste Thema der Reise sein.

anr/AP/dpa/ddp/AFP



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