Michelle Obamas letzte Rede "Ich hoffe, ich habe euch stolz gemacht"

Anfangs misstrauisch beäugt, avancierte Michelle Obama als First Lady zur Ikone. Jetzt hat sie ihre letzte Rede gehalten. Es war ein Appell: Die Jugend solle die Bildungschancen nutzen, die sie und ihren Mann ins Weiße Haus gebracht hätten.


Michelle Obama hat sich mit großen Emotionen und vielen Tränen offiziell aus ihrer Rolle als First Lady der USA verabschiedet.

"Eure First Lady zu sein, war die größte Ehre meines Lebens", sagte die 52-Jährige mit tränenerstickter Stimme bei ihrer letzten offiziellen Rede als First Lady im Weißen Haus in Washington. "Ich hoffe, ich habe euch stolz gemacht."

In ihrer letzten Ansprache ehrte sie Lehrer und Schulsozialarbeiter für ihren Einsatz für unterprivilegierte Schüler. In den USA habe jeder die Möglichkeit, Großes zu erreichen, so die Ehefrau von US-Präsident Barack Obama.

Die Schüler müssten aber auch ihren Teil dafür tun, sagte Obama, und erneuerte ihren Appell an die Jugend des Landes: "Nutzt die Bildungschancen, konzentriert euch, seid entschlossen!" Damit könne man vieles schaffen und "sogar Präsident werden". Auch ihr Mann und sie hätten es aus kleinen Verhältnissen und ihr Mann als Einwandererkind bis ins Weiße Haus geschafft.

Für viele Menschen in den USA ist Michelle Obama mittlerweile zu einer Ikone avanciert: Sie wirkt charmant, eloquent und schlagfertig, modern, gebildet und authentisch und gilt damit als das Gegenteil der künftigen First Lady Melania Trump. Mit ihr verlässt eine der beliebtesten First Ladys in der Geschichte der USA das Weiße Haus.

Anfangs misstrauisch beäugt

Sich diese Anerkennung zu verdienen war harte Arbeit: In der ersten Amtszeit ihres Mannes wurde sie vom politischen Washington noch misstrauisch gemustert. Im ersten Präsidentschaftswahlkampf diffamierten sie Beobachter als "Frau mit den wütenden Augenbrauen", Zeitungen bedienten das rassistische Stereotyp der "Angry Black Woman". Das Magazin "New Yorker" zeigte Michelle Obama als Karikatur, mit riesigem Afro und Panzerfaust. Die Kritik gipfelte 2013 in einem "Politico"-Artikel, der die First Lady als "feministischen Alptraum" titulierte. Obama reduziere sich auf die Rolle der "Mom in Chief", der Obermutti, sie schlüpfe in Strickjäckchen und stecke ihre kostbare Energie in den Kampf für Gemüse.

"Das ging mir wirklich nahe", sagte Obama 2015 in einem Gespräch mit der "New York Times". "Ich hatte schlaflose Nächte deswegen."

Heute schwärmen Medien, Blogger und Bürger von Michelle Obama. "Klug" sei sie, "anmutig", "fehlerlos" und "cool" natürlich, immer wieder "cool".

Fotostrecke

15  Bilder
Michelle Obama: "Die größte Ehre meines Lebens"

Obama hat es als schwarze Frau aus armen Verhältnissen an eine Eliteuniversität geschafft und vor dem Einzug ins Weiße Haus für eine Top-Anwaltskanzlei gearbeitet. Insgeheim wünschen sich viele Amerikaner, sie würde selbst eine politische Karriere anstreben - und später gar für das Präsidentenamt kandidieren. Dies hat Michelle Obama jedoch stets ausgeschlossen. Washington mit seinen Hinterzimmerdeals und seiner parteipolitischen Kraftmeierei sei ihr verhasst, heißt es.

Zentrale Figur im Wahlkampf

Gleichwohl war sie eine der zentralen Figuren im vergangenen Wahlkampf. Die Obamas hatten Trumps Konkurrentin Hillary Clinton unterstützt. Sie hielten den Immobilienmogul nicht für geeignet als US-Präsident.

In emotionalen Reden appellierte sie an die Wähler, sehr genau darauf zu achten, welcher der beiden Präsidentschaftskandidaten für Weltoffenheit, Pluralismus und einen liberalen Lebensstil steht. Obamas Rede im Wahlkampf, in der sie Trump ein leidenschaftliches "Es reicht" entgegenschleuderte, wurde gar als historisch gefeiert. Sie prägte den Schlachtruf der Clinton-Kampagne: "When they go low, we go high", wenn die anderen ihre schlechteste Seite zeigen, zeigen wir unsere beste.

Auch danach kritisierte Michelle Obama mehrfach Trump - ohne ihn direkt anzusprechen oder seinen Namen zu nennen - zuletzt bei einem Interview mit Oprah Winfrey. Die Präsidentschaftswahl habe ihre Ansicht bestärkt, dass die Obama-Regierung dazu in der Lage war, Hoffnung zu verbreiten. "Wir merken den Unterschied jetzt", sagte sie in Anspielung auf die kommende Präsidentschaft von Donald Trump.

"Jetzt merken wir, wie es sich anfühlt, keine Hoffnung zu haben", sagte sie weiter. Hoffnung sei wichtig. Ihr Mann habe nicht über Hoffnung geredet, weil es ein netter Wahlkampfslogan war. "Wir glauben: Was hat man sonst, wenn man keine Hoffnung hat?" Was könne man einem Kind sonst geben?

Nach ihrer letzten Rede zollten ihr viele Amerikaner Respekt. Auf Twitter wurde ihr Auftritt als inspirierend und wegweisend gelobt.

Am Abend wollen die Obamas mit einer privaten Party im Weißen Haus Abschied feiern. Die Gästeliste blieb vertraulich, es sollten aber zahlreiche Prominente geladen sein. Die "Washinton Post" berichtete von Stevie Wonder, Beyoncé, Jay-Z, Usher, Paul McCartney und Bruce Springsteen, die angeblich dabei sein sollen. Außerdem der Filmregisseur George Lucas ("Star Wars"), die Schauspieler Bradley Cooper ("Hangover") und Samuel L. Jackson ("Pulp Fiction") sowie die Talkmasterin Oprah Winfrey.

cht/jat/dpa/AP



© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.