Militär Irakische Sicherheitskräfte kaum einsatzbereit

Die Sicherheitslage im Irak wird immer labiler: Die neuen Sicherheitskräfte sind nach Angaben des US-Militärs immer weniger in der Lage, ohne amerikanische Unterstützung zu kämpfen. Von den bislang ausgebildeten 120 Bataillonen könne nur eins eigenständig agieren.


Washington - Was führende US-Generäle gestern dem Kongress berichteten, ist ein erneuter Rückschlag für die Bemühungen, die Lage im Irak zu stabilisieren. Die irakischen Sicherheitskräfte bestehen aus 192.000 Soldaten und Polizisten, die so ausgebildet werden sollen, dass sie die Aufgaben der US-geführten Truppen vollständig übernehmen können. Doch die Einsatzbereitschaft der neuen Truppen, so die Generäle, sei in den vergangenen Monaten beständig gesunken.

"Wir sind uns sehr klar darüber, dass die irakischen Streitkräfte für eine Weile nicht allein handlungsfähig sein werden, weil ihnen die institutionelle Unterstützung fehlt", sagte US-General George Casey vor dem Streitkräfte-Ausschuss des Senats.

Die republikanische Senatorin Susan Collins aus Maine sprach von einer enttäuschenden Entwicklung, die "zu einem Vertrauensverlust der Öffentlichkeit in den Kriegsverlauf" Beitrage. Sie werfe die Frage auf, "ob diese Strategie die richtige ist und ob sie richtig umgesetzt wird und ob wir Fortschritte machen." Ihr Parteikollege John McCain aus Arizona sagte, der Krieg sei nicht so gut verlaufen wie vom Verteidigungsministerium vorhergesagt.

Die Ausbildung der irakischen Polizei und des Militärs gilt als Bedingung für einen Abzug der US-Truppen. Die Amerikaner haben 147.000 Soldaten im Irak stationiert. Seit dem Beginn des Krieges sind nach Angaben des Verteidigungsministeriums 1924 amerikanische Militärangehörige ums Leben gekommen und 14.755 bei Kampfhandlungen verwundet worden.

In Umfragen hat die Zustimmung der amerikanische Bevölkerung zum Irak-Krieg in jüngster Zeit deutlich abgenommen. Einige Abgeordnete fordern einen Zeitplan für einen Abzug. Die US-Regierung hat wiederholt erklärt, ein Abzug oder auch nur ein konkretes Datum dafür würde den Aufständischen Auftrieb verleihen. In einer späteren Befragung im Streitkräfte- Ausschuss des Repräsentantenhauses wies auch Casey Fragen nach einem Zeitplan zurück. Im 20. Jahrhundert hätten Militäraktionen gegen aufständische Gruppen im Schnitt neun Jahre gedauert. "Und es gibt keinen Grund für uns zu glauben, dass der Aufstand im Irak in kürzerer Zeit bewältigt werden kann." Ob US-Truppen für diesen Zeitraum im Irak werden bleiben müssen, sagte er nicht.



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