Merkels Handy Republikaner John McCain fordert Entschuldigung von Obama

Der republikanische Senator John McCain hat den US-Präsidenten harsch kritisiert für sein Verhalten in der NSA-Affäre. Dem SPIEGEL sagte McCain, Barack Obama hätte sich bei Angela Merkel für das Abhören ihres Handys entschuldigen müssen.

Senator John McCain: "Obama hätte sich entschuldigen müssen"
AP/ CBS

Senator John McCain: "Obama hätte sich entschuldigen müssen"


Hamburg - In einem SPIEGEL-Gespräch kritisiert McCain, dass die NSA das Handy von Bundeskanzlerin Angela Merkel abgehört hat. Zwar würden Freunde sich "bis zu einem gewissen Grad" ausspionieren. Es gebe jedoch gewisse Grenzen der Privatsphäre: "Gemessen daran, wie wütend Angela Merkel war, hätte der Präsident sich entschuldigen müssen", sagt der 77-jährige Senator aus Arizona.

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Heft 46/2013
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Die Abhöraffäre hatte zu ernsten diplomatischen Verstimmungen zwischen Deutschland und den USA geführt. US-Außenminister John Kerry hatte unlängst versucht, in einem Interview die Wogen zu glätten. Er lobte Kanzlerin Angela Merkel als "großartige Partnerin" für US-Präsident Barack Obama, rühmte "Deutschlands internationale Führungsrolle". Kerry räumte ein, dass das Verhältnis belastet sei und versprach, es werde weitere Gespräche zwischen den beiden Regierungen geben.

McCain gab zu, dass die Möglichkeit bestehe, dass Obama nichts von der Abhöraktion gewusst habe. "Aber Tatsache ist, er hätte davon wissen müssen." Er selbst hätte kein Problem damit, sollte sein Handy abgehört werden. "Weil ich am Telefon nichts sage, was nicht auch veröffentlicht werden könnte."

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Dass jemand wie Edward Snowden in Besitz derart wichtiger Dokumente gewesen sei, sei "ein Skandal": "Irgendjemand sollte dafür zur Verantwortung gezogen werden." Er verlangte außerdem den Rücktritt von NSA-Chef Keith Alexander. "Oder man sollte ihn feuern", so McCain.

Seit den Anschlägen des 11. September 2001 hätten die Geheimdienste es mit der Überwachung übertrieben. "In der National Security Agency gibt es Leute, die sich in den letzten zehn Jahren jede Menge neue technische Möglichkeiten erschlossen haben. Dann saßen sie herum und sagten: Wir können das tun, also machen wir es doch auch."

Die Bundesregierung kritisierte McCain für ihre Zurückhaltung im Syrien-Konflikt: "Die wichtigste europäische Nation steht in einer solchen Frage abseits. Eine Schande!" Im Konflikt um das iranische Atomprogramm sprach sich der Senator trotz des sich abzeichnenden Kompromisses gegen eine Lockerung der Sanktionen aus: "Wir brauchen keine vertrauensbildenden Maßnahmen. Entweder die Iraner stoppen die Urananreicherung, oder sie tun es nicht."

insgesamt 42 Beiträge
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Eppelein von Gailingen 10.11.2013
1. Bei der Merkel braucht sich Obama am wenigsten zu entschuldigen
Es geht um das Ausspionieren Deutschlands und seiner Bürger. Was gerade die Merkel-Regierung vor Monaten als unwahre Hirngespinste durch ihren Kanzleramtsminister Pofalla abgewiesen hat. Diese Kanzlerin ist einfach eine komplette Regierungspleite. Wann erscheint ihr Trugbild nicht mehr öffentlich!
Tahlos 10.11.2013
2. McCain
ausgerechnet. Er mag ja noch durchaus damit recht haben, dass man sowas unter "Freunden" nicht macht, aber er will doch keinem wirklich weismachen, dass seine Kumpels damals das nicht auch gemacht haben - zumindestens in dem Umfang der zu der Zeit möglich war. Es ist doch zu vermuten, dass McCain sicherlich auch "mitgemischt" hat und so einiges darüber wußte.
spon-facebook-10000009156 10.11.2013
3. nicht besser als Obama.
Zitat von sysopAP/ CBSDer republikanische Senator John McCain hat den US-Präsidenten harsch kritisiert für sein Verhalten in der NSA-Affäre. Dem SPIEGEL sagte McCain, Barack Obama hätte sich bei Angela Merkel für das Abhören ihres Handys entschuldigen müssen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/merkels-handy-mccain-fordert-entschuldigung-von-obama-a-932775.html
@:Obama hätte sich bei Angela Merkel für das Abhören ihres Handys entschuldigen müssen. Nicht nur bei Frau Merkel, wir haben auch eine Würde als dummes und naives Volk mit dem man machen kann was man will. Auch Frau Merkel müsse sich bei uns entschuldigen was sie nicht macht, da ist sie nicht besser als Obama.
rainer_daeschler 10.11.2013
4. Wo bleibt Bush?
Die Forderung an den republikanischen Ex Präsidenten George W. Bush sich bei Merkel zu entschuldigen erhebt der Republikaner John McCain hingegen nicht. Unter ihm begann seit 2002 die Bespitzelung Merkels. Der Vorstoß war wohl weniger von tiefer Einsicht und Reue getragen. McCain will wohl eher die Gelegenheit für einen Seitenhieb gegen den demokratischen Präsidenten nutzen (auch wenn er mit dieser Forderung Recht hat).
kaiser-k 10.11.2013
5. Rollenspiel
Schön in der Rolle des Ex-Kandidaten zu argumentieren. Würde er denn nun selbst im Weißen Haus sitzen, hätten wir wohl kaum eine Entschuldigung von Herrn McCain gehört. Eine solche Äußerung von 'Schwäche' ziemt sich in der amerikanischen Politik nicht - weder innen-, noch außenpolitisch.
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