Tödliche Messerattacke in Paris Anti-Terror-Experten übernehmen Ermittlungen

In Paris hat ein Mann mehrere Passanten mit einem Messer angegriffen und einen Menschen getötet. Die Polizei habe "den Terroristen neutralisiert", sagt Präsident Macron. Der Täter stammte offenbar aus Tschetschenien.
Polizisten am Tatort in Paris

Polizisten am Tatort in Paris

Foto: Han Bing/ dpa

Nach der tödlichen Messerattacke in der Pariser Innenstadt haben Anti-Terror-Experten die Ermittlungen übernommen. Ein Angreifer hatte am Samstagabend im Zentrum der französischen Hauptstadt einen Passanten getötet und vier weitere Menschen verletzt, zwei davon schwer. Die Polizei erschoss den Angreifer.

Keiner der vier Verletzten sei in Lebensgefahr, sagte Innenminister Gérard Collomb in der Nacht zu Sonntag. Bei dem getöteten Passanten handelt es sich nach Polizeiangaben um einen etwa 30 Jahre alten Mann.

Staatspräsident Emmanuel Macron bezeichnete den Täter als Terroristen. Frankreich sei erneut getroffen worden - werde gegenüber den "Feinden der Freiheit" aber kein Stück nachgeben. Seine Gedanken seien bei den Opfern und ihren Angehörigen, schrieb Macron bei Twitter. "Ich lobe im Namen aller Franzosen den Mut der Polizisten, die den Terroristen neutralisiert haben."

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Die Pariser Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung wegen Terrorverdachts, Mordes und versuchten Mordes an Amtsträgern ein. Die Tat werde als "Tötungsdelikt in Zusammenhang mit einem terroristischen Akt" eingestuft. Der Angreifer soll nach Angaben aus Justizkreisen aus Tschetschenien stammen und im Jahr 1997 geboren worden sein. Seine Eltern seien in Gewahrsam.

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) reklamierte die Tat für sich. Die auf Auswertung dschihadistischer Propaganda spezialisierte Site Intelligence Group meldete, das IS-Sprachrohr Amak habe den Angreifer als "Soldaten des Islamischen Staates" bezeichnet.

Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo erklärte: "Unsere Stadt wurde heute Abend tief verletzt." Die Attacke ereignete sich in der Nähe der Garnier-Oper, ein Stück nördlich des Louvre-Museums. In dem Viertel gibt es zahlreiche Bars und Restaurants, samstagabends ist dort üblicherweise viel los.

Ein Augenzeuge erzählte dem Sender BFMTV, als die Polizei kam, sei der Mann mit dem Messer auf die Beamten zugerannt. Auch Vertreter der Polizeigewerkschaft Alliance erklärten, der Angreifer habe sich gegen Polizisten gewandt. Demnach versuchte die Polizei zunächst ohne Erfolg, den Täter per Elektroschockgerät zu stoppen. Dann habe ein Polizist geschossen.

Innenminister Collomb würdigte die "Reaktionsfähigkeit" der Polizei. Und auch Premierminister Edouard Philippe lobte "die außerordentliche Reaktion" der Polizei. Fünf Minuten nach dem Notruf seien die Beamten vor Ort gewesen, neun Minuten nach dem Notruf sei der Täter tot gewesen. Die Schnelligkeit der Polizei "hat aller Wahrscheinlichkeit eine schlimmere Opferbilanz verhindert", sagte Philippe.

Frankreich war in den vergangenen Jahren mehrfach Ziel von islamistischen Terroranschlägen, seit Anfang 2015 wurden dabei mehr als 240 Menschen ermordet. Zuletzt hatte Ende März ein 25 Jahre alter bekennender Islamist vier Menschen in dem kleinen Ort Trèbes getötet, darunter einen Gendarmen, der sich ihm als Austauschgeisel angeboten hatte.

Mehrfach wurde auch Paris von Anschlägen erschüttert. Die verheerendste Attacke war die Terrornacht vom 13. November 2015: Damals wurden bei Anschlägen an mehreren Orten der Stadt insgesamt 130 Menschen ermordeten. Der danach in Frankreich verhängte Ausnahmezustand war Anfang November ausgelaufen, die Behörden warnen aber weiterhin regelmäßig vor einer anhaltend hohen Bedrohung.

jpz/aar/dpa/Reuters/AFP
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