Möglicher Herausforderer Michael Bloomberg Kann er Trump stoppen - und will er überhaupt?

Eine mögliche Kandidatur des US-Milliardärs elektrisiert Washington - und ruft seine Gegner bei den Demokraten auf den Plan. Sie wollen alles tun, um sein politisches Comeback zu verhindern.

Will er oder will er nicht? Michael Bloomberg gilt als der große Zauderer der amerikanischen Politik
JEFF KOWALSKY / AFP

Will er oder will er nicht? Michael Bloomberg gilt als der große Zauderer der amerikanischen Politik

Von , Washington


Seitdem der US-Unternehmer Michael "Mike" Bloomberg, 77, erneut für eine mögliche Präsidentschaftskandidatur 2020 ins Spiel gebracht wird, machen sich US-Medien einen kleinen Spaß.

Sie zeigen ihren Zuschauern Grafiken, in denen das Vermögen von Bloomberg mit dem von Donald Trump verglichen wird. Die Zahlen sind für den Präsidenten wenig schmeichelhaft. Trump kommt "nur" auf etwas mehr als drei Milliarden Dollar, bei Bloomberg sind es märchenhafte 52 Milliarden Dollar.

Die Botschaft solcher Vergleiche ist klar. Bloomberg ist Trump nicht nur als Geschäftsmann überlegen, sondern könnte ihn auch bei einem Duell um die Präsidentschaft locker hinter sich lassen, lautet der Subtext.

Die Grafiken zeigen zugleich Bloombergs größtes Problem. Als Milliardär, der damit reich geworden ist, den Wall Street Bankern Computerterminals zu verkaufen, damit sie noch mehr Geld verdienen können, steht er für eine Klasse, die insbesondere unter den Anhängern der Demokraten immer weniger Sympathien genießt. Die Demokraten scheinen mehr und mehr nach links zu rücken, und dass die Mitglieder der Parteibasis jemandem wie Bloomberg in den Vorwahlen mehrheitlich ihre Stimmen geben würden, darf zumindest bezweifelt werden.

Bloomberg selbst hält sich bislang mit Äußerungen zu seinen Ambitionen zurück. Eine Entscheidung, ob er nun wirklich ins Rennen einsteigen wird, werde möglicherweise in den kommenden Tagen bekannt gegeben, raunen seine Berater. Andere Auguren halten es nicht für ausgeschlossen, dass er doch noch kneift. Bloomberg, der zwölf Jahre lang Bürgermeister von New York war, hat schon öfter in seiner Karriere mit einer Kandidatur für das höchste Amt im Staat geliebäugelt, am Ende aber immer abgesagt. Er ist der große Zauderer in der amerikanischen Politik.

Angst vor einer Niederlage der Demokraten

Dass er nun erneut eine Kandidatur erwägt, hat wohl viel mit einer Frau zu tun: Der Aufstieg der Partei-Linken Elizabeth Warren im Feld der demokratischen Kandidaten bereitet Bloomberg offenbar Sorgen. Joe Biden, der Kandidat des moderaten Flügels der Partei, wirke erschreckend schwach, heißt es im Bloomberg-Lager. Es sei zu befürchten, dass sich die Parteibasis der Demokraten bei den Vorwahlen tatsächlich für Warren entscheiden könnte, die dann gegen Trump bei der eigentlichen Wahl aber keine Chance hätte.

Kandidaten Biden, Warren: Ohne Chance gegen Trump?
REUTERS

Kandidaten Biden, Warren: Ohne Chance gegen Trump?

So sieht sich Bloomberg offenbar selbst als möglicher Retter in der Not. Ohne Frage hätte seine Kandidatur einige Vorteile. Er wäre wahrscheinlich der einzige demokratische Kandidat, der Trumps prall gefüllte Wahlkampfkasse locker übertrumpfen könnte. Bloomberg würde seine Kandidatur problemlos aus der eigenen Tasche finanzieren. Zudem könnte er wohl auf die Unterstützung zahlreicher anderer Milliardäre wie Amazon-Boss Jeff Bezos setzen. Bezos soll Bloomberg sogar persönlich zu einer Kandidatur gedrängt haben, berichten US-Medien.

