Künftiger Vizepräsident Kann Mike Pence Trump bremsen?

"Christ, Konservativer, Republikaner, in dieser Reihenfolge" - so beschreibt Mike Pence sich selbst. Was sagt das über den künftigen US-Vizepräsidenten? Kann er Donald Trumps Korrektiv sein?
Künftiger Präsident Trump, Vize Pence

Künftiger Präsident Trump, Vize Pence

Foto: Shawn Thew/ dpa

Mike Pence ist auf den ersten Blick das komplette Gegenteil von Donald Trump. Pence ist ein typischer Republikaner, hat jahrelange politische Erfahrung, ein Teil des Establishments, das viele von Trumps Anhängern so verachten. Er tritt nüchtern, zurückhaltend und seriös auf. Der 57-Jährige ist seit mehr als 30 Jahren verheiratet.

Genau diese Eigenschaften haben Trump wohl auch veranlasst, den evangelikalen Christen Pence, der noch im Vorwahlkampf den "Tea Party"-Liebling Ted Cruz stützte, zu seinem Vize zu machen. Denn für Trump fungiert Pence als Verbindungsglied zum erzkonservativen, streng religiösen republikanischen Flügel, der mit dem Selfmade-Milliardär Trump fremdelt.

Pence bringt aus seiner Zeit im Kongress viele nützliche Kontakte mit, die Trump helfen können. Paul Ryan, der mächtige Sprecher des Repräsentantenhauses, der mit Trump bislang nicht wirklich warm geworden ist, bezeichnet sich als "großen Fan" von Pence.

Pence unterzeichnete Gesetz gegen Homosexuelle

Pence, der in einer Mittelschichtfamilie in Indiana aufwuchs, arbeitete nach dem Jura-Studium als Anwalt und konservativer Radiomoderator, bevor er 2001 in das Repräsentantenhaus in Washington gewählt wurde, dem er zwölf Jahre lang angehörte. Ende 2012 wurde er dann zum Gouverneur seines Heimatstaates gewählt. "Ein Christ, ein Konservativer, ein Republikaner, in dieser Reihenfolge" - so beschreibt Mike Pence sich selbst.

Politisch liegen Trump und Pence oft nicht auf einer Linie - obwohl Pence in der Vergangenheit selbst als Hardliner agierte, nur eben auf anderen Feldern als Trump. Als Gouverneur setzte Pence etwa eines der striktesten Anti-Abtreibungsgesetze des Landes in Kraft.

Mike Pence und seine Frau Karen bei der Wahlparty der Republikaner

Mike Pence und seine Frau Karen bei der Wahlparty der Republikaner

Foto: SAUL LOEB/ AFP

2015 unterzeichnete Pence ein Gesetz zur "Religionsfreiheit", das es - so stellten es jedenfalls die Kritiker dar - Geschäften erlaubt, Homosexuelle nicht zu bedienen. Angesichts der Welle von Empörung revidierte er das Gesetz später, was ihm wiederum Ärger bei den Konservativen einbrachte. Im Jahr 2000 forderte Pence den Kongress auf, Gelder für Einrichtungen bereitzustellen, die Menschen helfen, ihr sexuelles Verhalten zu ändern. Gemeint waren Schwule.

Differenzen im Wahlkampf

Anders als Trump sprach sich Pence in der Vergangenheit deutlich für Freihandel aus. Er war für den Irakkrieg, vertrat im Kongress eine moderate Immigrations- und offene Handelspolitik und kritisierte Trumps Forderung nach einer Einreisesperre für Muslime als "widerlich und verfassungswidrig" - was er allerdings widerrief.

Die politischen Differenzen sorgten bereits im Wahlkampf für Schlagzeilen. So hatte Pence über mögliche US-Luftangriffe gegen das syrische Regime von Machthaber Baschar al-Assad räsoniert - Trump distanzierte sich. Er habe mit seinem Vize darüber nicht gesprochen, und sei mit dessen Position "nicht einverstanden".

Pence unterstützte den Sprecher des Repräsentantenhauses, Paul Ryan, bei einer parteiinternen Vorwahl für die erneute Kandidatur zum Abgeordnetenhaus. Trump hatte zuvor Ryan Führungsqualitäten abgesprochen und erklärt, er sei noch nicht bereit, ihn zu unterstützen. Auch nach Trumps verbalen Ausfällen gegen die muslimischen Eltern eines getöteten Soldaten hatte sich Pence vom künftigen US-Präsidenten distanziert, indem er der Mutter das Recht einräumte, Trump für dessen Aussagen zu kritisieren.

Solche öffentlich ausgetragenen Meinungsverschiedenheiten können sich die beiden im Weißen Haus nicht mehr erlauben. Mancher Beobachter hofft, dass Pence mäßigenden Einfluss auf Trump nehmen könnte und dieser im Amt einen vorsichtigeren, seriöseren Ton anschlagen könnte - allein, weil er für seine Vorhaben die Mehrheit der Republikaner im Kongress braucht. Zu einer Politik, die näher an Positionen der Demokraten liegt, wird Pence Trump aber kaum bringen. Zumindest nicht in gesellschaftspolitischen Fragen.

anr/dpa/AFP
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