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MH17-Abschuss Separatisten übergeben Blackbox an malaysische Experten

Kommt die Aufklärung nun doch voran? Vier Tage nach dem Abschuss von Flug MH17 haben ostukrainische Separatisten die Blackboxes der Maschine herausgegeben. Die Leichen der Opfer sollen in die Niederlande überführt werden.

Donezk - Die beiden Blackboxes von Flug MH17 sollen in gutem Zustand sein. Das hat ein malaysischer Colonel nach der Übergabe der Geräte durch prorussische Milizen mitgeteilt. Zuvor hatte Separatistenführer Aleksander Borodai die Boxen an malaysische Experten in Donezk übergeben. "Hier sind sie", soll er laut Nachrichtenagentur Reuters gesagt haben. Nach Angaben der Agentur AFP bestehen die Boxen aus dem Flugdatenschreiber und dem Stimmenrekorder.

Die Blackboxes der abgeschossenen Maschine von Malaysia Airlines waren in den vergangenen Tagen zum Politikum geworden. Nach dem noch immer nicht aufgeklärten Abschuss von Flug MH17 mit Hunderten Toten hatten prorussische Milizen das Trümmerfeld im Osten der Ukraine gesichert und die Boxen unter ihre Kontrolle gebracht. Forderungen des Westens nach einer Untersuchung durch unabhängige Experten wurden zunächst ignoriert. Dass die Separatisten die Blackboxes nun herausgerückt haben, könnte die Aufklärung deutlich voranbringen.

Separatistenführer Borodai verkündete eine Waffenruhe im Umkreis von zehn Kilometern rund um die Absturzstelle. Die Zugeständnisse der Rebellen könnten auch mit dem wachsenden internationalen Druck zu tun haben. Der Uno-Sicherheitsrat hatte kurz zuvor in einer Resolution verlangt, umgehend alle militärischen Aktivitäten in der Gegend einzustellen.

Leichenzug auf dem Weg nach Charkiw

Auch was die Untersuchung der Toten betrifft, gab es am Montagabend Bewegung. So wurde ein Zug mit den Leichen der Opfer aus der von den Separatisten kontrollierten Ortschaft Tores gefahren. Ukrainische Behördenvertreter sagten, die Opfer sollten nach Charkiw gebracht werden, damit die rund 280 Leichen dort von internationalen Ermittlern untersucht werden können. Charkiw steht unter Kontrolle der ukrainischen Regierung.

Laut niederländischer Regierung sollen die Toten dann in die Niederlande überführt werden. Ein Großteil der Opfer stammt aus den Niederlanden.

Die Ukraine und die USA hatten die Separatisten dafür kritisiert, internationalen Ermittlern keinen Zugang zur Unglücksstelle zu gewähren. Erst am Montag durfte eine internationale Expertenkommission um niederländische Ermittler mit der ersten Untersuchung der Toten beginnen.

Die ukrainische Armee und Milizen lieferten sich auch nach dem Abschuss der malaysischen Boeing schwere Gefechte in der Ostukraine. Dabei schienen Kiew-treue Kräfte am Montag Geländegewinne zu machen.

Besonders heftig waren die Gefechte in der Großstadt Donezk. Nach intensivem Artilleriebeschuss stand schwarzer Rauch über dem Bahnhof. Auch am stillgelegten internationalen Flughafen kam es zu Schusswechseln. "Die Situation ist sehr schwierig", sagte Andrej Purgin, der Vizeregierungschef der nicht anerkannten Volksrepublik Donezk, in russischen Medien. Er sprach von Dutzenden Toten unter der Zivilbevölkerung.

Für eine Zone von 40 Kilometern im Umkreis um die Absturzstelle bei dem Ort Hrabowe verkündete der ukrainische Präsident Petro Poroschenko indes eine Feuerpause. Die Separatisten verkündeten ihrerseits eine Waffenruhe im Umkreis von zehn Kilometern um die Absturzstelle.

wal/fab/Reuters/AFP
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