Streit über Atomabkommen Pompeo sagt Moskau-Besuch ab, um mit der EU über Iran zu sprechen

Anstatt länger in Russland zu bleiben, fliegt US-Außenminister Mike Pompeo lieber nach Brüssel. Dort will er mit den europäischen Außenministern über den Iran-Konflikt sprechen.
US-Außenminister Mike Pompeo

US-Außenminister Mike Pompeo

Foto: Sait Serkan Gurbuz/ AP

US-Außenminister Mike Pompeo verkürzt kurzfristig seinen anstehenden Russland-Besuch. Am Montag werde Pompeo zunächst nach Brüssel reisen, um dort mit den Europäern Gespräche über Iran und andere Angelegenheiten zu führen, sagte ein Vertreter des US-Außenministeriums, der namentlich nicht genannt werden wollte.

Pompeos geplanter Moskau-Besuch werde gestrichen. Sein für Dienstag angesetztes Treffen mit Präsident Wladimir Putin und Außenminister Sergej Lawrow in Sotschi werde aber wie vorgesehen stattfinden.

Die EU-Außenminister kommen am Montag in Brüssel zusammen. Thema dürfte das Atomprogramm Irans sein. Dabei soll es vor allem darum gehen, trotz amerikanischer Sanktionsdrohungen Handelsbeziehungen mit Iran aufrechtzuerhalten.

Wegen US-Sanktionsdrohungen machten zuletzt aber kaum noch ausländische Unternehmen mit dem Land Geschäfte. Die Islamische Republik hatte deshalb vergangene Woche angekündigt, einige Verpflichtungen aus dem Atomabkommen vorerst nicht mehr zu erfüllen und binnen 60 Tagen mit weiteren Schritten gedroht. Die USA hatten daraufhin ihre Sanktionen gegen Teheran verschärft und Kriegsschiffe und Langstreckenbomber in die Region verlegt.

Auf ein Gesprächsangebot von US-Präsident Donald Trump hatte Iran kühl reagiert: Trump schlug vor, Irans Präsident Hassan Rohani solle ihn direkt anrufen, um über den Konflikt zu sprechen. Rohani knüpfte ein Gespräch mit Trump an den Fall der US-Sanktionen und einen Wiedereintritt der USA in das Wiener Atomabkommen.

Pompeo: "Krieg ist nicht unser Ziel"

Die USA waren aus der Vereinbarung vor einem Jahr einseitig ausgestiegen. Die übrigen Vertragspartner wollen das Abkommen erhalten.

In einem Interview mit CNBC sagte Pompeo, man habe mit den Kriegsschiffen auf Informationen über mögliche Angriffe Irans reagiert. "Falls Iran sich gegen amerikanische Interessen stellen sollte - ob im Irak oder Jemen oder sonstwo im Mittleren Osten - sind wir darauf vorbereitet, in angemessener Weise zu reagieren". Er fügte hinzu: "Krieg ist nicht unser Ziel"

mfh/AFP/dpa/Reuters