Ex-Anwalt des US-Präsidenten Cohen bekennt sich vor Gericht schuldig - und belastet Trump

Steuerhinterziehung, Falschaussage, illegale Wahlkampffinanzierung: Diese Vorwürfe hat Donald Trumps früherer Anwalt Michael Cohen nun vor Gericht eingeräumt. Zudem belastete er seinen Ex-Klienten.
Michael Cohen

Michael Cohen

Foto: Richard Drew/ dpa

Der langjährige Anwalt von US-Präsident Donald Trump, Michael Cohen, hat mehrere Verstöße gegen Gesetze zur Wahlkampffinanzierung eingeräumt. Vor einem Gericht in New York sagte Cohen, dass er dies im Auftrag eines Kandidaten getan habe - einen Namen nannte er aber nicht. Seine Aussage wurde aber so interpretiert, dass er sich damit nur auf Trump beziehen konnte.

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Insgesamt bekannte sich Cohen in acht Punkten schuldig, darunter Steuerhinterziehung und Falschaussage gegenüber einer Bank. Das Urteil gegen ihn soll am 12. Dezember folgen.

Mit dem Schuldbekenntnis kommt Cohen den Ermittlungsbehörden entgegen und kann auf eine Strafminderung hoffen. Dennoch wird ihm eine Gefängnisstrafe wohl nicht erspart bleiben: Der Richter, vor dem der 51-Jährige am Dienstagnachmittag erschien, schloss eine Haftzeit von bis zu fünf Jahren nicht aus.

Cohen werden Steuer- und Bankbetrug vorgeworfen. Er hatte außerdem Schweigegeld in Höhe von 130.000 Dollar an die Pornodarstellerin Stormy Daniels gezahlt, die behauptet, 2006 eine Affäre Donald Trump gehabt zu haben. Außerdem soll Cohen eine Schweigegeldzahlung an das ehemalige Playmate Karen McDougal organisiert haben, die ebenfalls sagt, sie habe eine Affäre mit Trump gehabt.

Vor Gericht räumte Cohen nun ein, an zwei Frauen Schweigegeld in Höhe von 130.000 und 150.000 Dollar gezahlt zu haben. Dies habe er auf Aufforderung des damaligen "Kandidaten" getan und mit der "Intention, die Wahl zu beeinflussen", wurde vor Gericht festgehalten.

Der New Yorker Staatsanwalt Robert Kuzhami sagte, Cohen habe versucht, sich über das Gesetz zu stellen - und müsse nun einen hohen Preis zahlen. "Die Botschaft des heutigen Tages ist: Gesetze müssen eingehalten werden." Laut Trumps Anwalt Rudolph Giuliani haben die Vorwürfe gegen Cohen nichts mit dem US-Präsidenten zu tun.

Sonderermittler Robert Mueller hatte das FBI auf Cohen aufmerksam gemacht. Mueller prüft, ob es im Zusammenhang mit der mutmaßlichen Beeinflussung der US-Präsidentenwahl 2016 durch Russland Absprachen zwischen Trumps Wahlkampfteam und Russland gegeben hat. Trump hat diese Vorwürfe wiederholt zurückgewiesen und Muellers Ermittlungen als Hexenjagd kritisiert (warum es für Trumps wachsende Nervosität gute Gründe gibt, können Sie hier nachlesen).

Video zu Muellers Russlandermittlungen: Trump scheut Aussage unter Eid

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Das FBI hatte im April das Büro, die Wohnung und ein Hotelzimmer von Cohen durchsucht. Dabei beschlagnahmten die Ermittler E-Mails, Dokumente und Geschäftsunterlagen zu diversen Themen, darunter zu Cohens umstrittenen Zahlungen.

Cohen wurde lange als Trumps "Ausputzer" beschrieben und galt ihm gegenüber als äußerst loyal. In den vergangenen Wochen deutete er aber in Interviews an, dass sein früherer Klient und er auf Distanz gegangen seien und dass seine Loyalität vor allem seiner Familie gelte. Cohens Anwalt sagte am Dienstag, sein Mandant habe sich schuldig bekannt, damit seine Familie ein neues Kapitel aufschlagen könne. Cohen hat demnach unter Eid ausgesagt, dass er auf Anordnung von Trump kriminelle Taten beging.

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Cohens Termin vor Gericht überschnitt sich mit dem von Trumps ehemaligem Wahlkampfleiter Paul Manafort: Eine Jury in Alexandria bei Washington sprach ihn am Dienstag im Prozess wegen Banken- und Steuerbetrugs in acht der insgesamt 18 Anklagepunkte schuldig (mehr dazu können Sie hier nachlesen).

bbr/aar/Reuters/dpa/AP
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