Militärflughafen Kabul Afghanischer Pilot schießt auf Nato-Soldaten

Ein Streit zwischen einem Offizier der afghanischen Luftwaffe und Nato-Soldaten endete am Flughafen in Kabul in blutiger Gewalt: Der Afghane eröffnete das Feuer auf die Soldaten - sechs von ihnen wurden offenbar getötet.


Kabul - Bei einem Schusswechsel zwischen einem afghanischen Offizier und Soldaten der Nato am Militärflughafen von Kabul sind mehrere Menschen getötet worden - unter den Toten ist demnach auch der 50-jährige afghanische Offizier. Zwischen dem afghanischen Piloten und den Nato-Soldaten sei zuvor ein Streit ausgebrochen, teilte das afghanische Verteidigungsministerium am Mittwoch mit. Der Vorfall ereignete sich demnach im Hauptquartier der afghanischen Luftwaffe, das an den Flughafen angeschlossen ist.

Nach Angaben der Nato wurden sechs Soldaten tödlich getroffen. Mehrere Menschen wurden bei dem Schusswechsel verletzt, teilte das Verteidigungsministerium weiter mit. Nähere Angaben wurden zunächst nicht gemacht. Nach Informationen der Nachrichtenagentur AP kamen auch Angehörige westlicher Streitkräfte ums Leben.

Der Vorfall habe sich in einem Bereich des Flughafens ereignet, der von der afghanischen Luftwaffe genutzt werde, sagte Sahir Asimi, Sprecher des Verteidigungsministeriums. "In den vergangenen 20 Jahren war er (der afghanische Offizier) Militärpilot. Zwischen ihm und Ausländern brach ein Streit aus, und wir müssen das untersuchen", sagte er.

Taliban bekennen sich zu Anschlag

Der militärische Teil des internationalen Flughafens in Kabul verfügt über eine eigene Zufahrt und ist schwer gesichert. Dort sind auch zahlreiche internationale Truppen stationiert. Ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr in Potsdam sagte der Nachrichtenagentur AFP, deutsche Soldaten seien an dem Vorfall nicht beteiligt gewesen und daher nicht betroffen. In Kabul sind rund 300 deutsche Soldaten stationiert. Sie werden auch immer wieder am Militärflughafen eingesetzt. Zahlreiche afghanische Soldaten bezogen vor dem Gebäudekomplex Stellung, wie ein AFP-Reporter vor Ort berichtete.

Die Nachrichtenagentur AP berichtete, die radikalislamischen Taliban hätten sich in einer Botschaft zu dem Angriff bekannt. Eine Verbindung des Piloten zu den Extremisten konnte von den Behörden zunächst jedoch nicht bestätigt werden. In den vergangenen Monaten hatten Islamisten in Armee- oder Polizeiuniformen immer wieder gut bewachte Einrichtungen der afghanischen Sicherheitskräfte oder Behörden angegriffen. So attackierte ein Mann mit Sprengstoffweste vergangene Woche das Verteidigungsministerium. Zwei Soldaten und der Angreifer starben, bevor dieser seine Sprengstoffweste zur Explosion bringen konnte.

Der Vorfall am Flughafen von Kabul kommt zu einer Zeit, da die Stimmung im Land einmal mehr äußerst angespannt ist. Bei einem Luftangriff in der ostafghanischen Provinz Kunar ist am Dienstag nach Nato-Angaben einer der meistgesuchten Aufständischen in Afghanistan getötet worden. Die Isaf-Schutztruppe teilte mit, der hochrangige Anführer des Terrornetzes al-Qaida, Abu Hafs al-Nadschdi, habe auf der Fahndungsliste der gesuchten Extremisten an zweiter Stelle gestanden. Der auch Abdul Ghani genannte Aufständische sei bereits am 13. April gemeinsam mit einem weiteren al-Qaida-Funktionär und mehreren anderen Extremisten bei einem Luftschlag ums Leben gekommen. Nach Abdul Ghani, der aus Saudi-Arabien stammte, sei bereits seit 2007 gefahndet worden.

Such nach flüchtigen Taliban

Gleichzeitig suchen Sicherheitskräfte weiter nach zahlreichen Taliban-Kämpfern, die bei einer Massenflucht aus einem Gefängnis im südafghanischen Kandahar entkommen sind. Nach offiziellen Angaben wurden 65 Häftlinge wieder gefangen genommen. Das Büro des Gouverneurs der Provinz Kandahar teilte am Dienstag mit, die afghanische Polizei werde bei der Fahndung durch Nato-Truppen unterstützt. 487 Aufständischen war am Montag eine spektakuläre Flucht aus dem Sarposa-Gefängnis durch einen 320 Meter langen Tunnel gelungen. Zwei Flüchtlinge waren kurz darauf in Kandahar-Stadt getötet worden, als sie sich einer Festnahme widersetzten.

