Ex-Anwalt Michael Cohen Abrechnung mit Trump im US-Kongress

Rassist, Hochstapler, Betrüger: Gegen einen amtierenden US-Präsidenten werden im Kongress Vorwürfe erhoben, wie es schlimmer kaum geht. Donald Trumps früherer Anwalt Michael Cohen sagt "die Wahrheit über Mr Trump" aus.


Das Manuskript war schon vorher öffentlich geworden. Nun warf Michael Cohen, Donald Trumps langjähriger Anwalt, dem US-Präsidenten in einer Anhörung vor dem Repräsentantenhaus Rechtsverstöße und Lügen vor.

"Er ist ein Rassist. Er ist ein Hochstapler. Er ist ein Betrüger", sagte Cohen über den Präsidenten. "Ich schäme mich, dass ich dazu beigetragen habe, Herrn Trumps unerlaubte Handlungen zu verschleiern, statt auf mein Gewissen zu hören."

Das Manuskript der Aussage, die Cohen vom Blatt ablas, hatte das Magazin "Politico" bereits vorab veröffentlicht.

"Ich bin hier, um mich bei den amerikanischen Bürgern zu entschuldigen", sagt Cohen, und: "Ich bin heute hier, um die Wahrheit über Mister Trump zu erzählen."

Das sind Cohens Vorwürfe gegen Trump:

  • Trump, sagt sein Ex-Anwalt Cohen über seine Charaktereigenschaften, sei "illoyal", "nicht liebenswürdig" und nicht großzügig - obwohl er die Anlagen dazu durchaus habe. "Herr Trump ist ein Rätsel, er ist kompliziert."
  • Im November hatte sich Cohen außerdem schuldig bekannt, den Kongress belogen zu haben. Dabei ging es um den geplanten Bau eines Trump-Towers in Moskau, der letztlich nicht zustande kam. Cohen hatte zunächst vor dem Kongress erklärt, die Pläne seien im Januar 2016 aufgegeben worden. Später räumte er ein, noch bis ungefähr Juni 2016 versucht zu haben, eine Genehmigung der russischen Behörden für das Projekt zu erhalten - also noch inmitten von Trumps Wahlkampf.
    Cohen erklärte nun, der Präsident habe ihn nicht direkt zur Lüge vor dem Kongress angewiesen, so operiere Trump nicht. Trumps persönliche Anwälte hätten seine Erklärung vor dem Kongress aber überprüft und geändert, bevor er sie abgegeben habe.
    Cohen sagte zudem, während des Wahlkampfes habe Trump ihm in die Augen geschaut und gesagt, es gebe kein Russland-Geschäft, obwohl die Verhandlungen da noch liefen. Dann sei Trump rausgegangen und habe selbst das amerikanische Volk auf diese Weise belogen. "Er hat mir auf seine Art gesagt, dass ich lügen soll." Cohen war im Dezember wegen seiner Falschaussagen zu drei Jahren Haft verurteilt worden und soll seine Strafe im Mai antreten.
  • Von den Veröffentlichung gehackter E-Mails der Demokraten durch Wikileaks im Wahlkampf 2016, gab Cohen an, habe Trump gewusst. Trump sei informiert gewesen, dass sein langjähriger Vertrauter Roger Stone mit Wikileaks-Gründer Julian Assange über die Veröffentlichung der E-Mails gesprochen habe. Cohen fügte hinzu, er sei bei einem Telefonat zwischen Trump und Stone anwesend gewesen, in dem Stone Trump darüber informiert habe, dass Wikileaks innerhalb weniger Tage E-Mails publik machen werde, die Hillary Clinton schaden werden.
  • Zu Trumps Vermögen sagt Cohen, sein Ex-Boss habe Angaben dazu aufgebläht, wenn es seinen Zwecken gedient habe - etwa dafür, einen möglichst hohen Platz auf der Reichenliste des Magazins "Forbes" zu ergattern. Wenn es allerdings darum gegangen sei, Steuern zu zahlen, habe Trump sein Vermögen kleingerechnet. Auch dafür will Cohen Belege haben. Er übergibt dem Kongress außerdem Kopien von Briefen, in denen er Schulen und Colleges in Trumps Auftrag gedroht habe, sollten sie seine Noten veröffentlichen. Trump selber hat übrigens 2013 damit geprahlt, sein IQ sei "einer der höchsten".
  • Einen der wiederkehrenden Vorwürfe gegen Trump wiederholt nun auch Cohen: Trump sei ein Rassist. Der Präsident weist das stets empört zurück. Cohen sagt, Trumps öffentliche Äußerungen, die in der Vergangenheit als rassistisch gebrandmarkt wurden, seien harmlos verglichen mit dem, was er privat von sich gebe. So habe Trump ihm etwa gesagt, dass Schwarze ihn nie wählen würden, weil sie zu dumm seien. Trump habe ihn außerdem gefragt, ob er ein Land kenne, das von einem Schwarzen regiert werde und das kein "Drecksloch" sei.
  • Dass Cohen nach seinen Angaben im Auftrag Trumps illegale Schweigegeldzahlungen an den Pornostar Stormy Daniels und an das frühere Playmate Karen McDougal veranlasst hat, war bereits bekannt. Cohen überreicht dem Kongress nun eine Kopie eines Schecks über 35.000 Dollar von Trumps persönlichem Konto, den Trump selber unterzeichnet haben soll - am 1. August 2017, als er schon Präsident war. Cohens Darstellung zufolge war das eine der Raten, mit der Trump ihm die 130.000 Dollar Schweigegeld für Daniels zurückerstattete. Pikant: Cohen sagt nicht nur, dass Trump tatsächlich eine Affäre mit Daniels hatte, was der Präsident (übrigens auch im Fall McDougals) bestreitet. Der Ex-Anwalt sagt auch, dass er im Auftrag Trumps dessen Ehefrau Melania über die Affäre belogen habe. "Die First Lady belogen zu haben, bedauere ich am meisten."

