Ex-Sowjetchef Ukraine verhängt Einreiseverbot gegen Gorbatschow

Er hatte die Krim-Annexion öffentlich verteidigt - nun darf Michail Gorbatschow für fünf Jahre nicht mehr in die Ukraine reisen. Will er auch gar nicht, kontert der Ex-Staatschef der Sowjetunion.

Michail Gorbatschow
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Michail Gorbatschow


"Im Interesse der Staatssicherheit" hat die ukrainische Regierung ein Einreiseverbot gegen Michail Gorbatschow verhängt. Fünf Jahre lang darf der Friedensnobelpreisträger nicht mehr das Land betreten, teilte der ukrainische Geheimdienst SBU auf Twitter mit.

Das Verbot sei "vor allem wegen der öffentlichen Unterstützung für die Annexion der Krim" ausgesprochen worden, hieß es weiter. Die ukrainische Halbinsel war im Frühjahr 2014 nach einem umstrittenen Referendum von Russland annektiert worden. Die Regierung in Kiew und der Westen sehen die Annexion als Verstoß gegen das Völkerrecht und betrachten die Krim weiter als Teil der Ukraine.

Gorbatschow stellte sich am Wochenende öffentlich hinter Moskau. Er hätte genauso gehandelt, wenn er in einer vergleichbaren Situation gewesen wäre, sagte er der britischen Zeitung "Sunday Times". "Ich bin immer für den freien Willen des Volkes und die meisten auf der Krim wollten mit Russland vereinigt sein."

Das wegen dieser Aussagen ausgesprochene Einreiseverbot in die Ukraine nahm der 85-Jährige nun gelassen auf: "Ich reise nicht dahin, und ich werde nicht dahin reisen", sagte er der russischen Nachrichtenagentur RIA Nowosti.

Gorbatschow gilt als einer der Wegbereiter der deutschen Wiedervereinigung. In der UdSSR hatte er Ende der 1980er Jahre mit Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umgestaltung) tiefgreifende Reformen eingeleitet. Viele Russen kritisieren ihn als "Totengräber der Sowjetunion".

vks/dpa/AFP



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