Genervt von Trump und Clinton Bloomberg erwägt Präsidentschaftskandidatur

Die Vorbereitungen sind schon im Gang, im März will er sich entscheiden: Laut "New York Times" plant der Milliardär und Ex-Bürgermeister Michael Bloomberg, sich als unabhängiger Präsidentschaftskandidat zur Wahl zu stellen.
Politiker Bloomberg: Könnte sich als Kandidat der Mitte positionieren

Politiker Bloomberg: Könnte sich als Kandidat der Mitte positionieren

Foto: STEPHANE MAHE/ REUTERS

Im Dezember habe Michael Bloomberg schon einmal nachforschen lassen, wie gut er möglicherweise abschneiden würde, sollte sich der 73-Jährige für die Wahl zum US-Präsidenten aufstellen lassen. Über die Ergebnisse dieser in Auftrag gegebenen Umfrage weiß man nichts, aber sie haben den Milliardär und früheren New Yorker Bürgermeister offenbar dazu bewogen, einen Plan für seine Wahlkampagne auszuarbeiten. Das berichtet die "New York Times"  unter Berufung auf mehrere Mitarbeiter aus Bloombergs Umfeld, die sich nicht namentlich nennen lassen wollen.

Schon öfter hatte Bloomberg überlegt, sich als unabhängiger Kandidat zur Wahl zur stellen, aber immer wieder erkannt, dass die Chancen auf einen Sieg zu gering seien. Seit dem Entstehen der beiden großen Parteien - Demokraten und Republikaner - wurde noch nie ein Kandidat zum US-Präsidenten gewählt, der ihnen nicht angehörte. Zudem gibt sich Bloomberg in seinen Ansichten extrem volatil und ist für Konservative wie Liberale schwer zu fassen: Einerseits spricht er sich für das Recht auf Abtreibung und strengere Waffengesetze aus, andererseits gehört er zum Geldadel und pflegt intensive Beziehungen zur Wall Street.

Doch nun sei ihm eine Kampagne bis zu eine Milliarde Dollar seines beträchtlichen Privatvermögens wert, berichtet die "NYT". Den Quellen zufolge sei Bloomberg genervt von der Dominanz des Rabulistikers Donald Trump im Republikaner-Lager, gleichzeitig sehe er bei den Demokraten, wie die einst haushoch favorisierte Mitte-Kandidatin Hillary Clinton ins Straucheln gerate, während der vielen zu liberale Senator Bernie Sanders immer mehr Zuspruch gewinne. Offenbar will sich der als ruhig und besonnen, wenn nicht technokratisch geltende Bloomberg in diesem zunehmend polarisierten Feld als Alternative anbieten.

Inszenierung als Pragmatiker

Bloombergs Beratern zufolge soll Anfang Februar erneut ein Stimmungstest per Umfrage erfolgen, im März, neun Monate vor der Wahl am 8. November, will sich Bloomberg dann wohl endgültig entscheiden. Abhängig sei der Entschluss unter anderen davon, ob die Republikaner sich nach den wichtigen Vorwahlen in Iowa und New Hampshire auf Trump oder den ebenfalls erzkonservativen Ted Cruz aus Texas festlegen.

Bei den Demokraten geht Bloombergs Lager offenbar davon aus, dass die bereits jetzt in beiden Staaten zurückliegende Clinton bei den Primaries schlecht abschneidet und Sanders noch stärker wird. In diesem Szenario will sich Bloomberg, so die Analyse der "Times", als pragmatischer Problemlöser und Selfmade-Geschäftsmann mit Verständnis für die Wirtschaft darstellen. Zudem wolle er mit seiner Erfahrung punkten, schon als New Yorker Bürgermeister eine Stadtregierung aus über Kreuz liegenden Parteien geeint zu haben.

Michael Bloomberg selbst wollte sich gegenüber der Zeitung zunächst nicht über seine neuerlichen politischen Ambitionen äußern. Der aus Boston stammende Abkömmling einer jüdischen Familie mit polnischen und russischen Wurzeln regierte die Ostküsten-Metropole von 2002 bis 2013 und gehörte im Laufe seiner politischen Karriere bereits beiden großen US-Parteien an, zuletzt war er Republikaner, entschied sich aber 2007 für die Unabhängigkeit.

Das Vermögen des ehemaligen Investment-Bankers wird auf 27 Milliarden Dollar geschätzt, damit gilt er als reichster aktiver Politiker der Welt. Zum Vergleich: Donald Trump beziffert sein aktuelles Vermögen auf rund 10 Milliarden Dollar.

bor
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