Militär Nordkorea sieht in US-Raketentest Kriegsdrohung

Die US-Armee hat den erfolgreichen Test einer Abfangrakete über dem Pazifik gemeldet. Nordkorea reagierte sofort und sprach von einer Provokation der USA, die einer Kriegsdrohung gleichkomme.


Los Angeles – Der Test zum Ausbau der US-Raketenabwehr sei gelungen, teilten die amerikanischen Streitkräfte mit. Eine Abfangrakete habe über dem Pazifik eine Gefechtskopfattrappe zerstört. Ein Sprecher der Raketenabwehr erklärte, eine 16 Meter lange Abfangrakete sei aus einem unterirdischen Silo des Luftwaffenstützpunkts Vandenberg abgefeuert worden, 17 Minuten nachdem die zu treffende Zielrakete in Alaska von der Insel Kodiak gestartet worden sei.

Von der Abfangrakete habe sich dann ein Geschoss gelöst, das mit einer Geschwindigkeit von fast 29.000 Kilometern in der Stunde den 1,20 Meter großen Gefechtskopf der Zielrakete getroffen habe. Generalleutnant Henry Obering nannte den Test auf einer Pressekonferenz im Pentagon "einen vollen Erfolg". Gesteuert wurde der Einsatz von einem Befehlszentrum in Colorado. Kritiker erklärten aber, der Test sei weit von realistischen Bedingungen entfernt gewesen. Die USA haben seit 1983 für den Aufbau einer Raketenabwehr mehr als 100 Milliarden Dollar ausgegeben.

Die Regierung in Pjöngjang erklärte daraufhin, der Test zeige klar, dass es die USA seien, die die Spannungen verstärkten. Die Provokation käme einer Kriegsdrohung gleich. Der Test ziele darauf, "uns anzugreifen und unsere Raketen abzufangen", hieß es in einer von der Nachrichtenagentur KCNA verbreiteten Erklärung des nordkoreanischen Komitees für die friedliche Wiedervereinigung des Vaterlands. Nordkorea werde darauf mit einer Stärkung seiner Abschreckung zur Selbstverteidigung reagieren. Mit diesen Begriffen beschreibt Nordkorea meist ihr Atomprogramm.

Der US-Test war der erste seit dem Aufsehen erregenden Raketentest Nordkoreas: Die stalinistische Führung des Landes hatte Anfang Juli sechs Mittelstrecken- und eine Langstreckenrakete abgeschossen. Die Waffen stürzten ins Meer. US-Experten befürchten, dass nordkoreanische Raketen eines Tages den Westen der USA erreichen können.

Nordkorea beschuldigte die Vereinigten Staaten darüber hinaus, auch mit einem gemeinsamen Militärmanöver mit Südkorea einen Krieg heraufzubeschwören. Das US-südkoreanische Militärmanöver, das am Tag vor dem amerikanischen Raketentest zu Ende gegangen war, sei "fast" einer Kriegserklärung gleichgekommen. An der zehntägigen Übung hatten rund 9000 US-Soldaten und eine nicht bekannte Zahl von südkoreanischen Soldaten teilgenommen.

asc/AP/AFP



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