Razzien in Moskau und St. Petersburg Russische Justiz geht gegen Chodorkowski-Stiftung vor

Die russische Justiz erhöht den Druck auf Kreml-Kritiker Chodorkowski: Ermittler haben den Hauptsitz seiner Stiftung in Moskau durchsucht. Auch Mitarbeiter gerieten ins Visier der Behörden.
Chodorkowski: Stiftung im Visier der Justiz

Chodorkowski: Stiftung im Visier der Justiz

Foto: Sergey Dolzhenko/ dpa

Zehn Jahre saß der frühere Ölmagnat Michail Chodorkowski nach einer umstrittenen Verurteilung in einem russischen Lager. Seit 2013 ist er frei und lebt in der Schweiz - doch aus dem Visier des Kreml und der russischen Justiz ist er damit nicht. Nun haben Polizei und Staatsanwaltschaft den Hauptsitz von Chodorkowskis Stiftung "Offenes Russland" und Wohnungen mehrerer Mitarbeiter in Moskau und St. Petersburg durchsucht.

"Alle elektronischen Geräte werden beschlagnahmt, Notizbücher, Geldkarten," schrieb die regierungskritische Stiftung  auf Facebook zum Vorgehen der Sicherheitsbehörden. Die Staatsanwaltschaft begründete die Durchsuchungen nicht mit der politischen Aktivität von "Offenes Russland". Anlass sei vielmehr die Milliardenklage früherer Eigner des zerschlagenen Ölkonzerns Jukos auf Schadensersatz.

Ein Schiedsgericht in Den Haag hatte Russland 2014 zur Zahlung von 50 Milliarden US-Dollar verurteilt. Ehemalige Jukos-Teilhaber - allerdings nicht Hauptaktionär Chodorkowski - versuchen seitdem, das Geld durch Pfändung russischen Staatseigentums im Ausland einzutreiben.

Die russische Justiz prüfe, ob die Aktionäre ihre Jukos-Anteile damals rechtmäßig erworben hätten, sagte Wladimir Markin von der Ermittlungsbehörde der Agentur Interfax. Durchsucht würden Wohnungen und Arbeitsplätze der Mitarbeiter von Organisationen, "die damals oder auch heute noch von Michail Chodorkowski kontrolliert werden".

Chodorkowski ist einer der bekanntesten Kritiker des russischen Präsidenten Wladimir Putin. In den vergangenen Wochen erhöhte die russische Justiz den Druck auf Chodorkowski und ermittelt unter anderem wegen Mordes. Seine politische Stiftung setzt sich für die Stärkung der Zivilgesellschaft in Russland ein.

brk/dpa