"Hier ist Platz für uns alle" Michelle Obama lobt nach Trumps Attacken Vielfalt in den USA

US-Präsident Donald Trump attackiert seit Tagen vier junge Abgeordnete der Demokraten. Ex-First-Lady Michelle Obama twittert dagegen an: Gerade die Vielfalt mache die USA stark.

Michelle Obama (Archivfoto)
Amy Harris/Invision/AP

Michelle Obama (Archivfoto)


Nach den fremdenfeindlichen Attacken von US-Präsident Donald Trump gegen vier Politikerinnen der Demokraten hat sich die frühere First Lady Michelle Obama in die Debatte eingeschaltet. "Was unser Land wirklich groß macht, ist die Vielfalt", schrieb sie am Freitag im Kurzbotschaftendienst Twitter. "Ob wir hier geboren sind oder hier Zuflucht suchen, hier ist Platz für uns alle." Es gebe nicht "mein Amerika oder dein Amerika", schrieb Obama. "Es ist unser Amerika":

Die Frau von Ex-Präsident Barack Obama erwähnte Donald Trump in ihrem Tweet zwar nicht, doch waren ihre Äußerungen offenbar auf dessen Tiraden gegen die vier weiblichen Abgeordneten mit Migrationshintergrund gemünzt.

Trump hatte in einer Serie von Tweets unmissverständlich auf Alexandria Ocasio-Cortez, Ilhan Omar, Ayanna Pressley und Rashida Tlaib angespielt. Drei von ihnen sind in den USA geboren. Die Vorfahren von Ocasio-Cortez stammen aus Puerto Rico, einem US-Überseegebiet. Tlaib hat palästinensische Wurzeln, und Pressley ist Afroamerikanerin. Omar floh als Kind aus Somalia, kam als Flüchtling in die USA und wurde dort schon als Teenager eingebürgert.

"Diese Tweets waren NICHT rassistisch", beharrte Trump am Dienstag, dem dritten Tag dieses Skandals um seine Tiraden gegen die vier Frauen. "Ich bin kein bisschen rassistisch!"

Die Demokraten im US-Repräsentantenhaus sehen das anders: Sie verabschiedeten noch am selben Tag eine Resolution, die seine Tweets als rassistisch verurteilte. Auch vier Republikaner schlossen sich der Rüge an.

Und Donald Trump legte nach. Am Donnerstag attackierte er die vier jungen Abgeordneten auf einer Wahlkampfveranstaltung in Greenville im Bundesstaat North Carolina erneut. Seine Begründung für die fortgesetzten Attacken: "Vielen Leuten gefällt, was ich sage." Die Menge quittierte Trumps Worte mit Jubel und Beifall.

Trump erklärte weiter, die vier Frauen würden beim Aufstieg einer militanten Linken helfen und die USA nicht lieben. Sie hätten nie etwas Gutes zu sagen, deswegen könnten sie gehen. Der Präsident nahm sich in der Rede jede der Frauen einzeln vor und attackierte dabei besonders Ilhan Omar, die als Kind mit ihrer Familie aus Somalia in die USA geflüchtet war. Der Präsident warf der 37-jährigen Muslimin vor, sich mehrfach antisemitisch geäußert zu haben. Das Publikum skandierte daraufhin: "Send her back! Send her back!" ("Schickt sie zurück").

Die Sprechchöre wecken ungute Erinnerungen. Während seiner Präsidentschaftskandidatur für die Wahl 2016 hatte die Parole "Sperrt sie ein" zum Standardrepertoire auf Trumps Massenveranstaltungen gehört. Gemeint war damals seine demokratische Konkurrentin Hillary Clinton, der kriminelle Machenschaften angedichtet wurden. Trump behauptete später, er habe die Menge nicht angestachelt, sondern im Gegenteil versucht, sie zu beschwichtigen. Doch ein Video der Veranstaltung zeigt das Gegenteil:

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte in ihrer traditionellen Sommerpressekonferenz am Freitag Kritik an Trumps Äußerungen geübt und die Vielfalt in den USA hervorgehoben. Aus ihrer Sicht liege die Besonderheit der USA darin, "dass es ein Land ist, in dem Menschen ganz unterschiedlicher Nationalität zur Stärke dieses amerikanischen Volkes beigetragen haben", sagte Merkel.

oka/AFP

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.