Auch einige der mächtigen Banker an der Wall Street, die bei der vergangenen Wahl Hillary Clinton unterstützten, dürften eine Kandidatur von Bloomberg begrüßen. Wie er sehen auch sie eine mögliche Kandidatur von Warren mit Grausen. Dabei dürfte aber nicht allein die Angst vor einem Trump-Durchmarsch eine Rolle spielen. Auch ein Sieg von Warren bei der eigentlichen Wahl wäre für die Milliardäre eine Bedrohung. Sie plant, die Steuern für Amerikas Superreiche und für große Firmen deutlich anzuheben. Außerdem will sie die Banken stärker regulieren und Quasi-Monopole großer Konzerne zerschlagen. Das kann vielen Bankern und Konzernchefs gar nicht gefallen.

Amazon-Boss Jeff Bezos: Wer kann Donald Trump stoppen?
AFP

Amazon-Boss Jeff Bezos: Wer kann Donald Trump stoppen?

Derweil erkennen selbst Bloombergs Gegner an, dass er ein kluger Kopf ist. Er setzt sich als Philanthrop für Lieblingsthemen vieler Demokraten ein, zum Beispiel für den Klimaschutz oder schärfere Waffengesetze. Und er kann mitreißend reden. Unvergessen ist ein umjubelter Auftritt Bloombergs beim Parteitag der Demokraten 2016, als er an die Pleiten und Milliardenschulden des Geschäftsmannes Trump erinnerte: "Trump will das Land so führen wie seine eigene Firma? Gott bewahre!", rief er in den Saal. "Ich bin ein New Yorker und ich erkenne einen Schwindler, wenn ich ihn sehe."

Bei den Strategen der Demokraten wird derweil darüber spekuliert, wie Bloomberg jetzt überhaupt noch in das Rennen einsteigen will. Am 3. Februar, also in kaum drei Monaten, beginnen die Vorwahlen in Iowa, dann folgt eine Woche später die Wahl in New Hampshire. Kandidaten wie Joe Biden, Elizabeth Warren oder Bernie Sanders sind in beiden Staaten seit Monaten an der Basis unterwegs, um für sich zu werben. Bloomberg würde quasi bei null anfangen.

Ist es schon zu spät?

Denkbar ist, dass er einen anderen Plan verfolgt. Sollte Joe Biden gegenüber Warren bei den ersten Vorwahlen schwächeln, könnte Bloomberg zum "Super Tuesday" am 3. März einsteigen, wenn in 16 Staaten, darunter Kalifornien, Vorwahlen abgehalten werden. Ein großer Erfolg an diesem Tag würde ihn automatisch an die Spitze des Feldes bringen - und seine Nominierung als Kandidat der Demokraten wahrscheinlicher machen.

Es wäre ein Vabanquespiel. Und Bloombergs Gegner in der Partei tun schon jetzt alles dafür, um ihm die Lust auf die Herausforderung möglichst zu vergraulen. Ja, sie hoffen sogar, von dem Geraune um eine mögliche Kandidatur des Milliardärs zu profitieren. So wollen sie ihre Anhänger weiter mobilisieren. "Wir hier unten gegen die da oben", lautet die Parole.

Elizabeth Warren bittet unter Verweis auf Bloombergs Vermögen bereits um Spenden: "Die Reichen haben Angst", verkündete ihr Wahlkampfteam in einer E-Mail an Anhänger. "Sie haben Angst, dass sie unter einer Präsidentin Warren ihre Unterstützung durch die Regierung verlieren."

