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Milan Milutinovic Kriegsverbrechertribunal spricht serbischen Ex-Präsidenten frei

Überraschendes Urteil aus Den Haag: Das Uno-Tribunal für Ex-Jugoslawien hat den serbischen Ex-Präsidenten Milutinovic vom Vorwurf der Kriegsverbrechen im Kosovo freigesprochen - er wird nun sofort freigelassen. Seine Mitangeklagten erhielten lange Haftstrafen.
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Den Haag - Das Gericht sah die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gegen den ehemaligen serbischen Präsidenten als nicht hinreichend erwiesen an - das erklärte Richter Lord Iain Bonomy. Er ordnete die umgehende Freilassung Milutinovics an.

Andere Angeklagte erhielten für ihre Rolle bei der Vertreibung hunderttausender Kosovo-Albaner durch Greueltaten serbischer Truppen Gefängnisstrafen bis zu 22 Jahren. Ein Jahrzehnt nach der Vertreibung waren neben Milutinovic fünf weitere einstige serbische Politiker angeklagt.

Die Staatsanwaltschaft hat allen sechs Beschuldigten Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen und Gefängnisstrafen zwischen 20 Jahren und lebenslänglich beantragt. Unter den Verurteilten befinden sich der frühere jugoslawische Vizeministerpräsident Nikola Sainovic und mehrere Generäle. Neben der Vertreibung von 800.000 Zivilisten warf ihnen die Anklage vor, eine "systematische Kampagne von Terror und Gewalt" in der ehemaligen serbischen Provinz Kosovo gestartet zu haben, bei der Hunderte albanische Zivilisten getötet wurden. Alle Beschuldigten wiesen die Vorwürfe zurück.

Milutinovic hatte sich 2003 freiwillig dem Tribunal gestellt. Er galt als treuer Anhänger des ehemaligen jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic, der 2006 im Gefängnis des Tribunals gestorben war.

ler/dpa/AFP