Bereits unmittelbar nach der Massenflucht war der Verdacht geäußert worden, dass die Aktion nur mit Hilfe der Wachkräfte gelingen konnte. In einem am Dienstag veröffentlichten ersten Bericht des Justizministeriums für Präsident Hamid Karzai hieß es, die Behörden untersuchten, wie die Aufständischen unbemerkt entkommen könnten. Der Bericht warf zahlreiche Fragen auf. So erwähnte er, dass unklar sei, wieso das aufwendige Graben des Tunnels und das Entsorgen des Erdreichs weder Anwohnern noch Sicherheitskräften aufgefallen sei. Das Haus, von dem aus der Tunnel gegraben worden sei, sei noch vor zweieinhalb Monaten von der Polizei durchsucht worden.

hen/AFP/AP/dpa



insgesamt 44 Beiträge
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Seite 1
Bre-Men, 27.04.2011
1. Ja, nun
Irgendwie scheint es mit dem Brückenbauen immer noch nicht zu klappen.
frubi 27.04.2011
2. .
Zitat von sysopEin Streit zwischen einem Offizier der afghanischen Luftwaffe und Nato-Soldaten endete am Flughafen in Kabul in blutiger Gewalt: Der Afghane eröffnete das Feuer auf die Soldaten - Ministeriumsangaben zufolge gab es mehrere Tote. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,759216,00.html
Und täglich grüßt ........ Wie lange wollen unsere Abnicker im Bundestag dieses Desaster eigentlich noch unterstützen?
distributer 27.04.2011
3. Friendly fire?
Da war doch dieser Artikel, wo Deutsche Soldaten Afghanische Truppen erschossen hatten? In diesem Fall wurde der Mann vielleicht in seiner Ehre verletzt und musste deswegen alle erschiessen?
Brakelmann 27.04.2011
4. Weg dort
Zitat von sysopEin Streit zwischen einem Offizier der afghanischen Luftwaffe und Nato-Soldaten endete am Flughafen in Kabul in blutiger Gewalt: Der Afghane eröffnete das Feuer auf die Soldaten - Ministeriumsangaben zufolge gab es mehrere Tote. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,759216,00.html
Das wird nichts in Afghanistan, offensichtlich wollen die Menschen dort auch ihre Verhältnisse nicht ändern. Es wird allerdhöchste Zeit, die Bundeswehr dort abzuziehen. Es gibt dort nichts zu holen und wohl auch nichts zu verbessern.
Kassian 27.04.2011
5. .
Zitat von Bre-MenIrgendwie scheint es mit dem Brückenbauen immer noch nicht zu klappen.
Ach ich denke die Taliban denken sicher das es mit der Infiltration sehr gut gelaufen ist, wenn man bedenkt das die eingeschleusten Kämpfer jetzt oftmals von den Gegnern unterrichtet und in deren Taktik geschult werden kann es eigentlich nicht besser kommen. Ob der Pilot jetzt etwas mit den Taliban zu tun hat kann man nicht sicher sagen, aber es sollte doch bedenklich sein wenn deren Militärpersonal bei persönlichem Streit (egal worum es ging) offenbar bereit ist zur Waffe zu greifen. Hier hilft nur noch eines: einen würdigen Abgang beschließen, wahrscheinlich wird das ähnlich wie beim Abzug der "siegreichen" Sowjetunion laufen. Wie lange würde die afghanische "Regierung" sich wohl ohne die ISAF halten? Vielleicht 1 Jahr (je nach Stammeszugehörigkeit auch ggf. länger), aber letztlich würden die Taliban wieder gewinnen bzw. das Land wieder in Norden + Süden geteilt sein. HIer kann man nicht gewinnen und das ständige beharren auf einen Sieg kostet nur Geld und Menschenleben. Die Reihenfolge wurde bewusst so gewählt, da dem Westen dieses verpulverte Geld derzeit schon abgeht und in Zukunft noch weitaus mehr. Unsere Regierungen verschleißen ihre wirtschaftlichen + militärischen Mittel in diesem Land und am Ende gehen die Gegner bei allen Verlusten die diese selber erleiden doch nur gestärkt daraus hervor.
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