Gleich darunter können die Warren-Fans Geld per Kreditkarte überweisen. Spenden werden ab der Höhe von drei Dollar entgegengenommen. Wenn's denn hilft.

insgesamt 74 Beiträge
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Seite 1
kein linker 12.11.2019
1. Es ist drollig...
wenn Millionäre mit Milliardären zanken. Was ist eigentlich mit Sanders? Verdient er schon kleine Erwähnung mehr? Noch ist er klar in den Top 3 und Warren hat selbst mit Anfeindungen zu kämpfen, dass sie eine Heuchlerin ist und nach den Vorwahlen vor dem Geldadel einknicken wird.
binnenfuchs 12.11.2019
2. Die Realität ist nur weit differenzierter als hier berichtet
Wann möchte man beim Spiegel eigentlich zur Kenntnis nehmen, dass sowohl Warren als auch Sanders eine realistische Chance sowohl auf die Nomierung als Präsidentsschaftskandidat als auch gegen Trump haben? Die Interpretation, Warren hätte in den sechs Battleground States keine Chance gegen Trump ist schlicht an den Haaren herbeigezogen. Im direkten Duell gegen Trump liegt sie laut Umfrage in Arizona leicht vorne, in Pennsylvannia und Wisconsin gleichauf, in North Carolina mit 3%, in Florida mit 4% und in Michigan mit 6% hinten. Andererseits liegt Sanders im Duell gegen Trump in Michigan, Pennsylvannia und Wisconsin leicht vorne und in Florida, Arizona und North Carolina leicht hinten. Das bewegt sich weitgehend alles im Bereich der Fehlertoleranz der Umfrage. Im wesentlichen wurden registrierte Wähler befragt, aber gerade junge und nicht-weiße bisherigen Nichtwähler werden ja durch die Politik von Warren und Sanders mobilisiert. Trump erhält weiterhin hohen Zuspruch von der weißen Arbeiterschicht ohne College Ausbildung, die sich schlicht von den Demokraten nicht vertreten sieht - wie Bloomberg hier punkten will, ist schlicht nicht ersichtlich. Warren oder Sanders könnten sie mit einem klar sozialdemokratischen Kurs vielleicht überzeugen, von moderaten demokratischen Kandidaten (Hillary, Bloomberg, Biden) fühlt sich dieser Teil der Gesellschaft offensichtlich nicht mehr vertreten.
billpfeifer 12.11.2019
3. Vorwahlen
Bloomberg braucht sich bei den Vorwahlen nicht um die Demokraten zu kümmern. Es stimmen nur Parteimitglieder des Kandidaten ab. Das ist genau das Problem, weshalb die republikanischen Abgeordneten noch so stark Trump unterstützen. Die meisten wissen, dass er die Unberechenbarkeit und das Gemüt eines Kleinkindes hat, und völlig ungeeignet für das Amt ist. Aber wenn sie sich gegen ihn stellen, werden sie in der Vorwahl von einem verrückten Rechten besiegt, der keinerlei Chancen bei der Hauptwahl hat. So gibt es für sie nur zwei Möglichkeiten: Trump unterstützen, und wahrscheinlich wiedergewählt werden, oder sich gegen Trump stellen, und ihren Posten mit Sicherheit an einen Demokraten abgeben. Sie alle haben Angst vor den 80% der republikanischen Wähler, die Trump zujubeln.
lazyfruit 12.11.2019
4. Leider...
...so darf befürchtet werden, hat er recht. Sollten sich die Demokraten für Warren entscheiden kann man Trump wohl bereits vor der Wahl zum Sieger erklären. Für eine Kandidatin soweit links ist Amerika (noch) nicht bereit. Die Mehrheit der Bevölkerung will sie nicht, genau wie man sich seiner Zeit bei Hillary Clinton schwer tat. Trump hat damals nicht trotz Hillary Clinton sondern wegen ihr gewonnen. Hätten die Demokraten einen charismatischen Kandidaten gehabt, wäre Trump nie Präsident geworden.
GustavWehner 12.11.2019
5. große Hoffnung
Das Wichtigste ist auch immer zu erst zu erledigen und erlaubt keinen Aufschub. Bloomberg ist ein gescheiter Kopf und kann den Karren aus dem Dreck ziehen. Zweifelsohne ist das jetzt das Wichtigste. Klassenkämpfe haben da noch etwas zu warten.
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