US-Vizepräsident Mike Pence laut Fatah "in Palästina nicht willkommen"

Die Proteste nach Trumps Jerusalem-Entscheidung reißen nicht ab: Bei Demonstrationen gibt es zahlreiche Verletzte. Israel greift Ziele im Gazastreifen an. Und die Fatah will offenbar ein Treffen von Pence und Abbas absagen.

Proteste gegen Trumps Jerusalem-Entscheidung im Gazastreifen
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Proteste gegen Trumps Jerusalem-Entscheidung im Gazastreifen


Nach der Jerusalem-Entscheidung von US-Präsident Donald Trump will Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas offenbar ein geplantes Treffen mit dem US-Vizepräsidenten absagen. Mike Pence sei "in Palästina nicht willkommen", sagte das ranghohe Fatah-Mitglied Dschibril Radschub der Nachrichtenagentur AFP in Ramallah. Abbas werde sich im Dezember nicht mit ihm treffen.

Auch die Nachrichtenagentur AP berichtete von den Aussagen Radschubs. Demnach habe er auch andere Regierungsvertreter in der Region aufgerufen, sich nicht mit Pence zu treffen. Die Agentur Reuters zitiert einen Fatah-Vertreter mit den Worten, Pence sei in der Region nicht erwünscht. Dieser habe sich am 19. Dezember mit Abbas in Bethlehem treffen wollen. "Solch ein Treffen wird nicht stattfinden." Abbas' Büro war den Agenturen zufolge für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Pence will vor Weihnachten nach Ägypten, Israel und in die Palästinensergebiete reisen. Ein US-Regierungssprecher erklärte, eine Absage des geplantes Treffens mit Abbas sei "kontraproduktiv". Pence habe "weiter die Absicht, Herrn Abbas wie geplant zu treffen".

Pence und Trump im Oval Office
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Pence und Trump im Oval Office

Trump hatte am Mittwoch mit der jahrzehntelangen US-Nahostpolitik gebrochen und Jerusalem offiziell als Hauptstadt Israels anerkannt. Er wies das US-Außenministerium an, mit den Vorbereitungen für den Umzug der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu beginnen. Abbas warf den USA daraufhin vor, "bewusst alle Friedensbemühungen" zu untergraben.

Der endgültige Status von Jerusalem ist einer der größten Streitpunkte im Nahostkonflikt. Die Palästinenser beanspruchen den 1967 von Israel besetzten und 1980 annektierten Ostteil Jerusalems als künftige Hauptstadt ihres angestrebten eigenen Staates. In der internationalen Gemeinschaft herrschte bislang Konsens, dass der Status der Stadt in Friedensgesprächen zwischen Israelis und Palästinensern geklärt werden muss.

Israel greift Ziele im Gazastreifen an

Die Entscheidung Trumps hatte heftige Kritik ausgelöst. Die Hamas rief zu einem neuen Aufstand der Palästinenser gegen Israel auf. Die neue Intifada sollte ins Herz des "zionistischen Feindes" getragen werden, sagt Hamas-Anführer Ismail Hanija in einer Rede im Gazastreifen.

Am Donnerstagabend griff Israels Armee Stützpunkte der Hamas im Gazastreifen an - zuvor hatte es von dort Raketenangriffe auf Israel gegeben. Eine Rakete sei im Süden Israels explodiert, teilte das Militär mit. Daraufhin hätten ein Panzer und ein Kampfjet der Streitkräfte zwei Posten im Gazastreifen beschossen. "Die israelische Armee zieht die Hamas für feindselige Aktivitäten aus dem Gazastreifen zur Verantwortung, die gegen Israel gerichtet sind", hieß es in der Stellungnahme.

Zwischen Israel und der Hamas herrscht seit dem Ende des Krieges im Gazastreifen von 2014 ein fragiler Waffenstillstand. Es handelt sich um den dritten Waffenstillstand, seit die Palästinenserorganisation 2007 in dem Küstenstreifen die Macht übernahm.

Video : Palästinenser protestieren gegen Trump-Entscheidung

Im Gazastreifen protestierten bereits am Mittwochabend mehrere Tausend Menschen gegen Trumps Entscheidung. Auch am Tag darauf hielten die Proteste an: Bei Zusammenstößen zwischen palästinensischen Demonstranten und israelischen Sicherheitskräften wurden im besetzten Westjordanland und im Gazastreifen nach Angaben palästinensischer Rettungskräfte zahlreiche Menschen durch Geschosse verletzt.

