US-Außenminister Pompeo startet Werbetour für weltweite Koalition gegen Iran

Nach dem Abschuss einer US-Drohne durch Iran möchte US-Außenminister Mike Pompeo einen internationalen Verbund gegen Teheran aufbauen. Eine Idee, die an die "Koalition der Willigen" im Irakkrieg erinnert.
US-Außenminister Mike Pompeo

US-Außenminister Mike Pompeo

Foto: Jacquelyn Martin/ REUTERS

Der Konflikt zwischen Iran und den USA hat sich in der vergangenen Woche gefährlich zugespitzt. Nun will Washington eine weltweite Koalition gegen den Gottesstaat aufbauen. US-Außenminister Mike Pompeo sprach von "einer Koalition, die sich nicht nur über die Golfstaaten erstreckt, sondern auch über Asien und Europa". Diese solle bereit sein, den "größten Sponsor des Terrors auf der Welt" zurückzudrängen, sagte Pompeo vor einer Reise nach Saudi-Arabien und in die Vereinigten Arabischen Emirate. Mit beiden Ländern will er über eine gemeinsame Linie in der Iran-Frage reden.

Diese neue weltweite Koalition erinnert an die "Koalition der Willigen", die den Angriff der USA auf den Irak im März 2003 unterstützte. Der Militäreinsatz führte zum Sturz des damaligen irakischen Diktators Saddam Hussein.

Deutschland wurde noch nicht offiziell zur Beteiligung an der geplanten Koalition aufgefordert. Man habe die Initiative von US-Außenminister Mike Pompeo lediglich "über die Medien zur Kenntnis genommen", hieß es aus dem Auswärtigen Amt.

Neue Sanktionen gegen Iran treten in Kraft

Pompeo zufolge treten am Montag neue Sanktionen gegen Iran in Kraft. Die USA wollen das Land demnach daran hindern, Atomwaffen und Raketen zu bauen und damit dafür sorgen, dass US-amerikanische Interessen gewahrt würden und Amerikaner weltweit sicher seien. US-Präsident Donald Trump hatte die neuen Sanktionen am Wochenende per Twitter angekündigt. In einem am Sonntag ausgestrahlten Interview des Senders NBC sagte Trump allerdings auch, er sei "ohne Vorbedingungen" zu Gesprächen mit Iran bereit.

Seit Monaten gibt es Spannungen zwischen Iran und den USA. Vergangene Woche schoss Iran dann eine Aufklärungsdrohne ab, die nach Angaben aus Teheran den Luftraum des Landes verletzt hatte. Nach US-Angaben flog das unbemannte Flugzeug dagegen in internationalem Luftraum. Die USA bereiteten danach einen Gegenschlag vor, den Trump nach eigenen Angaben nur kurz zuvor stoppte. Er begründete das mit der erwarteten Zahl von 150 Todesopfern in Iran, die er unverhältnismäßig im Vergleich zum Abschuss eines unbemannten Flugzeugs nannte.

Iran will von Cyberangriffen nicht getroffen worden sein

Medienberichten zufolge attackierten die USA außerdem mit einem Cyberangriff das iranische Raketenabschusssystem - und setzten es außer Kraft. Iran meldete hingegen, die Angriffe seien erfolglos gewesen. Die USA versuchten es immer wieder, hätten aber keinen Erfolg gehabt, teilte der iranische Telekommunikationsminister Mohammed Dschawad Asari Dschahromi per Twitter mit.

Nach den Ereignissen vom Wochenende drohte Irans Militär mit einem erneuten Abschuss einer US-Drohne über dem Persischen Golf. "Jeder hat den Abschuss der unbemannten Drohne gesehen", sagte Konteradmiral Hossein Chansadi. "Ich kann versichern, dass diese entschiedene Antwort wiederholt werden kann, und der Gegner weiß das."

mfh/dpa