Merkels Israelreise Olmert lobt Bündnispartnerin Merkel

Historische Verantwortung übernehmen - den Blick aber in die Zukunft richten: Dafür plädierte Kanzlerin Merkel zum Beginn ihres Israel-Besuchs anlässlich des 60. Jahrestags der Staats-Gründung. Der Besuch soll auch Auftakt für regelmäßige Regierungskonsultationen sein.


Sde Boker - Einen Ort mit größerer Symbolkraft hätte man für den Auftakt der dreitägigen Israel-Reise von Bundeskanzlerin Angela Merkel wohl kaum finden können. Mit dem Hubschrauber flog die deutsche Regierungschefin heute Nachmittag gleich nach ihrer Ankunft vom Flughafen Tel Aviv mitten in die Wüste Negev. An der Grabstätte David Ben Gurions legte sie zusammen mit dem israelischen Präsidenten Schimon Peres Kränze nieder und besichtigte anschließend das Haus des ersten israelischen Ministerpräsidenten im Kibbuz Sde Boker.

Ben Gurion war Anfang der fünfziger Jahre vorübergehend in die Wüste gezogen und später zurückgekehrt, um seinen Lebensabend dort zu verbringen. 1966 besuchte ihn Konrad Adenauer - damals schon Altkanzler. Die beiden hatten in den Jahren zuvor die schwierige Annäherung der beiden Länder im Schatten der noch frischen Erinnerung an den Holocaust in die Wege geleitet und die Aufnahme diplomatischer Beziehungen erreicht.

Merkel und Peres ließen sich im Wohnzimmer Ben Gurions nieder wie dieser einst mit Adenauer. Der israelische Präsident erinnerte daran, dass Deutschland seinerzeit Israel geholfen habe, die Wüste zu begrünen. "Insofern kann es uns auch helfen, die ganze Region zu befrieden", sagte er.

Erste ausländische Regierungschefin vor der Knesset

Merkel will Israel als erster hochrangiger ausländischer Gast in diesem Jahr zum 60. Geburtstag gratulieren. Dies sei ein "ganz besonderes Signal", hieß es schon vor der Reise im Umfeld Merkels. Der Blick in die Vergangenheit soll bei der Visite aber nicht allein im Vordergrund stehen. Auch die Zusammenarbeit der beiden Länder soll für intensiviert werden. Der Aufwand, der dafür betrieben wird, ist größer als bei jedem anderen Israel-Besuch eines Bundeskanzlers zuvor.

"Es ist sicherlich eine ganz besondere Reise", hieß es schon vor dem Abflug im Umfeld Merkels. Die Kanzlerin wird von der Hälfte ihrer Minister begleitet. Daneben gehören ihrer Delegation mehrere Bundestagsabgeordnete, prominente Vertreter aus Wirtschaft und Wissenschaft sowie die Präsidentin des Zentralrats der Juden an, Charlotte Knobloch. Der Zeitrahmen von drei Tagen ist für einen Auslandsbesuch ebenfalls ungewöhnlich. Die Kanzlerin bleibt oft nicht einmal 24 Stunden in einem Land und zwei Übernachtungen in derselben Hauptstadt sind die Ausnahme.

Ihr Programm enthält nur wenige protokollarische Standards und gleich zwei Premieren: Morgen finden die ersten deutsch-israelischen Regierungskonsultationen statt und am Dienstag wird Merkel als erste ausländische Regierungschefin vor der Knesset reden.

"Wir wissen um unsere immer währende Verantwortung"

Bei den Regierungskonsultationen sollen Projekte in vielen unterschiedlichen Politikfeldern unterzeichnet werden - von der Bildung, über die Entwicklungszusammenarbeit bis zur Verteidigung. Merkel schraubte die Erwartungen an ihren Besuch unmittelbar nach ihrer Ankunft hoch: "Wenn morgen die Regierungskonsultationen beginnen, schlagen wir ein neues Kapitel auf."

"Wir wissen um unsere immer währende geschichtliche Verantwortung", sagte die Kanzlerin zudem. Gleichzeitig betonte sie aber die Notwendigkeit, den Blick in die Zukunft zu richten. Zusammen mit der israelischen Regierung wolle sie Projekte anstoßen, die die Welt freiheitlicher und menschlicher gestalteten.

Ministerpräsident Ehud Olmert sagte, Israel sei stolz, Merkel als Gast begrüßen zu können. Er bezeichnete Deutschland als einen zentralen Bündnispartner. Olmert nannte die Kanzlerin eine "enge Vertraute und strategische Bündnispartnerin".

ase/AFP/AP



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.