Migranten EU-Staaten haben Probleme mit Abschiebungen

Die EU tut sich schwer, abgelehnte Asylbewerber zurückzuschicken. Laut einem Bericht der Grenzschutzagentur Frontex liegt die Abschiebequote bei 58 Prozent.

Frontex-Direktor Fabrice Leggeri
AP

Frontex-Direktor Fabrice Leggeri


Die EU-Staaten haben massive Probleme mit Abschiebungen. Von rund 305.000 Ausreiseentscheidungen wurden mehr als 40 Prozent im vergangenen Jahr nicht umgesetzt. Das geht aus einem Bericht der EU-Grenzschutzagentur Frontex hervor, der in Brüssel veröffentlicht wurde.

Insgesamt rund 176.000-mal wurden Menschen in ihre Herkunftsländer oder andere Staaten außerhalb Europas zurückgebracht. Das entspricht einer Quote von knapp 58 Prozent. Die tatsächliche Quote dürfte noch niedriger liegen, da vier EU-Staaten im vergangenen Jahr zeitweise jede Entscheidung für eine Ausreise so zählten, als ob die betreffende Person das Land auch tatsächlich verlassen hätte.

Frontex führt die Zahlen auf mehrere Probleme zurück. So fehlen oft die nötigen Papiere, die Herkunftsländer wollen ihre Bürger nicht zurücknehmen, oder abgelehnte Asylbewerber und andere Migranten tauchen in Europa unter.

"181.000 irreguläre Grenzübertretungen" aus Libyen

Für 2017 rechnet Frontex mit der gleichen Zahl an Flüchtlingen aus Libyen wie im vergangenen Jahr. Das sagte Frontex-Direktor Fabrice Leggeri mit Blick auf das bisherige Rekordjahr 2016. Im vergangenen Jahr habe es 181.000 "irreguläre Grenzübertretungen" auf EU-Gebiet von Libyen aus gegeben. Dies sei eine Steigerung zum Vorjahr um 17 Prozent.

Im Zeitraum von 2014 bis 2016 kamen insgesamt etwa 1,6 Millionen Migranten über Bootsrouten in die EU. Die Hauptroute über das Mittelmeer führt derzeit über Libyen, in dem seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi 2011 Chaos herrscht. Die EU geht davon aus, dass die meisten der Mittelmeerflüchtlinge keinen Anspruch auf Asyl haben und will die Zahl der oftmals gefährlichen Bootsüberquerungen reduzieren.

Dazu sollen die neue libysche Regierung unterstützt, abgelehnte Asylbewerber schneller abgeschoben sowie die Zusammenarbeit mit afrikanischen Staaten verstärkt werden, um die Menschen bereits dort aufzuhalten. Leggeri zufolge greifen diese Bemühungen jedoch erst mittel- und langfristig.

cte/dpa/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.