Cohen hatte mehr als zehn Jahre für Trump gearbeitet und ist eine zentrale Figur in mehreren Affären um den Präsidenten. Er begann 2006 bei der Trump-Organisation, zuletzt war er dort Vizepräsident. Der 52-Jährige wurde oft als Trumps "Ausputzer" beschrieben.

Inzwischen hat Cohen sich mit Trump überworfen, er kooperiert mit Sonderermittler Robert Mueller. Dieser untersucht, ob es bei den mutmaßlichen Versuchen russischer Einflussnahme auf den Präsidentschaftswahlkampf 2016 geheime Absprachen zwischen dem Trump-Lager und Vertretern Russlands gab.

Trump und das Weiße Haus bemühen sich seit Monaten, Cohen als Lügner darzustellen. Republikanische Mitglieder in dem Kongress-Ausschuss versuchten bei der Anhörung, Cohen als unglaubwürdigen und windigen Zeugen zu diskreditieren, ihm eigene Verfehlungen vorzuhalten und seine Aussage als gänzlich unbrauchbar darzustellen. Auch Trump selbst griff Cohen am Mittwoch erneut an: "Er lügt, um seine Gefängniszeit zu verringern", schrieb Trump auf Twitter.

mst/tin/AFP/dpa



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Garum 27.02.2019
1. Leider nicht viel Neues
Hätte mir mehr erwartet, die meisten Sachen waren eh bekannt.
mateufel 27.02.2019
2. Text durcheinander
Können Sie bitte den Absatz "Von den Veröffentlichung gehackter E-Mails der Demokraten" korrigieren? Da geht's reichlich durcheinander. Gibt es keinen Lektor?
RalfHenrichs 27.02.2019
3. Kurz
Wer einmal lügt,... Und Cohen hat selbst eingestanden den Kongress und 100 oder 1000 mal die Öffentlichkeit belogen zu haben. Natürlich ist es möglich, dass er dieses Mal die Wahrheit sagt. Aber wer will das wissen? Daher eine völlig belanglose Einlassung. Sollte man schlicht ignorieren.
jueho47 27.02.2019
4.
"Trump selber hat übrigens 2013 damit geprahlt, sein IQ sei "einer der höchsten"" Diese Aussage ist einfach grandios. Wie muss man ticken, um sowas wirklich zu denken und dann auch noch zu behaupten? Aber vielleicht hat er Recht. Immerhin kann er die komplizierte Politik einer 320 Mio. Einwohner Demokratie auf Twitter erklären. GREAT. FANTASTIC!
dubsetter 27.02.2019
5. ehrlich...
.. gesagt erzählt der mann doch nicht neues über donald trump. leider werden auch diese aussagen nichts am status des präsidenten ändern. wie tief muss ein land gesunken sein, wenn man sich solche schlamschlachten öffentlich nun schon über monate liefert.
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