Saudi-Arabien US-Außenminister Pompeo macht Iran für Angriffe auf Ölraffinerie verantwortlich

Die US-Regierung gibt dem Iran die Schuld für die schweren Drohnenangriffe auf eine saudi-arabische Ölraffinerie. Zuvor hatten sich die jemenitischen Huthi-Rebellen zu den Angriffen bekannt.

US-Außenminister Mike Pompeo zieht den Iran in die Verantwortung
Samuel Golay/Keystone/AP

US-Außenminister Mike Pompeo zieht den Iran in die Verantwortung


Die Drohnenangriffe auf die wichtigste Ölraffinerie Saudi-Arabiens wurden nach Auffassung der USA vom Iran ausgeübt - und nicht von den jemenitischen Huthi-Rebellen.

US-Außenminister Mike Pompeo schrieb am Samstag auf Twitter: "Inmitten der Rufe nach Deeskalation hat der Iran jetzt einen beispiellosen Angriff auf die Welt-Energieversorgung verübt. Es gibt keinen Beweis, dass die Angriffe vom Jemen kamen."

Zuvor hatten sich die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen aus dem benachbarten Jemen ausdrücklich zu den Angriffen bekannt. Pompeo forderte alle Nationen dazu auf, die iranischen Angriffe "öffentlich und eindeutig" zu verurteilen. Die USA würden sicherstellen, dass der Iran für seine Aggression zur Rechenschaft gezogen werde.

Das Weiße Haus teilte mit, US-Präsident Donald Trump habe dem saudischen Kronprinzen Mohammad Bin Salman in einem Telefonat "seine Unterstützung für Saudi-Arabiens Selbstverteidigung" angeboten.

Die politischen Folgen des Angriffs seien Experten zufolge nur schwer abzuschätzen. Das Risiko, dass ein regionaler Konflikt zwischen dem Iran und Saudi-Arabien heranwachse, sei jedoch deutlich gestiegen. Die US-Regierung werde weiter darauf hinwirken, dass die globalen Ölmärkte ausreichend beliefert würden und stabil blieben.

Sandy Fielden vom Analysehaus Morningstar sagte, die wichtigste Frage sei nun, wie viel Öl Saudi-Arabien im Lagerbestand habe, um die internationalen Märkte zu versorgen, bis die Anlagen wieder repariert seien. Eine Möglichkeit zum Ausgleich eines Engpasses sei, dass die Öl-Sanktionen der USA gegen den Iran aufgehoben würden. Schließlich hätten die Iraner wegen des derzeitigen Embargos Öl im Überfluss. "Aber politisch wäre das für die Regierung Trump eine schwer zu schluckende Pille."

Andere Experten verwiesen darauf, dass es auch strategische Öl-Reserven der Mitglieder der Internationalen Energie-Agentur IEA gebe. Diese äußerte sich zum Thema Reserven zunächst nicht. Die IEA erklärte am Samstagabend lediglich, derzeit seien die weltweiten Öl-Märkte gut versorgt und es gebe genug Lagerbestände.

Brände in beiden Raffinerien sollen unter Kontrolle sein

In den beiden Zentren können der New York Times zufolge täglich 8,45 Millionen Barrel Rohöl verarbeitet werden, was den größten Teil der Öl-Produktion Saudi-Arabiens ausmacht. Das Land fördert fast ein Zehntel des weltweiten Rohöls.

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, dass die Drohnenangriffe der Öl-Produktion erheblich geschadet hätten. Im Moment sei sie um fünf Millionen Barrel pro Tag verringert. Das ist fast die Hälfte der Produktion des Königreichs. Die Brände in beiden Einrichtungen seien inzwischen unter Kontrolle, heißt es inzwischen in den saudi-arabischen Medien.

Saudi-Arabien führt im Jemen eine von den USA unterstützte Militärkoalition an, die gegen die Huthis kämpft. Diese werden wiederum vom Iran unterstützt und halten große Teile des Nordjemens inklusive der Hauptstadt Sanaa unter Kontrolle. In den vergangenen Monaten hatten die Huthis bereits mehrere Angriffe mit Drohnen auf Ölpipelines und Flughäfen in Saudi-Arabien durchgeführt.

flg/dpa/Reuters

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