Nach Blockade Migranten von Rettungsschiff "Eleonore" werden auf mehrere EU-Länder verteilt

Tagelang harrten 104 Migranten auf dem zu kleinen Rettungsschiff aus: Dann steuerte der Kapitän trotz Verbots Sizilien an. Für die Verteilung der Menschen ist nun eine Lösung gefunden worden.

Migranten verlassen im Hafen von Pozzallo, Sizilien, das deutsche Rettungsschiff "Eleonore".
Francesco Ruta/ ANSA/ DPA

Migranten verlassen im Hafen von Pozzallo, Sizilien, das deutsche Rettungsschiff "Eleonore".


Die tagelange Ungewissheit hat für 104 Migranten nun vorerst ein Ende: Nach einwöchiger Blockade auf dem Mittelmeer gibt es für die Verteilung der Menschen des deutschen Rettungsschiffs "Eleonore" eine Lösung. Deutschland werde 43 Personen aufnehmen, hieß es am Dienstagabend aus dem Bundesinnenministerium in Berlin.

Die anderen Migranten werden von Frankreich, Irland, Portugal und Luxemburg aufgenommen, wie eine Sprecherin der EU-Kommission sagte. Die Brüsseler Behörde organisiere nun die Verteilung der Migranten von Italien aus. Ein für den 19. September geplantes EU-Sondertreffen, bei dem eine Lösung für die Verteilung von Bootsflüchtlingen gefunden werden soll, wurde auf den 21. September verschoben.

Die "Eleonore" hatte am Montag nach einwöchiger Blockade auf dem Mittelmeer in Sizilien angelegt. Die Lage an Bord galt seit Tagen als heikel. Das als private Motorjacht registrierte Boot war für die vielen Geretteten an Bord viel zu klein. In der Nacht zum Montag kam ein Gewittersturm hinzu. Der deutsche Kapitän Claus-Peter Reisch rief daraufhin den Notstand aus und steuerte trotz Verbots der italienischen Regierung nach Sizilien.

Ermittlungen gegen Kapitän

Gegen Reisch ermittele jetzt die Staatsanwaltschaft von Ragusa wegen Begünstigung der illegalen Einwanderung, meldete die Nachrichtenagentur Ansa. An Reisch sei aber noch niemand herangetreten, sagte ein Sprecher der Hilfsorganisation Mission Lifeline, die die Mission mit der "Eleonore" unterstützt, der Nachrichtenagentur dpa.

Italien und Malta verweigern Rettungsschiffen mit Migranten an Bord immer wieder die Einfahrt in ihre Häfen. Sie machen zur Voraussetzung, dass andere EU-Staaten ihnen die Migranten abnehmen. Diese Zusage kommt meist erst nach mühsamen Gesprächen. Deshalb mussten gerettete Migranten zuletzt immer wieder wochenlang an Bord ausharren. Zuletzt nahmen Deutschland, Frankreich, Irland, Luxemburg und Portugal in derlei Fällen jedes Mal Migranten auf.

Bei dem EU-Sondertreffen soll eine Übergangslösung für solche Situationen gefunden werden. Malta hatte die zuständigen Minister von Deutschland, Frankreich, Italien, Malta und des EU-Ratsvorsitzes Finnland eingeladen. Die Verschiebung um zwei Tage hat nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur organisatorische Gründe.

Rettungsschiff beschlagnahmt

Für die rund 31 Migranten, die am Montag das ebenfalls tagelang blockierte Rettungsschiff "Mare Jonio" verlassen konnten, gibt es noch keine Lösung. Italienische Behörden beschlagnahmten das Schiff kurz nach seiner Ankunft im Hafen der Insel Lampedusa, wie die italienische Hilfsorganisation Mediterranea Saving Humans am Dienstag mitteilte. Außerdem sei ein Bußgeld in Höhe von 300.000 Euro verhängt worden.

Das Rettungsschiff "Ocean Viking", das im August zwei Wochen in internationalen Gewässern zwischen Malta und Italien ausgeharrt hatte, ist seit Montagabend wieder im Einsatz, um vor Libyen Migranten aufzunehmen

mho/dpa



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