US-Außenminister Pompeo sagt Besuch bei Merkel und Maas ab

Gespräche über das Verhältnis zu China und Russland sowie die Krisen in Venezuela und in Syrien waren angedacht - nun hat US-Außenminister Mike Pompeo seinen Besuch in Berlin gestrichen.

Mike Pompeo: Absage wegen "dringender Angelegenheiten"
MANDEL NGAN/ AFP

Mike Pompeo: Absage wegen "dringender Angelegenheiten"


US-Außenminister Mike Pompeo hat einen für Dienstag in Berlin geplanten Besuch abgesagt. Grund seien dringende Angelegenheiten, sagte ein Sprecher der US-Botschaft der Deutschen Presse-Agentur. "Leider müssen wir die Treffen in Berlin wegen dringender Angelegenheiten neu terminieren", sagte er. Der Besuch solle bald nachgeholt werden.

Die US-Botschaft twitterte, der US-Außenminister freue "sich schon darauf, bald nach Berlin zu kommen". Das Kanzleramt verwies bezüglich der Hintergründe der Absage auf die US-Botschaft. In einem Telefonat teilte Pompeo seinem deutschen Kollegen Heiko Maas sein Bedauern mit. Es wäre sein erster Deutschlandbesuch seit seinem Amtsantritt vor gut einem Jahr gewesen.

Am Montag hatte der US-Außenminister an einem Treffen des Arktischen Rats in Finnland teilgenommen. Seine Termine in London am Mittwoch sagte Pompeo zunächst nicht ab.

Maas betont "engen Draht nach Washington"

Gut ein Jahr nach seinem Amtsantritt wollte Pompeo erstmals Deutschland besuchen. In Berlin waren Treffen erst mit Außenminister Heiko Maas und dann Kanzlerin Angela Merkel geplant. Maas hatte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland zu dem Gespräch gesagt, praktisch alle internationalen Großthemen und Konflikte ließen sich nur im Dialog mit Amerika lösen. "Wir brauchen den engen Draht nach Washington. Deshalb haben wir ein vitales Interesse daran, bei den dringenden internationalen Fragen eng mit den Amerikanern zusammenzuarbeiten und die europäische Position zu vertreten."

Die deutsch-amerikanischen Beziehungen sind seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump Anfang 2017 angespannt. Die US-Regierung wirft dem Nato-Partner Deutschland mangelnde Militärausgaben vor, kritisiert das deutsch-russische Pipelineprojekt Nord Stream 2 scharf und droht mit Strafzöllen wegen des deutschen Handelsüberschusses.

Im Februar hatte der 55-jährige frühere CIA-Chef auf eine Teilnahme an der Münchner Sicherheitskonferenz verzichtet, obwohl er zu der Zeit tagelang in Europa unterwegs war und Polen, die Slowakei, Ungarn, Belgien und Island besuchte.

mkl/mst/dpa



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arno.busch 07.05.2019
1. Pompeo von der Rolle
Pompeo hat wohl einfach keine Lust sich mit widerspenstigen Deutschen auseinanderzusetzen. Maas/Merkel dürfte deutlich klargemacht haben, dass sie nicht willfährig sein wollen. Und genau das können die Trump-Regierung nicht leiden und nicht mit umgehen. Die Trump und Pompeo können nur Diktate, verhandeln ist nicht ihr Ding.
Jay Huber 07.05.2019
2. Der Dialog ist wichtig ...
Pompeo ist es nicht. Er wird, wie die gesamte US-Regierung, weltweit zunehmend weniger ernst genommen, zumindest als Gesprächspartner. Als Bedrohung für Handel und Frieden sollte man die derzeitige US-Regierung hingegen sehr ernst nehmen ...
koch-51 07.05.2019
3. Eine gezielte Demütigung
Das ist doch eine gezielte Demütigung. Pompeo signalisiert damit, dass es schlicht überflüssig ist, in die Bundesrepublik zu reisen, er verdeutlicht damit, dass es reicht, diesbezüglich nach Paris zu reisen. Dass Pompeo während der Sicherheitskonferenz lieber seine US-Vasallen, die EU-Ostblockstaaten, besucht hat, sollte uns nicht weiter stören. Es gilt, bei Frankreich unsere Vorstellungen einzubringen und ansonsten unauffällig zu versuchen zu"überwintern", bis Trump hoffentlich durch einen Demokraten ersetzt wird.
w.vollmer 07.05.2019
4. Eine gute Nachricht
Wer will schon mit einer Marionette Namens Pompeo sprechen. Kommt absolut nichts raus. Das wäre eine Kaffeefahrt gewesen. Die USA wird immer mehr zum Zwergenstaat, was den politischen Einfluss angeht. China und Russland werden das positiv vermerken.
bs2509 07.05.2019
5. Diese Hollywood-Schmonzette
ist köstlich. Da gieren Merkel und ihr gutangezogener Außenminister nach einem Treffen, mit einem der schlimmsten Polit-Gangster der jüngeren Zeit und werden " Vertröstet" . . . Der "Kriegstreiber Nr.2" nach Bolton, hätte etwas wichtigeres zu tun als sich mit der Deutschen Regierungsspitze zu treffen. Nun gut, wenn sich die USA auf die nächste kriminelle Aktion vorbereiten auch kein Wunder. Wer es noch nicht verstanden hat, es ein Hobby von Trump und seiner Rechtsabieger-Riege, Merkel und Deutschland spüren zu lassen, wie wenig ihnen an einem guten Kontakt, guten Beziehungen liegt. Aber die typische Haltung gegenüber den USA hat Deutschland nie abgelegt. Die Geschichte der DDR kritisieren, wegen ihrer "Großer Bruder-Politik" gegenüber der Sowjetunion, aber selber die permanente "Jawoll und Strammstehen-Politik" gegenüber den USA nibelungentreu zu erfüllen, ist mehr als peinlich.
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