Allein im Westjordanland seien mindestens 22 Demonstranten verletzt worden, hieß es von den Rettungskräften. Im Westjordanland und in Ost-Jerusalem blieben die meisten Geschäfte und Schulen nach einem Aufruf zum Generalstreik geschlossen.

aar/AFP/AP/dpa/Reuters

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unimog_andi 08.12.2017
1. Mit der Verdrehung von Tatsachen Stimmung machen?
Im Anreißer: "Israel greift Ziele im Gazastreifen an. " Im Text: "- zuvor hatte es von dort Raketenangriffe auf Israel gegeben. Eine Rakete sei im Süden Israels explodiert, teilte das Militär mit. Daraufhin hätten ein Panzer und ein Kampfjet der Streitkräfte zwei Posten im Gazastreifen beschossen. "
Mittelalter 08.12.2017
2. Die PLO
(Palestine Liberation Organization - von wem oder was wollen die eigentlich Palästina befreien?) und ihre Nachfolger Hamas und Fatah können offensichtlich weniger mobilisieren als gedacht. Alle warten ja auf den von den Medien prophezeiten "Flächenbrand". Aber da ist Nichts. Die Hamas ruft zur Intifada und schießt ein paar Raketen über die Grenze ins Nirgendwo. Der "Generalstreik" findet in den Palästinensergebieten statt. Was die Wirkung auf Null sinken lässt. Die Arabische Welt zuckt nur mit der Achsel. In ein paar Tagen ist der ganze Budenzauber wohl vorbei und Russland und die USA werden ihre Botschaften in Jerusalem bauen und beziehen. Hatte Trump etwa doch recht; die ausgetretenen Wege zu verlassen, um nach Neuen zu suchen?
Samuell 08.12.2017
3.
Eine Stadt die über 800 Mal im Tanach erwähnt wird, aber nicht ein Mal im Koran, ist ganz klar eine Stadt der Juden und damit zu Israel gehörig. Trump hat sehr gut entschieden. Medina und Mekka sind die wichtigsten Städte im Islam, erst danach kommt Jerusalem. Für die Juden ist Jerusalem jedoch die wichtigste Stadt und deren geistiges, kulturelles und politisches Zentrum. Hauptstadt eben.
Tevje 08.12.2017
4. Wie
kommt man eigentlich darauf, hinter dieser Entscheidung stecke nur ein dummer, ungebildeter Präsident. Er war gerade im Nahen Osten unterwegs, hat die Bande der USA mit Saudi Arabien -wo die Palästinenser äußerst unbeliebt sind- erneuert und versteht sich gut mit Erdogan? Vielleicht haben Netanjahu und Trump sowie ihre Regierungen ein Messer bereit, in das sie die Hamas laufen lassen wollen? Vielleicht wollen sie auch bloß Nordkorea eine (kalkulierbare) Warnung zukommen lassen. Ich missbillige diese "Politik" des hohen Risikos und der Menschenverachtung, aber appeasement funktioniert bekanntlich bei Gewaltherrschern nicht. Und den meisten palästinensischen Menschen, die nicht vom Dauerkonflikt und der Kontrolle der lager leben, dürfte es unter israelischer Regierung besser gehen und gefallen, als unter der Knute ihrer ach so revolutionären Anführer mit den aus Kriegsgewinnen wohlgefüllten Konten in Frankreich und der Schweiz.
imri.rapaport 08.12.2017
5. Jerusalem
Offensichtlich gibt es auf der Welt viele Leute die sich gerne über etwas echauffieren was sie in keiner Weise weder tangiert noch persönlich berührt, aber dazu führt, dass Menschen sterben. Letztlich sind in Pakistan Menschen gestorben, wie ein Gesetz erlassen wurde, in dem Mohamed nicht erwähnt wurde. Das war gleich eine Gotteslästerung. Purer Wahnsinn. So auch das Thema Jerusalem. Diese Stadt ist offiziell schon 70 Jahre die Hauptstandort von Israel. Diese Stadt ist seit 3000 Jahre tief im jüdischen Glauben und Historie verankert. Ist es ein Wunder, dass man sie hoch hält? Das es in Jerusalem auch zwei Moscheen gibt, die dem Islam wichtig sind ist ja wunderbar, aber heißt das auch, dass wo eine Mosche steht, der Islam diese Stätte gleich für sich beanspruchen kann. Wo käme man hin, wenn das Christentum es ebenso mit berühmten Kirchen täte? Es ist an der Zeit, dass der Islam zwischen Religion und dem zivilen Leben trennt. Das würde auch für Israel gut passen. Einen Unterschied gibt es dennoch. Moslems gibt es auf der ganzen Welt und Juden primär nur in Israel. Das fällt der Laizismus nicht so krass auf, wie in der islamischen Welt. Ich finde es richtig und denke, dass dem Beispiel der USA viele folgen werden. Dann wäre zumindest ein Streitpunkt vom Tisch. Ramallah ist auch eine nette Stadt. Dort könnte die zukünftige Palästinensische Regierung auch gut unterkommen.
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