Militäraktion US-Truppen stürmen iranisches Konsulat in Arbil

"Der Fluss an Unterstützung muss unterbrochen werden" - mit diesen Worten hatte US-Präsident Bush in seiner TV-Ansprache seinen Vorwurf an Iran bekräftigt, Extremisten im Irak zu unterstützen. Nur wenige Stunden später stürmten US-Truppen in der nordirakischen Stadt Arbil das iranische Konsulat.


Arbil - Irakische und iranische Medien berichteten, US-Soldaten seien in die iranische Vertretung in Arbil eingedrungen und hätten mehrere Personen festgenommen. Die iranische Nachrichtenagentur Irna meldete, die US-Einheit hätte zunächst die iranischen Wachen entwaffnet und habe fünf Mitarbeiter des Konsulats ohne Angabe von Gründen verhaftet. Die Soldaten hätten auch Dokumente und Computer beschlagnahmt.

Laut Irna hat das Außenministerium in Teheran bereits eine offizielle Protestnote an das US-Außenministerium geschickt. Das US-Militär nahm zu den Berichten zunächst nicht Stellung. Bereits im Dezember hatten US-Soldaten im Irak iranische Diplomaten festgenommen, was bei den Regierungen in Bagdad und Teheran auf heftige Kritik stieß.

US-Präsident George W. Bush hatte in seiner Rede zur neuen Irak-Strategie Iran und Syrien erneut vorgeworfen, die Aufständischen im Irak zu unterstützen. Dieser "Fluss an Unterstützung" für Anschläge auf US-Soldaten im Irak müsse unterbrochen werden, forderte Bush am Mittwochabend (Ortzeit). Er fügte hinzu, Saudi-Arabien, Ägypten, Jordanien und die Golfstaaten "müssen verstehen, dass eine amerikanische Niederlage im Irak eine neue Zufluchtsstätte für Extremisten bedeuten würde - und eine strategische Bedrohung für ihr Überleben".

Wenige Stunden nach Bushs Rede griffen amerikanische und irakische Truppen in Bagdad mutmaßliche Aufständische und Terroristen an. In der Nacht wurden Luftangriffe aus dem Dschihad-Viertel gemeldet. Am Morgen waren in West-Bagdad mehrere heftige Explosionen zu hören.

Augenzeugen berichteten von Artilleriefeuer auf Ziele im südlichen al-Dura-Viertel. Bush hatte erklärt, der wichtigste Faktor im Irak sei Sicherheit, speziell in Bagdad, wo 80 Prozent aller Gewalttaten zwischen Sunniten und Schiiten verübt würden.

Die US-Armee berichtete unterdessen, ein amerikanischer Soldat sei am Dienstag in der westirakischen Aufständischen-Hochburg Falludscha getötet worden.

phw/dpa/reuters

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