Militäroffensive gegen Rebellen Mehr als 100 Kinder bei Kämpfen in Sri Lanka getötet

Die Vereinten Nationen sprechen von einem "Blutbad": Bei einer Offensive der srilankischen Armee gegen tamilische Rebellen sind mindestens 378 Menschen ums Leben gekommen - unter den Toten sind mehr als 100 Kinder.


Colombo - Es war der schwerste Angriff des srilankischen Militärs auf tamilische Rebellen seit drei Jahren: Von Samstagabend bis Sonntagmorgen dauerten die Kämpfe im Nordosten des Landes. Die ganze Nacht feuerte die Artillerie Berichten zufolge auf das Gebiet. Laut Uno kamen bei dem Angriff mindestens 378 Menschen ums Leben - darunter mehr als 100 Kinder.

Verletzte Kinder in einem Krankenhaus im Norden Sri Lankas: "Das Blutbad ist Realität"
REUTERS

Verletzte Kinder in einem Krankenhaus im Norden Sri Lankas: "Das Blutbad ist Realität"

Die Vereinten Nationen hätten schon lange vor einer derartigen Eskalation gewarnt, sagte Uno-Sprecher Gordon Weiss am Montag. Jetzt sei "dieses Blutbad eine Realität geworden".

Für den Angriff machten sich Regierung und die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) gegenseitig verantwortlich. Der LTTE- nahe Internetdienst Tamilnet berichtete am Sonntag, die Armee habe in der Nacht ein von der Regierung als "sichere Zone" ausgewiesenes Gebiet mit Artillerie beschossen. Die Regierung bezeichnete die Anschuldigungen als "Rebellen-Propaganda".

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums wurden bei den Gefechten auch Waffen und Schnellboote sichergestellt. Gleichzeitig warf das Ministerium den Rebellen vor, Minenwerfer in der "sicheren Zone" positioniert und Zivilisten beschossen zu haben.

Eine unabhängige Bestätigung für die Berichte von LTTE und Militär gab es nicht, da die Regierung Journalisten und internationalen Beobachtern den Zugang in das noch von den Rebellen gehaltene Gebiet verweigert. Erst Ende April hatte die LTTE behauptet, bei Angriffen der Armee seien binnen eines Tages 1000 Zivilisten getötet und 2300 verletzt worden. Das Militär hatte dies zurückgewiesen.

Die LTTE, die einst weite Teile im Norden und Osten Sri Lankas kontrollierte, ist auf einem nur noch etwa fünf Quadratkilometer großen Küstenstreifen nördlich der Stadt Mullaitivu vom Militär eingekesselt. Im Kampfgebiet sitzen nach Uno-Schätzungen noch rund 50.000 Zivilisten fest. Colombo spricht von weniger als 20.000 Zivilisten in dem Gebiet.

Die Regierung wirft der LTTE vor, die Zivilisten gewaltsam an der Flucht zu hindern. Die LTTE kritisiert, die Armee beschieße die Region ohne Rücksicht auf Unbeteiligte. Unter internationalem Druck hatte die Regierung nach eigenen Angaben vor zwei Wochen den Einsatz schwerer Waffen sowie Luftangriffe gestoppt.

hen/AP/AFP



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